Auszeichnung: Geilenkirchen ist ab Donnerstag Fairtrade-Town

Auszeichnung : Geilenkirchen ist ab Donnerstag Fairtrade-Town

Trinken Sie gerade eine Tasse Kaffee? Möglich wäre es, schließlich ist Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen. Doch wo, von wem oder wie er produziert wird, wissen die meisten nicht.

Auch hinter vielen anderen Produkten, die wir in hiesigen Lebensmittelgeschäften finden, stecken oftmals Menschen aus fernen Ländern, die nur wenig Geld für ihre Arbeit bekommen — zu wenig. Der Verein Transfair setzt sich weltweit für faire Bedingungen im Handel ein. Und Geilenkirchen will künftig dabei mithelfen.

Am 27. September wird die Stadt offiziell als Fairtrade-Town ausgezeichnet. Mit dem Leitgedanken „global denken — lokal handeln“ will Geilenkirchen auch bei seinen Bürgern ein Bewusstsein für nachhaltiges Konsumieren schaffen. Wie das aussehen soll, wird von 17 bis 19 Uhr öffentlich bei der Verleihungsfeier in der Galerie K bekannt gegeben.

Damit das Projekt überhaupt beginnen konnte, musste der Rat zunächst beschließen, an dem Programm von Fairtrade Deutschland teilzunehmen. Schnell hat sich auch die sechsköpfige Projektgruppe gefunden, in der Vertreter aus Politik, Bürgerschaft und Kirche zusammentreffen. „Mit dieser Vielfalt können wir ganz verschiedene Bevölkerungsgruppen ansprechen und für Fairtrade sensibilisieren“, sagt die Referentin für Wirtschaftsförderung, Susanne Köppl, die Teil des Projektteams ist.

Es galt aber, auch noch andere Kriterien zu erfüllen: Unter anderem müssen sechs Geschäfte und drei Gastronomiebetriebe in Geilenkirchen mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Da mittlerweile fast alle Supermarktketten — ob aus Gutmütigkeit oder Marketing-Gründen — Fairtrade-Produkte anbieten, konnte diese Vorgabe „recht locker“ erfüllt werden, erklärt Jürgen Benden von den Grünen, der sich ebenfalls in der Projektgruppe engagiert. „Von einem Selbstläufer kann bei dem Projekt aber nicht die Rede sein.“

Abheben von anderen Städten

Schwierig sei es nämlich gewesen, Gastronomiebetriebe zu finden, die Fairtrade-Produkte anbieten möchten. Auch das ist zwar gelungen, aber man hoffe, dass das ein oder andere Café oder Restaurant vielleicht noch nachzieht, wenn ihnen der Mehrwert bewusst wird.

Und der sei in doppelter Hinsicht da — auf lokaler und globaler Ebene: „Zum einen kann sich Geilenkirchen mit dieser Auszeichnung von anderen Kommunen abheben und sich als menschenfreundliche Stadt präsentieren, in der es sich lohnt, einkaufen zu gehen“, erklärt Benden. Zwischen Mönchengladbach und Aachen gebe es keine andere Kommune mit der Auszeichnung zur Fairtrade-Town.„Zum anderen haben wir unsere soziale Verantwortung erkannt“, fährt Benden fort. Wenn es zum Beispiel darum gehe, Fluchtursachen zu bekämpfen, könne der Kauf eines Fairtrade-Produktes schon ein kleiner Beitrag sein, „weil der Bauer dann etwas mehr bekommt, nicht mehr auf seine Kinder als Arbeitskräfte angewiesen ist und diese dann in die Schule gehen können.“

Auf diesen Dominoeffekt hofft die gesamte Projektgruppe zumindest. Den ersten Anstoß soll die Auszeichnungsfeier am kommenden Donnerstag geben. Die Urkunde wird von Fairtrade Deutschland übergeben, auch Bürgermeister Georg Schmitz hat sich bereits als Gast angekündigt. Außerdem erwarten die Besucher Vorträge, Musik und eine Kindermodenschau des Awo-Kindergartens und des Kindergartens Lebenshilfe. Dabei tragen die Kinder natürlich Fairtrade T-Shirts, die sie selbst bemalt haben.

Eine weitere Besonderheit wird der „globale Supermarkt“ sein, der vom Eine-Welt-Forum in Aachen zu Verfügung gestellt wird. Symbolisch können in diesem Supermarkt 150 verschiedene Produkte — vom Handy bis zum Schokoriegel — eingekauft werden. Doch statt eines Eurobetrages zeigt die Quittung an der Kasse, wie viele Rohstoffe, Wasser und Fläche bei der Herstellung des jeweiligen Produktes gebraucht wurden und wie viel CO2 dafür ausgestoßen wurde.

Interessierte können den „globalen Supermarkt“ schon ab Montag bis Mittwoch sowie am Freitag von 16 bis 18 Uhr kostenfrei besuchen. Auch Schulklassen sind eingeladen, sollten sich aber per E-Mail an lars.speuser@gmx.de anmelden.

Trikot mit Fairtrade-Siegel?

Generell soll Bildungsarbeit ein wichtiger Bestandteil des Fairtrade-Projekts werden. Schulen, Kindergärten und Vereine sollen einbezogen werden.

Zuletzt wurden bei den Fußballstadtmeisterschaften schon fair produzierte Bälle eingesetzt. Der nächste Trikotsatz könnte auch bald Fairtrade-Siegel tragen, so eine von vielen Ideen der Projektgruppe.

Konkrete Pläne gibt es noch nicht Untätig kann Geilenkirchen aber nicht bleiben, da Fairtrade Deutschland alle drei Jahre überprüft, ob eine Stadt die Anforderungen noch erfüllt. „Das zeigt auch noch mal, dass das Projekt von allen Beteiligten ernst genommen wird“, sagt Susanne Köppl. „Umso mehr macht es uns nun stolz, Fairtrade-Town zu sein.“

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