Geilenkirchen hofft auf das Halbfinale bei "Der beste Chor im Westen"

Chor-Wettbewerb des WDR : „Das Stück“ soll die Jury überzeugen

Der Kammerchor des St.-Ursula-Gymnasiums kämpft um den Titel „Der beste Chor im Westen“. Am kommenden Samstag steht die Vorentscheidungsrunde - inklusive TV-Ausstrahlung des WDR - in Hamm an.

„Ich fühle mich momentan wie ein Bundesligatrainer“, sagt Thomas Gottschalk. Dabei betreibt er gar keinen Sport, jedenfalls nicht hauptberuflich. Er ist Deutsch- und Musiklehrer am St.-Ursula-Gymnasium in Geilenkirchen – zusätzlich betreut er unter anderem auch den Kammerchor der Schule. Und der hat ein sportliches Programm vor sich: Der Chor des Bischhöflichen Gymnasiums hat es unter die „besten Chöre im Westen“ des Westdeutschen Rundfunks (WDR) geschafft und kämpft in diesem Wettbewerb in einem regionalen Vorentscheid ums Weiterkommen.

Vor drei Jahren gegründet

Der Kammerchor besteht aus etwa 45 musikbegeisterten Schülern aus der Mittel- und Oberstufe, wie Gottschalk sagt. Im Mittelpunkt der Chorarbeit steht neben der persönlichen Entwicklung der Jugendlichen auch die Erarbeitung von unterschiedlicher mehrstimmiger Chorliteratur – etwa von Bach. Gegründet hatte Gottschalk das Ensemble vor drei Jahren, das seitdem Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen und Feierlichkeiten begleitet. In dieser kurzen Zeit wurden bereits einige Auszeichnungen gewonnen, zuletzt beim Landeschorwettbewerb NRW im vergangenen Jahr: Der Frauenchor, ein Teil des Kammerchors, erreichte dort den ersten Platz und bekam zudem einen Sonderpreis der Jury für eine besonders gelungene Programmgestaltung. „Was jetzt kommt ist aber definitv das bisherige Highlight“, sagt Gottschalk.

Den Worten des „Trainers“ schließt sich auch seine „Mannschaft“ an. „So ein großes Publikum hatten wir noch nie“, sagt Chormitglied Julia Rieger. „Wir sind insgesamt schon aufgeregt, werden aber nichts überstürzen. Wir gehen mit Coolness an die Sache ran“, ergänzt ihre Kollegin Dana Kauhl.

Auch „Teamkapitän“ Lukas Jansen, er wird in der ersten Reihe die „Sturmspitze“ der Choreografie sein, sagt: „Wir arbeiten zur Zeit noch am Feinschliff. Wir pendeln alles so aus, dass die Stimmen perfekt zueinander passen und alles harmonisch klingt.“

ABBA statt Bach

Beworben hat sich der Chor für den Wettbewerb allerdings nicht mit einem klassischen Bach-Oratorium, sondern mit einem Medley der schwedischen Pop-Band ABBA. „Ein etwas anderes Terrain als im Alltag“, sagt Gottschalk. Und trotzdem konnte man den WDR damit überzeugen und ist nun unter den 20 „besten Chören im Westen“ – als einziger Schulchor.

Ein echtes Derby wird es auch geben, denn der Chor „FLOW“ aus Aachen ist ebenfalls in die nächste Runde gekommen. Ansonsten kommen die Konkurrenten unter anderem aus Münster, Brilon, Unna oder dem Kreis Warendorf.

Am kommenden Samstag werden sie alle in der Vorentscheidungsrunde in Hamm vor das Publikum, eine Jury und dutzenden TV-Kameras auftreten. Denn bereits die Qualifikationsrunde wird „live on tape“ am darauffolgenden Freitag, 30. November, um 20.15 Uhr im WDR ausgestrahlt.

Aber mit welchem Lied möchte der Kammerchor die Jury rund um Sänger und Moderator Giovanni Zarrella überzeugen? „Das bleibt noch geheim“, sagt Gottschalk mit einem Augenzwinkern. „So viel darf allerdings schon verraten werden: Es wird kein Bach-Oratorium.“ Wenn Gottschalk von dem Auftrittslied spricht, redet er deswegen vor allen nur von „das Stück“. Nur er, der Chor und eventuell ein paar neugierige Eltern wissen, was vorbereitet wurde.

So ganz hinter dem Berg können die Jugendlichen nämlich dann doch nicht halten, was präsentiert wird. „Wir werden versuchen, das Publikum mitzureißen. Es wird ziemlich groovig“, sagt Lukas Jansen. Mehr verrät aber auch er nicht.

Bühnenpräsenz stärken

In der Vorbereitung stecken viele Stunden harter Arbeit. Und trotzdem werden die nächsten Tage vor dem Auftritt noch ziemlich stressig, sagt Gottschalk. Denn nicht nur Proben auf dem Schulgelände stehen an, sondern am Freitag auch eine Fahrt nach Hamm zur Generalprobe ins TV-Studio. Bevor es dann einen Tag später zum eigentlichen Wettbewerb geht.

Die größte Schwierigkeit sieht Gottschalk gar nicht im Musikalischen, wie er sagt. „Wir müssen es schaffen, eine gute Bühnenpräsenz hinzubekommen. Die Raumverteilung muss stimmen, genau wie unsere Gesten und Mimik.“ Das Allheilmittel soll vor allem eins sein: „Lächeln und Spaß haben, denn nur so können wir alle unsere Nervosität ablegen.“

Sollte dies gelingen, ist auch ein Weiterkommen möglich. Davon ist auch Schulleiter Jürgen Pallaske überzeugt, der sich die letzten Proben vor dem großen Tag nicht entgehen lässt. Zu viel Druck möchte er aber nicht aufbauen: „Allein die Teilnahme in der Qualifikationsrunde ist ein großer Erfolg.“ Sollte der Erfolg sich allerdings noch etwas ausdehnen lassen, hätte er natürlich nichts dagegen – genau wie seine Schüler.

Ab dem Halbfinale wird der Wettbewerb zur „Primetime“ live im WDR übertragen, dem Gewinner winken neben einem gemeinsamen Konzert mit dem WDR-Rundfunkorchester in der eigenen Stadt ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Wie für einen guten Trainer üblich, hat Gottschalk jetzt schon die nächsten Runden im Blick: Da das Halbfinale am 7. Dezember stattfindet, wurde bereits ein Nachfolger von „das Stück“ geprobt. Was es sein wird? „Geheim.“