Geilenkirchen: Runder Tisch fordert Integrationsmanagement

Runder Tisch für Flüchtlingsangelegenheiten : Ehrenamtler wollen ein Integrationsmanagment

Die einen wollen den Ball lieber flach halten, die anderen würden gerne mal nach vorne stürmen. Keine leichte Aufgabe also für die „Spielführerin“, die Evangelische Pfarrerin Tanja Bodewig. Im Evangelischen Gemeindehaus in Geilenkirchen traf sich der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen.

Pfarrerin Bodewig hatte die Gesprächsleitung beim Runden Tisch für Flüchtlingsarbeit übernommen. Die Diskussion an diesem Abend drehte sich um die Rolle der Ehrenamtlichen in der lokalen Flüchtlingsarbeit.

In vielen Sonntagsreden wird das Ehrenamt über den grünen Klee gelobt. Doch wirklich ernst genommen fühlen sich die Ehrenamtlichen nicht - zumindest nicht immer und nicht alle.

Winfried Ende ist einer der Ehrenamtlichen, dem der Geduldsfaden zu reißen droht. Er betreut 60 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft der Stadt Geilenkirchen in der August-Thyssen-Straße in Niederheid. Er forderte an diesem Abend vehement ein Integrationsmanagement. Dieses soll nicht nur die Arbeit der ehren- und hauptamtlichen Integrationshelfer organisieren. Es soll auch unter dem Motto „Fordern und Fördern“ einen roten Leitfaden für die Flüchtlinge selber ziehen, an dem sie sich orientieren können auf dem Weg der Integration.

Solch ein Integrationsmanagement kostet nicht nur Engagement, es wird auch Geld kosten. Herbert Brunen, Beigeordneter der Stadt Geilenkirchen, erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass das Land NRW der Stadt Geilenkirchen in diesen Tagen als Integrationspauschale 134.663,77 Euro aus Bundesmitteln bewilligt habe. Integrationsmaßnahmen im Zeitraum 1. Januar 2015 bis 31.Oktober 2019 könnten mit diesem Geld bezahlt werden. Herbert Brunen geht davon aus, dass diese knapp 135.000 Euro schon verbraucht sind für die umfangreichen Integrationsmaßnahmen, die von der Stadt Geilenkirchen geleistet wurden, insbesondere in Bezug auf die Gruppe der „Geduldeten“, für die nach drei Monaten keine Landespauschale mehr gezahlt werde.

Doch, so Brunen, für das kommende Jahr habe das Land angekündigt, auch den Rest der betreffenden Bundesmittel als Integrationspauschale an die Kommunen durchzureichen. Brunen rechnet mit einer Überweisung, die weit höher liegen dürfte, als die nun eingegangenen Geldmittel.

Auch Stadtverordnete hätten mitzuentscheiden

Über die Verwendung dieses Geldes hätten dann auch die Stadtverordneten mitzuentscheiden. Das wäre dann der Moment, in dem die Politik auch einmal beim Runden Tisch für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen anfragen könnte, wie man sich dort die Verteilung des unverhofften Finanzsegens vorstellt.

Und da kämen dann wieder die ins Spiel, die den Ball flach halten und diejenigen, die gerne mal losstürmen möchten. Da müsste noch die richtige Strategie gefunden werden – aber bekanntlich kriegen ja im Nest die Jungvögel das meiste Futter, die den Schnabel am weitesten aufreißen...

Winfried Ende gehört sicherlich zu den Stürmern. Er war im Projektmanagement tätig. Ende bedauert, dass er bislang für sein Konzept eines Integrationsmanagements kein Gehör gefunden habe; auch nicht beim Kommunalen Integrationszentrum Kreis Heinsberg, das prädestiniert sei, den Integrationsprozess der Flüchtlinge zielführend zu ordnen.

Der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen, moderiert von „Spielführerin“ Tanja Bodewig, die den Ball im Gegensatz zu Winfried Ende lieber etwas flacher halten möchte, sprach sich dafür aus, noch einmal ein Gespräch mit den Stadtoberen zu führen. Ein WLAN für die Friedensburg und ein Reinigungsdienst für die August-Thyssen-Straße konnten immerhin schon eingehandelt werden.

Doch nach wie vor mangelt es wohl an der Betreuung der 60 Männer unterschiedlichster Herkunft, die der Unterkunft August-Thyssen-Straße zugewiesen sind.

Beim aktuellen Treffen des Runden Tisches war die Integrationspauschale noch kein Gesprächsthema gewesen; vielleicht aber beim nächsten Treffen. Dann wird voraussichtlich Pastoralreferent Bernhard Kozikowski die Binde des „Spielführers“ übernehmen. Er hatte die Idee, mal in anderen Kommunen nachzuhören, wie es denn da mit der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit laufe.

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