Gangelt: Gemeinschaftsschule auf die lange Bank geschoben

Gangelt: Gemeinschaftsschule auf die lange Bank geschoben

„Für das Schuljahr 2011/12, das nach den Sommerferien beginnt, wird sich in der Gangelter Schullandschaft nichts ändern”, fasst Bürgermeister Bernhard Tholen die Diskussion rund um Schulformen, Standorte und Strukturen zusammen.

Mit Blick auf die hervorragende Qualität der Realschule und die nach wie vor vorhandene Akzeptanz der Hauptschule, sieht Tholen „aktuell keinen Handlungsbedarf!”

Die Realschule, die Gangelt zusammen mit der Gemeinde Selfkant als Zweckverband führt, habe in den 14 Jahren seiner Amtszeit in Gangelt mit Matthias Pennartz und Thomas Hoppe-Leifgen zwei hervorragende Schulleiter gehabt. Das drücke sich bei weitem nicht nur in einer Qualifikationsrate zur gymnasialen Oberstufe von durchschnittlich über 70 Prozent in den letzten beiden Jahren aus.

Grundlegend für die aktuelle Schul-Strukturdebatte ist der Schulentwicklungsplan, der im letzten Jahr für den Kreis Heinsberg in Auftrag gegeben und veröffentlich wurde. Der weist unter anderem aus, dass im Bereich Gangelt und Selfkant aus den vierten Grundschulklassen nur rund 25 Prozent der Kinder auf den gymnasialen Zweig einschwenken. „Rechnen wir die Realschüler, die in die Oberstufe wechseln, hinzu, sind wir mit unserer Quote zumindest im Kreisdurchschnitt”, so Tholen.

Die Hauptschule Gangelt hat bis jetzt 25 Neuanmeldungen für das neue Schuljahr und ist damit dann in diesem Jahrgang einzügig. Insgesamt besuchen rund 350 Schüler die Hauptschule in Gangelt; 66 Prozent davon kommen aus dem Geilenkirchener Stadtgebiet. Die 85 Anmeldungen für die Realschule sprechen eine eigene Sprache. Damit ist die Dreizügigkeit der 570 Schüler starke Schule vorerst gesichert.

Von den rund 1200 Gymnasiasten an St. Ursula in Geilenkirchen kommen 270 aus Gangelt. Dabei muss man wissen, dass speziell dieses Gymnasium bei vielen Eltern und Schülern seit Jahren erste Wahl ist. „Selbstverständlich”, so Gangelts Bürgermeister, „wird uns irgendwann die demografische Entwicklung dazu zwingen, unsere heutige Position zu überdenken.”

Der sofortige Einstieg in das Projekt Gesamt- oder Gemeinschaftsschule würde aus Sicht von Bernhard Tholen der gleichzeitige Beginn der Abwicklung von Real- und Hauptschule bedeuten. Zudem gebe es heute für die Gemeinschaftsschule noch gar keine verbindliche Rechtsgrundlage. Erst in den letzten Wochen haben die Verwaltungsgerichte Aachen und Arnsberg einmal mit Ja, einmal mit Nein bei grundsätzlichen Genehmigungen entschieden. Das Oberverwaltungsgericht ist nun gefragt.

„Es kann nicht sein, dass Kinder als Versuchsobjekte dienen”, so Tholen. In kleinen Gemeinden, wo plötzlich nur noch einzügige Haupt- und Realschulen übrig bleiben, sei die Gemeinschaftsschule eine Option. „In Gangelt sehe ich dafür derzeit keinen Grund”, so Bernhard Tholen zusammenfassend. Die CDU-Ratsfraktionen aus Gangelt und Selfkant haben derweil Gespräche aufgenommen, um die unterschiedlichen Standpunkte zu erkunden und eine Strategie für die Schulentwicklung in den beiden Gemeinde zu entwickeln.

Mehr von Aachener Nachrichten