Geilenkirchen: Sprachbildung für Zuwandererkinder

Sprachpaten für Zuwandererkinder gesucht: „Ein Kinderlachen ist viel wert“

„SmiLe“ heißt ein neues Sprachpatenschaftsprojekt des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Heinsberg. Während Schulen Deutsch als Bildungssprache vermitteln sollen, fehlt vielen zugewanderten Kindern die frühkindliche Sprachentwicklung im Alltagsdeutschen. Hier sollen Ehrenamtler einspringen.

Sie kommen aus aller Herren Länder nach Geilenkirchen. Die Muttersprache der Kinder ist Arabisch, Afrikaans, Türkisch oder Polnisch. Die deutsche Sprache ist ihnen fremd. Nicht nur die Bildungssprache, die die Schule vermittelt, auch eine frühkindliche Sprachentwicklung im Alltagsdeutschen fehlt gänzlich.

In der Grundschule haben die Sechs- bis Zehnjährigen dann Probleme; den wachsenden Anforderungen, die die Schule an sie stellt, können sie oft nicht gerecht werden. „Die Schule ist für diese Kinder eine große Hürde“, weiß Daniel Bani-Shoraka, Lehrer der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und Mitglied des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Heinsberg. „Die Kinder können oft einfache Dinge nicht benennen. Und wenn wir unter 25 bis 30 Kindern in einer Klasse fünf zugewanderte Mädchen und Jungen haben, ist es schwierig zu stemmen, ihnen das Alltagsdeutsch nahezubringen“, sagt Annette Maxheim, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Geilenkirchen.

Hier setzt ein Sprachpatenschaftsprojekt des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Heinsberg unter dem Namen „SmiLe“ an. „SmiLe“ verbindet man sicherlich mit dem englischen Lächeln, bedeutet in diesem Fall aber auch „Sprachbildung mit individuellem Lernerfolg“.

Geilenkirchens Beigeordneter Herbert Brunen, die Geilenkirchener Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte Yvonne Wolf und Anja Wallbaum, kommissarische Leiterin des Geilenkirchener Schulverwaltungs-, Sport- und Kulturamtes, freuen sich, dass dieses Angebot im Kreis Heinsberg jetzt in Geilenkirchen etabliert wird. Bei Erfolg – und von dem gehen alle Beteiligten aus ­­– wird das Kommunale Integrationszentrum in Zusammenarbeit mit dem Schulamt für den Kreis Heinsberg, den Schulträgern und den Grundschulen im gesamten Kreis Heinsberg das Patenschaftsprojekt etablieren.

Daniel Bani-Shoraka und die Sozialarbeiterin Pia Kaiser, die für das Kommunale Integrationszentrum für das Projekt verantwortlich zeichnen, sind nun auf der Suche nach Ehrenamtlern, die bereit sind, eine Stunde in der Woche mit Kindern sprachfördernd zu arbeiten.

Spielerisch soll der deutsche Sprachschatz von neu zugewanderten Kindern erweitert werden. Beim Betrachten von Bilderbüchern, bei Brett- oder Ballspielen sollen die Kinder Wörter und Sätze hören, sie verstehen und aussprechen. Die Ehrenamtler, die bereit sind, eine Stunde in der Woche zu investieren, müssen keine Lehrer sein oder ähnliche Voraussetzungen mitbringen.

Es geht darum, so betonen Pia Kaiser und Daniel Bani-Shoraka, mit den Kindern zu spielen, sich dabei klar zu artikulieren und die richtige Grammatik und Syntax anzuwenden. „Die einzige Voraussetzung ist die Beherrschung der deutschen Sprache und die Freude sowie die zeitliche Möglichkeit, sich mit sechs- bis zehnjährigen, neu zugewanderten Kindern nach Absprache eine Stunde in der Woche an einem Werktag zwischen 8 und 15 Uhr in einer Geilenkirchener Grundschule zu beschäftigen“, erklären die beiden Projektverantwortlichen.

Die ehrenamtlichen Sprachpaten werden von Kaiser und Bani-Shoraka in einem viermoduligen Workshop auf ihre Arbeit vorbereitet: Dabei geht es um Hinweise für die Praxis, um die Sprachentwicklung des Kindes, um Stolpersteine in der deutschen Sprache, um die Bedeutung der Muttersprache und um rechtliche Rahmenbedingungen.

Ein erstes Modul findet statt am Donnerstag, 22. November, 14 bis 18 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Jeder interessierte Sprachpate ist hier willkommen. Um Voranmeldung wird gebeten bei Pia Kaiser, Tel. 02452/134037, Mail: Pia.Kaiser@kreis-heinsberg.de, oder Daniel Bani-Shoraka, Tel. 02452/134028, Mail: Saniel.Bani-Shoraka@kreis-heinsberg.de.

Die Mitarbeit geschieht auf rein ehrenamtlicher Basis, eine Vergütung wird nicht gezahlt. „Aber ein glückliches Kinderlachen ist auch viel wert“, sagt Bani-Shoraka, der sich mit Pia Kaiser Sprachpatenschaftsprojekte in Düren und Euskirchen angeschaut hat. In den beiden Städten laufen die Programme seit Jahren mit großem Erfolg, haben sie erfahren.

„Wir hoffen nun, dass auch in Geilenkirchen das Interesse groß ist und viele Menschen sich einbringen“, sagt Brunen. Aktuelle kämen mehr als 30 Kinder für das Projekt in Frage, somit ist jeder Pate willkommen. „Denn viele zugewanderte Kinder haben keinen Kontakt zu deutschsprachigen Menschen“, weiß Annette Maxheim.

Die Projektverantwortlichen versprechen den künftigen Paten nicht nur eine Qualifizierung durch Workshops und Begleitung durch die Fachkräfte des Kommunalen Integrationszentrums, sondern auch Unfallversicherungsschutz während der ehrenamtlichen Tätigkeit.

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