Kunst im Amtsgericht : Blende auf für Malerei und Fotografie

„Blende auf“ lautet der Titel einer Kunstausstellung mit Malerei und Fotografie im Amtsgericht Geilenkirchen. Die beiden Stolberger Künstler Ingeborg Hoven und Ludwig Henkelmann setzen die Ausstellungsreihe in den Fluren des Amtsgerichts mit ihren Werken fort.

„Blende auf“ gilt dabei zwar in erster Linie für den Fotografen Henkelmann, aber auch die Malerin Hoven nutzt den Fotoapparat als Skizzenbuch für ihr künstlerisches Schaffen. Geht der Kunstfreund auf Entdeckungsreise durch das Amtsgericht, von Flur zu Flur und von Stockwerk zu Stockwerk, wird er nicht nur die Entwicklungsschritte der beiden Künstler nachvollziehen können, sondern auch bei dem ein oder anderen Bild ins Stocken geraten. Handelt es sich hier um ein Gemälde von Ingeborg Hoven oder um eine Fotografie von Ludwig Henkelmann? Die Sache wird dadurch, dass Henkelmann bewusst auf ein Namenskärtchen neben seinen Arbeiten verzichtet hat, nicht einfacher, aber spannender.

Soll der Betrachter sich doch ruhig ein wenig Mühe machen und einmal ganz genau hinschauen, dann wird er schon herausfinden, ob da der Fotograf sein Sujet in einem pittoresken Viertel von Charleroi gefunden hat oder die Malerin eine Fotovorlage von einer Autofahrt auf der A4 so realistisch mit Pastellkreide oder Acrylfarben umgesetzt hat, dass man zunächst an ein Foto glaubt.

Ingeborg Hoven geht es aber weniger um die realistische Darstellung einer Szene, sondern eher um die Stimmungen nachts um halb 3 auf der A4. Vernünftigerweise fährt Hovens Ehemann Ferdinand, wenn seine Gattin Ingeborg den Finger auf dem Auslöser nach den schönsten Reflexionen der Rücklichter der vor ihr herfahrenden Autos sucht.

Der Fotograf Ludwig Henkelmann hält in seinen Fotografien die Zeit ein wenig an. Foto: Dettmar Fischer

Vor allem LKW haben es ihr angetan. Etwa der rote Iveco-Laster, der ihr auf einem Parkplatz in Norwegen begegnete. Der wanderte sofort ins Skizzenbuch. Man muss sich ein wenig reinschauen in die Bilderwelt von Ingeborg Hoven, um ihre Faszination zu begreifen. Doch dann merkt man schnell, warum sie auch Staus im Gegensatz zu vielen anderen Autoreisenden überaus schätzt. „Ich gucke jetzt jeden Stau anders an“, hat auch Corinna Waßmuth, Direktorin des Geilenkirchener Amtsgerichts, festgestellt.

Besonders schön gelungen sind die Reflexionen auf feuchten Straßen oder auf dem Wasser, die Ingeborg Hoven in vielen ihrer Bilder eingefangen hat. Das Poetische in ihren Werken verbindet sie mit Ludwig Henkelmann. Der Fotograf stellt wie Ingeborg Hoven seine Arbeiten schon seit vielen Jahren in Ausstellungen der Öffentlichkeit vor. Er fügt kleine Texte seinen Bildern bei. Sie machen es dem Betrachter möglich, etwas mehr von der Gedankenwelt zu erfahren, die das Entstehen der oft in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotografien begleiten.

„Long walk home“ ist ein Song von Bruce Springsteen, dem Ludwig Henkelmann ein beeindruckendes Foto gewidmet hat. Es zeigt eine kleine Brücke, die ins Nichts zu führen scheint. Henkelmann hatte diese Brücke zufällig im Rückspiegel entdeckt, als er eine bestimmte Stelle am Tagebau wiederfinden wollte, die er einst mit einem Freund aufgesucht hatte. Im Auto lief damals der passende Song zum Fotomotiv.

Auch das Springsteen-Album „Wrecking Ball“ lieferte Inspiration zu einem Foto, das Ludwig Henkelmann in der ehemaligen belgischen Zechenstadt Charleroi im Winter aufnahm. „Eine Stadt, die man eigentlich nur mit einer Packung Antidepressiva ertragen kann“, schreibt Henkelmann im Begleittext zum Bild. Der Wrecking Ball, die Abrissbirne, hatte schon einen großen Teil ihrer Arbeit getan, als der Fotograf die Kamera einsetzte, um die noch stehende, mehrstöckige Außenmauer, mit einem hängengebliebenen Kruzifix im dritten Stock auf abgerissener Tapete festzuhalten. Die Geschichte der Menschen, die in diesem Haus lebten, liebten und vielleicht auch hassten, hat der Fotograf Ludwig Henkelmann bewahrt.

Noch bis Freitag, 20. September, ist die sehenswerte Ausstellung im Amtsgericht Geilenkirchen, Konrad-Adenauer-Straße 225, zu sehen und zwar montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr und dienstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr.