Geilenkirchen: Zivilisten streiken vor der Nato-Airbase für mehr Lohn

Verdi-Streik in Teveren : Ohne Zivilisten keine Awacs in der Luft

Verdi fordert für die gewerblichen Mitarbeiter der Streitkräfte sechs Prozent mehr Lohn. Am Mittwoch legten daher viele Zivilisten an Bundeswehrstandorten ihre Arbeit nieder. Auch bei Awacs in Teveren gab es einen Warnstreik.

„Jetzt muss eine kräftige Lohnerhöhung her! Die Streitkräfte müssen wieder ein attraktiver Arbeitgeber werden. Schluss mit der Mehrbelastung aufgrund unbesetzter Stellen!“: Sechs Prozent mehr Lohn fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die gewerblichen Mitarbeiter der Streitkräfte. An vielen Bundeswehrstandorten in Deutschland legten am Mittwoch zivile Mitarbeiter ihre Arbeit nieder und machten mit einem Warnstreik vor der dritten Verhandlungsrunde am 18. und 19. November in Berlin mit Fahnen und Transparenten vor den Kasernentoren auf ihre Forderungen aufmerksam.

Am frühen Mittwochmorgen um 7 Uhr gingen die ersten Tarifbeschäftigten des Nato E-3A-Verbandes vor dem Haupttor auf die Straße, zwei Stunden später waren es 30 Verbandsangehörige, die im Laufe des Tages weitere Unterstützung erhielten. Vor dem Haupttor bildete sich am Morgen ein Stau, weil die Wache nur eines von zwei Toren geöffnet hatte.

„Bundesweit sind etwa 12.000 bis 13.000 Tarifbeschäftigte in den Kasernen im Einsatz“, erklärt Verdi-Vertrauensmann Elmar Unger. Frank Lohoff, Sprecher der Verdi-Vertrauensleute, kennt die Zahl der gewerblichen Mitarbeiter, für die sie streiken: 256 sind von den Forderungen betroffen. Insgesamt gibt es laut Verdi 1401 Dienststellen für Nato-Soldaten, Nato-Zivilisten und gewerbliche zivile Mitarbeiter auf dem Teverener Flugplatz. „Ohne die zivilen Beschäftigten geht hier kein Flugzeug in die Luft“, sagt Gewerkschaftssekretär Markus Stratmann, zuständig für den Raum Köln, Bonn, Leverkusen, Aachen, Düren und Erft. „Das funktioniert hier wie ein Schweizer Uhrwerk. Ein Rädchen dreht ins andere“, fügt er hinzu.

Vor dem Haupttor bildete sich am Mittwoch ein Stau: Die Wache hielt eines von zwei Toren geschlossen. Foto: Udo Stüßer

Wenn die Küche kalt bleibt, haben auch die fliegenden Crews kein Essen an Bord. „Und ohne Mampf kein Kampf“, weiß nicht nur Frank Lohoff. Würden alle Zivilbeschäftigten in den Streik treten, würde die Logistik zusammenbrechen. Die Landebahn würde nicht gereinigt, kein Fahrzeug repariert, kein Fahrer wäre im Einsatz.

1,4 Prozent wurden in der vergangenen Verhandlungsrunde angeboten. Allerdings sitzt Verdi nicht nur mit Vertretern des Bundesfinanzministeriums am Verhandlungstisch, sondern alle Entsendestaaten, ob Engländer, Franzosen, Amerikaner oder Niederländer, haben ein Mitspracherecht. Bundesweit, so klagen die Gewerkschafter, seien 3,6 Prozent der zivilen Stellen in deutschen Kasernen nicht besetzt. Startmann: „Wir müssen die Attraktivität der Standorte bewahren. Viele Stellen sind nicht mehr besetzt. Gut ausgebildete Leute, die hochmotiviert angefangen haben, haben den Arbeitgeber gewechselt. Auch beim Awacs-Verband werden Leute gesucht.“

Mindestens 111,42 Euro Lohnerhöhung fordert Verdi deshalb und ein Mindestgehalt in Höhe von 2000 Euro brutto für Vollzeitarbeit. Auszubildende sollen nach Gewerkschaftswillen 100 Euro mehr auf ihrer Lohnabrechnung haben. „Die Arbeitgeber müssen sich warm anziehen. Wir sind nicht bereit, uns mit realitätsfernen Angeboten abspeisen zu lassen. Wenn die Arbeitgeber keine Angebote machen, könnte es sein, dass wir nachlegen“, erklärt Markus Stratmann.