Geilenkirchen: Seniorenkino in der Realschule stößt auf gute Resonanz

Kino für Senioren : Wenn das Popcorn knapp wird, ist es ein voller Erfolg

Es ist schon schön, wenn man etwas bewegen kann, und noch schöner, wenn man dies in Gemeinschaft tut. Das Seniorenkino 60 plus des Runden Tisches für Altenarbeit Geilenkirchen ist so ein Projekt, das dank vieler Helfer zu einem außerordentlichen Erfolg wurde.

Dieser Erfolg lässt sich am besten an der Schlange vor dem Popcornautomaten ablesen. Viele Menschen stehen hier an, und der Popcornautomat ist leer. Die junge Popcorn-Crew kommt kaum hinterher, die Maiskörner nachzufüllen. Der Automat ist ein wenig überfordert, tut aber treu seinen Dienst und verbreitet Kinoatmosphäre. Auch wer gar kein Popcorn zwischen den Zähnen mag, wird den einzigartigen Duft im Flur der Realschule Geilenkirchen nicht missen wollen, der die Vorfreude auf Kino weckt.

Christa Butenschön, Mitglied des Runden Tisches, Mitglied im ZWAR-Netzwerk und Seniorenbeauftragte der Stadt Geilenkirchen, hatte an diesem letzten Kinoabend des Jahres 2019 wohlwissend, dass es nicht bei den 200 Anmeldungen fürs Seniorenkino bleiben, sondern wie stets sich noch Kurzentschlossene einstellen würden, gleich die doppelte Menge Popcorn eingekauft. Dennoch kommt eine der jungen Helferinnen schon eine halbe Stunde vor Filmbeginn und meint: „Wir haben nichts mehr, ist da noch irgendwo was?“

„Das kann nicht sein“, sagt Christa Butenschön und läuft schnell, um noch etwas aufzutreiben. Der guten Laune in der Schlange vor dem Kinosaal, die bislang nur den Duft der gerösteten Maiskörner in der Nase hatte, tat die kleine Wartezeit keinen Abbruch. Popcorn, Bier und Wasser gibt es zum Selbstkostenpreis von 50 Cent. Der Eintritt ist frei. So können sich auch Senioren das Kinoerlebnis leisten, die mit ihrer Rente keine großen Sprünge machen können.

Christa Butenschön (l.), Ideengeberin zum Seniorenkino Geilenkirchen, durfte zufrieden sein. Schon lange vor Filmbeginn füllten sich die Reihen in der Aula der Realschule. Foto: Dettmar Fischer

An diesem Abend läuft ein wunderbarer englischer Film mit der grandiosen Leinwanddiva Maggie Smith. Sie spielt die skurrile Miss Sheppard, die in ihrem alten, zugemüllten Van in einem Londoner Stadtteil in der Einfahrt eines Schriftstellers campiert, eine wahre Geschichte.

Christa Butenschön hatte die drei Filme für das erste Kinojahr ausgewählt und dabei ein sicheres Händchen bewiesen. Zunächst hatte sie befürchtet, ihre Filmauswahl könnte dem Publikum zu anspruchsvoll sein, doch dann bekam sie die Rückmeldung, dass die Besucher genau solche Filme sehen wollen. Nicht zum 99. Mal die Feuerzangenbowle oder seichten Klamauk, sondern gerne mal Programmkino mit Filmen, wie man sie nicht überall sieht.

Bei den Treffen des Geilenkirchener ZWAR-Netzwerks hatte Christa Butenschön vor gut einem Jahr die Idee vorgebracht, Kino für Senioren zu veranstalten. Auf die Nachfrage, mit wie vielen Besuchern sie denn rechnen würde, hatte Butenschön mit der Gegenfrage geantwortet: „Wie viele Plätze hat die Aula der Realschule?“ 240 hat sie, und die sind an diesem kühlen Abend im November 2019, als Maggie Smith so herzerwärmend die Miss Sheppard gibt, tatsächlich alle besetzt.

Christa Butenschön führt den Erfolg des Seniorenkinos darauf zurück, dass alle an einem Strang ziehen. Alle sind in diesem Fall der Runde Tisch für Altenarbeit, das ZWAR-Netzwerk und die Stadt Geilenkirchen. Die Stadt stellt nicht nur die Aula und die Popcornmaschine zur Verfügung, sondern sie bezahlt auch die Lizenzgebühren, die für die öffentliche Vorführung der Filme anfallen.

Kinomachen ist heute weitaus einfacher geworden. Christa Butenschön kauft eine DVD, schiebt diese in den Laptop, und der bedient den Beamer, der wiederum den Film auf die große Leinwand über der Bühne der Aula projiziert. Da nichtgewerbliche Filmarbeit einem Werbeverbot unterliegt, dürfen die Filmtitel nicht auf den Flyern und Plakaten abgedruckt werden, mit denen für das Seniorenkino in Geilenkirchen geworben wird. „Wenn sich die Leute aber bei mir anmelden, erzähle ich ihnen gerne, was sie beim nächsten Mal erwartet“, sagt Christa Butenschön, die mit vielen ehrenamtlichen Helfern in das nächste Geilenkirchener Kinojahr startet.

Dann wird es wegen der großen Nachfrage fünf Vorstellungen geben. Am 7. Januar um 19 Uhr geht es los. Dann wird Shirley MacLain als leicht zynische Rentnerin über die Geilenkirchener Leinwand flimmern. „Wenn man selber etwas in die Wege leiten will, dann kann man auch etwas erreichen“, sagt Christa Butenschön. Wer einmal das Seniorenkino besucht hat, der kommt gerne wieder. Nicht nur die guten Filme locken das Publikum. Sondern auch die gesellige, entspannte Atmosphäre vor und im Kinosaal hat sich herumgesprochen bis über die Grenzen der Stadt hinaus.