Übach-Palenberg: Gymnasiasten spielen „Frühlings Erwachen reloaded”

Übach-Palenberg: Gymnasiasten spielen „Frühlings Erwachen reloaded”

Er ist kein Streber, aber ein guter Schüler. Und er ist einer, der mit offenen Augen durch die Welt geht, sie in sich aufsaugt. Doch Melchior hat auch einen besten Freund: Moritz. Der muss jedes Mal im Frühsommer aufpassen, dass ihm die Versetzung in die nächste Klasse gelingt.

Und auch sonst ist er eher gefangen, vor allem in der engmaschigen Welt, die ihm seine Eltern gestrickt haben. Und dann ist da noch Wendla, eine nie aufgeklärte 14-Jährige, die zwar neugierig ist, aber auch von ihrem Elternhaus zu sehr bemuttert wird. Diese drei Personen sind die Hauptdarsteller im Stück „Frühlings Erwachen reloaded” nach der Jugendtragödie von Frank Wedekind, das am Freitag, 6. Mai, im Pädagogischen Zentrum (PZ) aufgeführt wird.

Während die Ausgangssituation der Personen in dem mehr als zweistündigen Dreiakter eine relativ „normale” Ausgangsposition darstellt, ist alles andere rund um dieses Theaterprojekt für die Stufen acht und neun des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) aus Übach-Palenberg anders.

So suchten Lehrerin Kathrin Jarosch und Theatercoach Jens Wachholz zu Beginn des Schuljahres Freiwillige, die gerne an einer Aufführung teilnehmen möchten. „60 haben sich spontan gemeldet”, erzählt Kathrin Jarosch bei unserem Probenbesuch, „und selbst jetzt sind es noch 30, die engagiert mitarbeiten”, freut sie sich. Engagement, Leidenschaft, Spielfreude und Einsatz, das müssen die zwischen 14 und 15 Jahre jungen Darsteller hier auch beweisen.

Herausforderung

Denn Jens Wachholz, Schauspieler, Theaterpädagoge und Leiter in Personalunion, verlangt kein reines Lernen von Text. Ihm geht es vielmehr darum, dass die jungen Menschen sich intensiv mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, die ein modernes Theater bietet. „Dazu haben wir auch das Medium Film mit eingebunden”, berichtet er.

So wird es während der laufenden Akte immer wieder Videosequenzen geben, in denen echte Lehrer des CM-Gymnasiums ihre literarischen Vorlagen spielen. Und dabei nehmen sie sich selbst aufs Korn. Denn fast so wie bei der Zeichentrick-Umsetzung der „Peanuts” entfährt den Pädagogen unterm Strich eigentlich nur ein laues „Blabla”, sinnentleert und nicht wirklich staatstragend. Die Schüler sind an der Vorlage, die immerhin schon 120 Jahre auf dem Buchrücken hat, aber auch nicht verzweifelt.

Sie nahmen die Herausforderung an, sich der etwas sperrigen Sprache zu stellen. „Natürlich haben wir ein paar Sachen, die heute nicht mehr gebräuchlich sind, herausgenommen”, ergänzt Jens Wachholz. Doch durch die Mischung von lebhaftem Bühnenspiel, das ohne Kulisse und mit nur wenigen Requisiten den Blick der Besucher auf die wesentliche Auseinandersetzung im sprachlichen und spielerischen Bereich lenkt, und dem multimedialen Eindruck wird das „Frühlings Erwachen” wirklich neu geladen.

„Reloaded” eben, das passt, wie auch die Übertragung der ursprünglichen Handlungsorte auf heutige Geschehnisse. Dabei sind sich die literarischen Vorlagen von 1891 und die Schüler von 2011 gar nicht mal so fremd. Schließlich geht es nicht nur um Schule, Leistung und Gruppendynamik.

Auch die zarten Knospen der Liebe, geistig wie körperlich, in all ihren Facetten und mit allen, teils auch grausamen Auswirkungen, kommen in diesem Stück auf den Punkt. Und der Einsatz - schließlich verbrachten fast alle der 30 Teilnehmer sogar den letzten Ferienfreitag fast ausschließlich mit Proben - soll sich dann am kommenden Freitag bezahlt machen, wenn der Vorhang sich hebt und die Lüfter der beiden Beamer im PZ leise rauschen.

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