Geilenkirchen: Handfester Streit zwischen zwei Pferdehändlern endet vor Gericht

Geilenkirchen : Handfester Streit zwischen zwei Pferdehändlern endet vor Gericht

„Ich habe jetzt den Salat und kann das jetzt ausbaden“, meinte der Angeklagte missmutig, nachdem ihm Richterin Corinna Waßmuth zu verstehen gegeben hatte, dass sie seine Version der Geschichte nicht ganz glaubhaft fand.

Dabei hatte der 35-jährige ehemalige Pächter eines im Kreis Heinsberg gelegenen Reiterhofs seine Geschichte doch mit einiger Überzeugungskraft dargeboten. Er habe, so der Angeklagte, als er seinem Geschäftspartner das Gesicht poliert habe, seine feine Hose angehabt. Dazu habe er ein Hemd und seine teure Uhr getragen. Und auch die Haare seien gemacht gewesen. Und doch habe die Polizei nach der Tat keine Blutspuren auf seiner Kleidung gefunden.

Dies sprach nach Einschätzung des Angeklagten dafür, dass er es nicht gewesen sein konnte, der seinen Geschäftspartner am Mittag des 9. August 2017 so zugerichtet hatte, wie es die Beweisaufnahmen der Polizei darstellten. Da hätte er ja eine Eisenstange nehmen müssen, um diese Wirkung zu erzielen, schätzte der Angeklagte. Und wenn man seiner Logik folgte, hätte er bei Benutzung einer Eisenstange nicht die feine Hose getragen.

Massiv verprügelt

Nach den Polizeifotos und der Einschätzung eines Sachverständigen musste der geschundene Geschäftspartner des Angeklagten massiv verprügelt worden sein. Kopfwunden hatten sogar genäht werden müssen. Der Angeklagte räumte aber lediglich einen Judowurf ein, der seinen Geschäftspartner zu Boden befördert habe. Und dann habe er noch einmal ins Gesicht des am Boden Liegenden geschlagen. Als Pfand für das ihm noch zustehende Geld aus Pferdeverkäufen habe er, so der Angeklagte, dann noch das Handy seines Geschäftspartners an sich genommen.

Ob es denn vertraglich vereinbart gewesen sei, dass er das Handy als Pfand nehmen durfte, wollte Richterin Corinna Waßmuth vom Angeklagten wissen. Wohl eher nicht, räumte der Angeklagte ein, das sei eben sein Fehler gewesen. Auch habe er über das Geld, das er seinem Geschäftspartner geliehen habe, 1500 Euro oder so, nichts Schriftliches.

Sein Geschäftspartner sei ein Mann, so der Angeklagte, der ihn mit seinem Reden und seinem Charisma dazu gebracht habe, dass er ihn für einen Freund angesehen habe. Eigentlich sei es ihm aber immer nur um das Geld gegangen. Er habe ihm Geld geliehen, damit dieser ein Pferd kaufen konnte, das dann mit Gewinn für beide weiterverkauft werden sollte. Dies sei auch geschehen. Doch statt den Gewinn zu teilen, habe sein Geschäftspartner zwei Gäule in Spanien gekauft. Der eine Gaul sei verkauft worden, den anderen habe er in den Stallungen vor ihm versteckt.

Unstimmigkeiten

Als der zweite Gaul dann auftauchte, war es zum offenen Streit zwischen den beiden Pferdehändlern gekommen. Seinen Geschäftspartner schilderte der Angeklagte als einen Mann mit einem schlechten Ruf. Dessen Auto sei schon demoliert worden und man habe ihm schon mal einen Molotowcocktail vor die Haustüre geworfen.

Wollte man der Geschichte des Angeklagten folgen, schien es durchaus möglich, dass der verprügelte Geschäftspartner, nachdem er vom Angeklagten einen ersten Schlag erhalten hatte, weitere Prügel bezogen hatte, die er nun dem Angeklagten in die Schuhe schieben wollte. Richterin Corinna Waßmuth kam noch auf eine andere Idee. Sie meinte, vielleicht erzähle ja der Geschäftspartner, wenn man ihn als Zeuge lade, dass er nach der Prügel, die er vom Angeklagten bezogen hatte, vom Pferd getreten worden sei. Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht.

Da der Angeklagte sein angekündigtes Geständnis aber nun doch erheblich eingeschränkt hatte, sah das Gericht keine Möglichkeit ohne die Vernehmung von Zeugen diese Geschichte aufzuklären. Fünf Zeugen werden beim Fortsetzungstermin ihren Teil zu dieser Geschichte beitragen.

(defi)
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