Geilenkirchen: Vortrag zu China und der Seidenstraße

Gesellschaft für Sicherheitspolitik : China, die Seidenstraße und der Rest der Welt

„Ich bin kein China-Experte“, sagte Oberstleutnant i.G. Jörg Barandat gleich zu Beginn seines Vortrages im Geilenkirchener Haus Basten. Sehr wohl aber ist er ein Kenner und Erkenner von Zusammenhängen.

Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/Heinsberg, und in Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, referierte er zur Strategie Chinas, eine neue Seidenstraße einzurichten.Wer jetzt einen historischen Exkurs mit Reflexion auf die Moderne erwartet hatte, lag ebenso richtig, wie diejenigen unter den gut 60 Gästen, die einen Blick auf die weltumspannende Strategie erwartet hatten.

Doch der Vortrag von Barandat, der auch an der Führungsakademie der Bundeswehr aktiv ist, bot noch weitaus mehr. Denn der ausgebildete Pädagoge schaffte es, den Blick einmal wegzulenken von der sonst oft propagierten, europazentrierten Sicht der Dinge. „Wenn Sie den Globus einmal von oben betrachten, sehen Sie, dass USA, China und Russland eigentlich direkte Nachbarn sind“, sagte er.

Auch der Blick über den wirtschaftlichen Tellerrand hinaus, den die Chinesen dank strategischer Infrastrukturprojekte beispielsweise in Afrika seit einigen Jahren perfektionieren, war für manchen der Besucher an diesem Abend etwas Neues. So skizzierte Barandat anhand der historischen Seidenstraße, wie wichtig der Zugang zu den Märkten im Nahen Osten und in Europa schon vor 2000 Jahren war. „Die Römischen Senatoren trugen seidene Togen, die aus China kamen“, betonte er. Erst mit dem europäischen Schritt zur Industriellen Revolution ab etwa 1820 habe sich das vor Jahrtausenden gefestigte Wirtschaftszentrum vom Osten aus nach Europa und schließlich auch nach Amerika verlagert.

Dass China aber inzwischen weit mehr als nur die „verlängerte Werkbank“ Europas und der übrigen Welt ist, zeigte Barandats etwas anderer Blick auf die Dinge auch. So investiert China in den kommenden drei Jahren rund 60 Milliarden Dollar in Afrika. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte dies „eine Hausnummer“. Für Barandat bereiten die Chinesen damit nicht nur den bislang noch wenig beachteten, riesigen Wirtschaftsraum Afrika auf ihre Güter und Dienstleistungen vor. „Dazu haben sie Geld, wenn man mal bedenkt, dass die meisten Dollar-Einlagen in Peking zu finden sind“, unterstrich er.

Zu den Investitionen, die meist Infrastrukturprojekte wie Straßen, Bahnverbindungen oder auch die Wasserversorgung betreffen, kommt auch der steigende Anteil humanitärer Hilfe durch Chinesen. Und längst sei China auch in Europa angekommen, wie man am finanziellen Engagement in der griechischen Hafenmetropole Piräus sehen könne.

Doch die Wirtschaftsgüter und Dienstleistungen sind nur ein Weg, den die Chinesen beschreiten, um ihren Einfluss zu sichern. Zeitgleich holen sie geographisch gut begründete Pläne beispielsweise für sechs- bis achtspurige Zugverbindungen aus China nach Russland und Europa aus der Schublade, die eine ganz neue Verkehrsachse bilden könnten. Summiere man den Einfluss, so Barandat, den China sich in seinen immer bilateral geführten Verhandlungen mit China als größtem Partner am Tisch nach und nach aufbaue, so könne es sein, dass die bisherige Denke von Europa als Nabel der Wirtschaft und auch der Kultur von einer chinesisch-russisch-türkischen Kooperation abgelöst werde, spekulierte Barandat weiter. Die Zeichen dafür stünden ganz gut, schließlich orientiere sich die Türkei als geographisch bestgelegene Drehscheibe zwischen Orient und Okzident an China und Russland gleichermaßen.

Mit diesen Aussichten fiel es dem Referenten natürlich nicht schwer, ein paar dringende Handlungsempfehlungen auszusprechen, die er aber ganz klar als seine eigene Meinung deklarierte. So sah er die EU nun am Zuge, allerdings erst, nachdem die grassierende innereuropäische Krise überwunden sei. „Zudem sollte man Russland und Eurasien europäisch einbinden, China und Indien als europäische Partner gewinnen und nicht zuletzt Deutschland zu einer zentralen Drehscheibe in der Gestaltung von Globalisierung machen“, wünschte er sich abschließend.

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