Geilenkirchen: Tanja Bodewig verabschiedet sich nach 17 Jahren

Abschied nach 17 Jahren : Pfarrerin Tanja Bodewig verlässt Geilenkirchen

Nach 17 Jahren als evangelische Pfarrerin verlässt Tanja Bodewig Ende Februar Geilenkirchen. Im März übernimmt sie eine neue Gemeinde in Rheinlad-Pfalz. Der Abschied fällt ihr schwer, aber sie freut sich auch auf die neue Herausforderung.

Müsste Pfarrerin Tanja Bodewig ihre Stelle in Geilenkirchen ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin schmackhaft machen, wüsste sie genau, was sie sagen würde: „Geilenkirchen ist eine sehr schöne Kirchengemeinde, hier ist vieles möglich, denn es gibt eine große Offenheit für neue Ideen und Projekte und viel Unterstützung. Die Gemeindemitglieder sind Menschen, die gerne Verantwortung übernehmen, sei es als Mitarbeiter, sei es im Ehrenamt. Man kann sagen, die reformierte Prägung stimmt hier einfach: Es gibt Ideen, und die werden dann auch umgesetzt.“

Wer sich letztendlich von Worten wie diesen angesprochen fühlt, steht noch nicht fest. Auch ist das Bewerbungsverfahren noch gar nicht gestartet worden. Fest steht aber, dass Ende Februar Tanja Bodewigs Zeit in Geilenkirchen endet. Im März übernimmt sie eine neue Kirchengemeinde in Weiherbach-Sien in Rheinland-Pfalz. „Der Abschied fällt mir sehr schwer“, sagt sie, „aber ich freue mich auch auf die neue Aufgabe.“

Wenn Tanja Bodewig am morgigen Sonntag ihren Abschiedsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Geilenkirchen hält, ist es auf den Tag genau 17 Jahre her, dass sie ihre erste Stelle als Pfarrerin in Geilenkirchen antrat. Am 17. Februar 2002 war sie offiziell in ihre erste Stelle als Pfarrerin in Geilenkirchen eingeführt worden. 13 Jahre lang hat sie neben ihrer seelsorgerischen Tätigkeit auch den Religionsunterricht der Oberstufe am Bischöflichen Gymnasium St. Ursula gestaltet, in den vergangenen fünf Jahren hat sie die Jugendarbeit der Gemeinde begleitet.

Tanja Bodewig ist gebürtige Kölnerin und aufgewachsen in Bergheim. Ihre Mutter war Religionslehrerin, darum hat sie sich wohl schon früh für theologische Themen interessiert. Der Funke sprang aber erst über, als sie in ihrer Jugend zwei Pfarrerinnen kennenlernte. „Die beiden waren für mich faszinierende Persönlichkeiten, und ich habe zum ersten Mal die Idee dazu bekommen, vielleicht selbst einmal diesen Weg einzuschlagen.“

War 17 Jahre lang das „Zuhause“ von Tanja Bodewig: die evangelische Kirche Geilenkirchen. Foto: ZVA/Simone Thelen

In ihrer Schulzeit hat Tanja Bodewig Schulgottesdienste und Morgengebete mit vorbereitet und war in theologischen AGs aktiv, trotzdem hat sie auch in der Oberstufe noch immer gezögert. „Meine Mutter hat dann den nötigen Schubs gegeben, indem sie mir sagte, ich solle es doch einfach probieren. Das habe ich dann gemacht und schnell gemerkt, dass es passt. Das lag auch an einem tollen Freundeskreis, den ich im Studium gefunden habe, keine heilig abgehobenen Leute, sondern Menschen, mit denen ich gerne zusammen war. Wir haben uns gegenseitig unterstützt.“

Nach dem Studium in Wuppertal, Heidelberg und Bonn macht Tanja Bodewig zuerst ihren Probedienst in Übach-Palenberg und tritt dann die Stelle als zweite Pfarrerin in Geilenkirchen an. In den 17 Jahren im Amt hat sie viel erlebt. „Da fällt es schwer, bestimmte Ereignisse hervorzuheben. Wesentlich für mich war die Erweiterung des evangelischen Gemeindehauses in Teveren. Dies war ein so wichtiger Schritt für die Gemeindearbeit im Ort. Noch heute kann ich zu jeder Kachel und zu jeder Lampe eine Geschichte erzählen. Es ist immer etwas ganz besonderes, einen solchen Ort dann mit Leben zu füllen.“ In bester Erinnerung bleiben ihr auch die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der Frauenhilfe sowie viele gemeinsame Ausflüge und Sommerfreizeiten. „Das 150. Jubiläum der Kirche in Geilenkirchen in 2016 darf ich natürlich auch nicht vergessen. Das war ein großes Ereignis.“

Von den 2.500 evangelischen Gemeindemitgliedern verabschiedet sich Tanja Bodewig nicht gerne. „Ich glaube aber, dass ein Wechsel auch immer viel Gutes bringen kann. Jeder arbeitet so, wie es einem selbst entspricht. Ein neuer Pfarrer oder eine neue Pfarrerin bringt neue Impulse und hat eine andere Art, die Dinge anzugehen. Er oder sie spricht die Menschen anders an und spricht vielleicht auch andere Menschen an. Das kann ein großer Gewinn für die Gemeinde sein.“

Bodewig selbst hat sich entschieden, sich auf die neue Stelle zu bewerben, weil sie die Ausschreibung von Anfang an begeistert hat. „Mein Vorgänger dort ist in den Ruhestand gegangen, die Gemeinde ist frisch fusioniert und steht noch am Anfang, sich neu zu finden. Diesen Prozess möchte ich gerne begleiten. Und ich hatte direkt das Gefühl, dass sich dort vieles wiederfindet, das ich wichtig finde.“ Die Gemeinsamkeiten hat wohl auch das dortige Presbyterium schnell erkannt.

Nach der Bewerbung wird Tanja Bodewig zum Vorstellungsgespräch eingeladen, sie gestaltet einen Probekonfirmantenunterricht und einen Probegottesdienst. Im November wird sie schließlich zur neuen Pfarrerin gewählt. „Ich bin jetzt 50 Jahre alt, wenn alles gut läuft, kann ich in der neuen Gemeinde auch noch einmal 17 Jahre im Amt bleiben.“ Und einen kleinen privaten Grund für den Umzug gibt auch: Ihr Bruder wohnt in München, da ist der Weg nicht so weit, die Nichten und Neffen zu sehen.

Tanja Bodewigs Kollegen und die Gemeindemitglieder freuen sich für die Pfarrerin. „Wenn es für dich passt, dann ist es gut so, habe ich von vielen gehört. Dennoch bedauern sie, wie ich auch, natürlich den bevorstehenden Abschied.“ Auch die Kolleginnen und Kollegen aus der Region sind ihr ans Herz gewachsen. „Es gab viele gemeinsame Projekte mit den Nachbargemeinden, zum Beispiel die Sommerkirche. Wir haben gemeinsam einiges aufgebaut.“

Diese Zusammenarbeit wird Tanja Bodewig natürlich in Zukunft auch vermissen. „Und auch in der Stadt Geilenkirchen habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich habe hier gerne gelebt, die Nähe zu Aachen und die rheinische Art sehr geschätzt.“ Vor allem auch die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat ihr immer viel Freude gemacht. „Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin, die hier einen Schwerpunkt sieht, ist in Geilenkirchen bestimmt genau richtig.“

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