Geilenkirchener und Übach-Palenberger Ateliers laden zur Kunsttour

Ateliers laden zur Kunsttour : Einladung zum Philosophieren und Diskutieren

Viele Künstler in der Region hatten am Wochenende ihre Ateliers geöffnet und Kunstinteressierte eingeladen, sich über ihre Arbeiten zu informieren. Das Angebot wurde rege angenommen.

„Bilderträume mit der Magie des Lichts“ müsste eines der nächsten Bilder des Künstlers Joep Albertz heißen. Albertz nahm in diesem Jahr im eigenen Atelier in Gillrath an der Kunsttour im Kreis Heinsberg teil. Alte Tonfabrik Teeuwen, Halle 6, lautet seine Adresse. Albertz hatte wie so manch anderer Künstler das ganze Kunsttour-Wochenende sein Atelier geöffnet, um Besuchern einen Einblick in sein künstlerisches Schaffen zu gewähren.

Eine der Besucherinnen war Renate Antes-Deteren aus Kreuzrath, die mit ihrer Freundin eine Rundreise durch die Ateliers der Region unternahm. Joep Albertz hatte in seinem geräumigen Atelierraum alles vorbereitet. Wie auch andernorts zur Kunsttour üblich wurde den Gästen eine kleine Stärkung angeboten. Die Kunstwerke waren an den Wänden und auf Arbeitstischen ausgebreitet. Albertz arbeitet derzeit an großformatigen Bildern, bei denen er die Acrylfarbe transparent aufträgt. Die Leichtstoffplatten, die er als Malgrund verwendet, reflektieren das eintretende Licht stärker als eine Leinwand.

Renate Antes-Deteren und ihre Freundin hörten aufmerksam zu, als Albertz seine Malweise erläuterte. Beide malen selber. Joep Albertz: „Ich vermute schon, dass die meisten Besucher aus der Ecke kommen, die mal gucken wollen, was die Kollegen so machen. Man holt sich da die Inspiration. Das mache ich ja auch so.“

Albertz kramte einen Stapel alter Zeitungen hervor. „Das ist das Material für weitere Arbeiten“, sagte er und deutete auf eine Kulturseite unserer Zeitung. Sonntag, 6. März 2016, steht oben rechts als Datum; der Künstler schmeißt also so schnell nichts weg. Auf der Zeitungsseite hatte Albertz einen seiner breiten Pinsel ausgestrichen, mit denen er seine neuen Bilder gemalt hat. Rote Farbe ist ganz dünn und durchsichtig auf der Zeitung zurückgeblieben. Darunter ist noch gut der Titel eines Berichtes zu lesen, der da lautete: „Bilderträume mit der Magie des Lichts“. Ein paar Baumreihen schimmern noch durch. Der Titel würde prima zu einem Albertz-Gemälde passen. „Oder was meinen Sie, Herr Albertz?"

Renate Antes-Deteren und ihre Freundin waren vor dem Besuch in Halle 6 schon im Haus Basten gewesen und wollten weiter nach Millen und dann vielleicht noch nach Erkelenz. Die Etappen waren also sportlich gewählt; mehr als vier an einem Tag wären aber nicht zu schaffen, meinten beide. Daher gefällt es ihnen gut, dass viele Künstler an zwei Tagen Gäste empfangen.

Dies taten auch Ingeborg Lehnertz-Schröter, Marlen Krings, Uschi Zantis und Achim de la Haye, die auf Einladung der Kulturbeauftragten der Stadt Übach-Palenberg, Martina Waliczek, im Carolus-Magnus-Centrum ausstellten. Unter dem Titel „Téssera - 4 Positionen“ präsentierten die vier Künstler ihre Gemeinschaftsausstellung.

In der Lohnhalle des CMC hatten sie die Möglichkeit, ihre Arbeiten auf einer langen Reihe von Stellwänden zu zeigen. Der Besucher konnte daran entlang bummeln und sich in die unterschiedlichen Malweisen vertiefen.

Marlen Krings verleiht ihren Arbeiten auf Papier und Leinwand durch den gezielten Einsatz der Farbe unterschiedliche Stimmungen.Achim de la Haye hat eine eigene Sprühtechnik entwickelt, um seine von der Gegenständlichkeit ins Abstrakte übergehenden Bilder zu komponieren. Ingeborg Lehnertz-Schröters Bilder und die Gemälde von Uschi Zantis boten einen starken Kontrast, hier das Expressive, dort, bei Zantis, das eher Meditative.

Das Künstlerhaus Alte Post in Geilenkirchen war nur am Kunsttour-Sonntag geöffnet. Karin Thiel, Erika Giegla und Nada Reinhardt luden dort zum Atelierbesuch ein. Alle drei sind langjährige Teilnehmerinnen der Kunsttour. In der Regel besuchen 200 Kunstinteressierte diese Ateliers und führen Gespräche über die Kunst. „Bei ihrer Rundreise besuchen uns auch viele niederländische Gäste“, hat Karin Thiel feststellen können. Thiel hatte ein abstraktes Bild an ihrer Atelierwand hängen, das noch nicht ganz fertig ist, wie sie findet. Wann ein Bild fertig sei, das sei eine sehr schwierige Frage, meist eine, die das Gefühl beantworten müsse.

Abstrakte Bilder würden ja den Betrachter zum Philosophieren und Diskutieren einladen, fand Erika Giegla, die gerade an Aktgemälden arbeitet. Nada Reinhardt meinte, es sei gerade das Spannende, wenn unterschiedliche Betrachter unterschiedliche Eindrücke vom selben Bild mitnehmen würden. Reinhardt nahm die Betrachter in ihren Fotografien mit in die Natur der Teverener Heide, in der sie Motive entdeckt hat, die vielen Gästen der Kunsttour bislang verborgen geblieben sind. Erika Giegla stellte sicherlich im Einklang mit vielen Kunsttourern fest: „Es macht einfach Spaß, Kunst zu machen und anzuschauen.“

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