Geilenkirchen: Nachkommen von Ilse Dahl besuchen Gymnasium St. Urslula

Besuch aus USA: Steve Cole und Emily Loeb setzen Zeichen gegen Antisemitismus

Besuch aus den USA hatte sich in Geilenkirchen angekündigt. Steve Cole, Sohn von Ilse Dahl, einer emigrierten Jüdin, die selbst Schülerin am Geilenkirchener Gymnasium gewesen war, war mit seiner Nichte Emily Loeb zu Gast. Die Initiative Erinnern Geilenkirchen begleitete den Besuch, der die beiden Gäste auch ins Bischöfliche Gymnasium St. Ursula führte.

Im Jahr 1938 war Ilse Dahl aus Geilenkirchen vor dem nationalsozialistischen Terror in die USA geflohen.

Steve Cole berichtete im Rahmen einer Diskussionsrunde am Gymnasium St. Ursula, die mit Oberstufenschülern der Geschichtskurse abgehalten wurde, dass seine Mutter und auch sein Vater nie über ihre Zeit in Deutschland gesprochen hätten. So wisse Karl-Heinz Nieren, der sich intensiv mit den Familiengeschichten ehemaliger Geilenkirchener Juden befasst hat, sicherlich mehr über die Herkunft seiner Familie als er selber.

Seine Nichte, Emily Loeb, so Cole, sei die Verwandte der nächsten Generation, die sich am stärksten für die jüdische Geschichte interessiere. Er selber sei zwar nicht sehr religiös, aber stark von seiner jüdischen Identität geprägt.

Emily Loeb sprach den Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh an, bei dem vor zwei Wochen elf Menschen ihr Leben verloren hatten. Steve Coles erklärte, er sei überrascht gewesen, dass so etwas geschehen konnte.

Antisemitismus sei lange gesellschaftlich verpönt gewesen. Steve Cole engagiert sich in einer Einrichtung, die den Holocaust an Schulen bekannt machen möchte. Vielen Schülern in seinem Bundesstaat Kansas, so Cole, sei dieser Teil des Zweiten Weltkriegs unbekannt.

Auch seitens der Geilenkirchener Schüler wurde deutlich gemacht, dass die Erinnerung an das Geschehene durch Aufklärungsarbeit wach gehalten werden müsse. Bei einem Treffen mit dem Schulleiter des Gymnasiums, Jürgen Pallaske, wurden den amerikanischen Gästen auch vier Schüler vorgestellt, die 2017 eine Projektarbeit über Ilse Dahl verfasst hatten, die beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit einem Förderpreis ausgezeichnet worden war.

(defi)
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