Geilenkirchen: Grüne: „Offene Ganztagsschule ist das Stiefkind der Schullandschaft“

Geilenkirchen : Grüne: „Offene Ganztagsschule ist das Stiefkind der Schullandschaft“

„Die offenen Ganztagsschulen sind das Stiefkind unserer Schullandschaft“, kritisierte der Geilenkirchener Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales, Sport und Kultur. Dass hier dringend Handlungsbedarf besteht, wurde bei der Diskussion am Dienstagabend sehr deutlich.

Vorausgegangen war ein Antrag der Grünen, die Sofortmaßnahmen zur Verbesserung des Raumangebotes für die Offenen Ganztagsschulen in Geilenkirchen und einen Bustransfer fordern, der allen Kindern die Möglichkeit bietet, eine Offene Ganztagsschule zu besuchen.

Die Räumlichkeiten der Offenen Ganztagsgrundschulen in Geilenkirchen seien für den Betrieb der Offenen Ganztagsschulen nicht ausreichend, kritisierte Jürgen Benden in seinem Antrag. „Aus diesem Grund können in Geilenkirchen nicht genügend dringend benötigte OGS-Plätze angeboten werden. Aufgrund der sehr beengten Verhältnisse ist die bisher gute Qualität der OGS gefährdet“, begründen die Grünen ihren Antrag.

Dieser Sachverhalt sei bereits ausgiebig in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales, Sport und Kultur mit der Koordinatorin für den Offenen Ganztag, Kerstin Soudani, und Vertretern der Verwaltung im Juni 2017 erörtert worden. Auf Antrag der Grünen habe der Ausschuss im Oktober beschlossen, die Verwaltung möge ein zeitnahes und zielführendes Raumkonzept zur Verbesserung der Raumsituation an den OGS-Schulen vorlegen.

„Dieser Beschluss ist bis heute nicht umgesetzt, und den Fraktionen wurde bisher noch kein Raumkonzept vorgelegt“, kritisierte Benden. Die ohnehin schon sehr angespannte Situation spitze sich jetzt nochmals zu: In der OGS an der Katholischen Grundschule würden mittwochs bis zu 52 Kinder in einem Klassenraum betreut. Die Raumnot führe zu Wartelisten oder gar Abweisungen in den OGS-Schulen.

Auch bei den Bustransfers zu den OGS-Schulen sehen die Grünen Handlungsbedarf, einige Stadtteile würden massiv benachteiligt. So gebe es für die Kinder des Stadtteils Beeck keinen Bustransfer nach Beendigung der OGS. Nur Kinder, deren Eltern den Abholdienst mit dem eigenen Auto selbstständig regeln, könnten eine Chance haben, die OGS zu besuchen. Dies ist nach Ansicht der Grünen „eine massive Benachteiligung vieler Kinder und eine Ungleichbehandlung gerade der sozial schwächeren Familien, die ohne Pkw so ausgegrenzt werden“.

Schulamt will einheitliche Standards

In der Sitzungsvorlage und auch in der Sitzung selbst machte Beigeordneter Herbert Brunen deutlich, dass sich auch das Schulamt für den Kreis Heinsberg kreisweit in den Prozess eingebunden habe. Es habe festgestellt, dass die Betreuungsstandards und auch die Frage des zur Verfügung gestellten Raumangebotes in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt würden. Das Schulamt, so der Beigeordnete, sei bestrebt, einheitliche Standards zu vereinbaren. Dieser Prozess würde voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen.

Handlungsbedarf sieht Brunen besonders an der KGS Geilenkirchen, wo alle für die OGS verfügbaren Räume belegt seien, so dass nicht alle Neuanmeldungen berücksichtigt werden könnten. Zehn Kinder stünden hier auf einer Warteliste. Da in der KGS auch eine Großtagespflegegruppe untergebracht sei, werde sich die Lage entspannen, sobald die neue Kindertagesstätte in Bauchem in Betrieb gehe. Die Tagespflegegruppe werde mit Schuljahresbeginn 2019/2020 aufgelöst und die Räume für die OGS freimachen.

An der GGS bestehe räumliche Enge, an den übrigen Grundschulen bestehe kein Handlungsbedarf. Beengte Verhältnisse bestünden an der Realschule. Hier solle versucht werden, im Zuge der im nächsten Jahr anstehenden Baumaßnahme Abhilfe zu schaffen. Man müsse nun beobachten, zu welchem Ergebnis die Initiative des Bundesfamilienministeriums führe, im Grundschulbereich einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung zu verankern.

Benden machte deutlich, dass an der Realschule nicht nur beengte Verhältnisse herrschen und ein Ausbau der OGS wünschenswert sei, sondern der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen habe, dass auch die Musikschule in die Realschule umziehen soll. An der Verfahrensweise übte Ruth Thelen (Grüne) Kritik: „Die Musikschule in der Realschule unterzubringen, darf nicht in nichtöffentlicher Ratssitzung beschlossen werden. Das hätte in diesem Ausschuss besprochen werden müssen.“

Da handeln, wo es brennt

Die Frage, ob es an der Realschule ein Raumproblem gibt, beantwortete Schulleiter Peter Pauli: „Wir könnten der OGS Räume zur Verfügung stellen. Dann wäre das Problem der Musikschule nicht gelöst.“ Angesichts dieser Nöte forderte Benden: „Wenn wir die OGS fördern wollen, können wir uns nicht die vom Kreis Heinsberg geforderte Zeit nehmen, um einheitliche Standards zu entwickeln.“

Gegen den Vorwurf, die OGS werde stiefmütterlich behandelt, wehrte sich Beigeordneter Herbert Brunen: „Es ist sicherlich nicht alles optimal, es ist aber auch nicht alles schlecht.“ Benden: „Die OGS ist ein wichtiger Teil der Schullandschaft und für viele Kinder und Eltern wichtig. Wir können nicht auf Standards des Kreises warten. Wir müssen da handeln, wo es brennt.“ Dem stimmte der Ausschuss zu. Brunen teilte dem Ausschuss mit, dass der Bustransfer so geregelt werde, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, eine OGS-Schule aufzusuchen.

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