Vorwurf Drogenhandel : Die letzte Chance vor der „Ausfahrt Knast“

Nachdem bei einer Razzia in Übach-Palenberg große Mengen Marihuana und Amphetamin sichergestellt worden sind, hat das Schöffengericht Geilenkirchen Manuel F. verurteilt. Doch er bekommt noch eine letzte Chance.

Für den Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge musste sich Manuel F. in dieser Woche vor dem Schöffengericht in Geilenkirchen verantworten. Da er scheinbar aber nur einen kleinen Anteil an diesem Handel hatte, rang sich Richterin Corinna Waßmuth nach langer Beratung mit ihren Schöffen und trotz mehrerer Vorstrafen des Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren durch, die unter strengen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Durch den Tipp eines Anwohners hatte die Polizei bei einer Razzia in der Wohnung von Manuel F. im Juni 2016 in unterschiedlichen Verstecken Marihuana und Amphetamin sichergestellt. Außerdem fanden die Beamten diverse Drogenutensilien wie eine Feinwaage und kleine Druckverschlusstütchen. Auch Geräte für eine Zucht von Marihuana und zur Herstellung von Amphetamin listeten die Beamten in ihrem Protokoll auf. In der Summe stellten sie bei Razzia in Übach-Palenberg rund 113 Gramm Amphetamin und 253 Gramm Marihuana sicher.

Manuel F. stritt vor Gericht ab, Eigentümer der Drogen zu sein. „Mir gehören nur die kleineren Mengen. Die großen habe ich für zwei Holländer aufbewahrt“, so der Angeklagte, der allerdings einräumte, täglich Cannabis zu konsumieren: „Ich habe mich im Gegenzug an den Drogen ein wenig bedient“. Davon hätten die Eigentümer aber offiziell nichts gewusst. Drei Entzugstherapien seien bereits gescheitert.

Anfangs habe er sich als Konsument an die zwei Händler gewandt. „Dann wollten sie einmal bei mir etwas lagern, und das hat dann schnell überhandgenommen“, schilderte F. seine Version. In der Verhandlung legte er die Namen der zwei Holländer erstmals offen. „Wie hätte ich eine so große Menge an Drogen organisieren sollen?“, fragte der Arbeitssuchende, schließlich lebe er von Hartz IV. Auch ein als Zeuge geladener Polizist äußert Zweifel daran, dass F. einen Handel in dieser Größenordnung organisieren könne. „Er ist sonst eher im kleineren Stil unterwegs“, sagt der Beamte, der F. durch mehrere Vergehen bereits gut kennt. „Ich denke aber, dass er mitspielen würde, wenn jemand Größeres bei ihm etwas ablädt.“

F. ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln, Bedrohung, Körperverletzung, Beleidigung und Waffenbesitz. Auch zum Tatzeitpunkt stand er noch unter Bewährung.

Mildernd berücksichtigte das Gericht die Einlassung des Angeklagten sowie seine Mithilfe bei der Aufklärung weiterer Straftaten. Weiterhin zeigte F. sich einsichtig, einen Entzug machen zu müssen und es ohne fremde Hilfe nicht zu schaffen. „Sie waren aber trotzdem an dem Handel beteiligt und haben sich des Mittäterschaftlichen Handels schuldig gemacht“, führt Richterin Corinna Waßmuth aus. Dafür sei eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren angemessen.

Allerdings wollte sie dem Angeklagten noch eine Chance geben. Unter strengen Auflagen wird die Strafe zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Dafür muss F. sich allerdings unverzüglich in eine stationäre Drogentherapie begeben. Bis zum Therapiebeginn muss er dem Gericht alle sechs Wochen ein negatives Drogenscreening vorlegen und wöchentlich 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Das sind viele Auflagen, aber immer noch besser als Knast“, betont Waßmuth. Es sei dem Gericht schwer gefallen, F. noch einmal eine Chance zu geben. „Es ist die letzte vor der Auffahrt Knast“, so die Richterin eindringlich.

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