Geilenkirchen: Es bleibt nicht viel Zeit den Wald um Trips zu retten

Biber an Burg Trips: Es bleibt nicht viel Zeit, den Wald zu retten

Umgestürzte Bäume, geflutete Flächen: Der gefräßige Biber verwandelt den Wald um Burg Trips langsam, aber sicher in eine Sumpflandschaft. Denn das dortige Ökosystem ist ihm nicht gewachsen. Ein Gastbeitrag von Klaus Charfreitag, der sich seit den 90er-Jahren mit dem Biber beschäftigt – und mit den spektakulären Auswirkungen seines Treibens.

Aufmerksamen Spaziergängern werden die Spuren der Bibertätigkeit in weiten Bereichen des Wurmtales nicht entgangen sein. Um die rege Tätigkeit und die Möglichkeiten des Bibers einzuschränken, sind viele Bäume mit einem Drahtgeflecht umgeben oder mit einer speziellen Farbe im unteren Bereich gestrichen worden.

Diese Maßnahmen sind ein wirksamer Schutz für einzelne Bäume. Die Biber bedrohen nun aber ein ganzes Waldstück, wenn auch nur indirekt. Das kleine, mit Pappeln und einigen Eichen bestandene Wäldchen links des Weges von der Burg Trips Richtung Bahnstrecke, wird durch den Biber unter Wasser gesetzt. Man kann jetzt leider schon sehen, welche Auswirkungen das zur Folge hat. Der Waldboden wird aufgeweicht und gibt den hohen Bäumen keine Standfestigkeit mehr, so dass sie bei starken Stürmen dem Wind nicht standhalten können. Die ersten Bäume liegen schon.

Die Stadt Geilenkirchen hat mit Ihrer Baumpflanzaktion am 10. November 2018 ein Zeichen dafür gesetzt, wie wichtig jeder Baum für unsere Umwelt ist. Der Kampf um den Hambacher Forst muss hier eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden. Was ist nun aber mit dem Biber?

Beliebte Freitagsspeise

Der Biber ist nicht nur als beliebte Freitagsspeise für katholische Würdenträger beziehungsweise wegen des Bibergeils gejagt worden, sondern vor allem wegen seines warmen Pelzes. Wenn der Biber weder in Grönland noch in Spitzbergen heimisch war, liegt es womöglich am Fehlen seiner Lieblingsspeise, nämlich der Baumrinde. Der größte bekannte Biberdamm der Welt, mit einer Länge von 800 Metern, liegt im Norden der kanadischen Provinz Alberta. In dieser Region sind Temperaturen von  Minus 49 Grad keine Seltenheit.

Die bekannteste Tätigkeit des Bibers ist das Fällen von Bäumen und das Bauen von Burgen und Dämmen. Es wird immer wieder erwähnt, dass er die Dämme baut, um durch das Anstauen eines Gewässers den Eingang zu seiner Burg unter der Wasseroberkannte zu halten. Dies ist aber nur ein Aspekt. Um seine Nahrung, in der Regel Zweige von gefällten Bäumen oder zum Beispiel Maisstangen, transportieren zu können, benötigt er Wasserwege. Beobachten Sie mal auf längeren Abschnitten das Ufer der Wurm, Sie werden immer wieder nackte Äste und Zweige sehen. Der Biber nagt die Rinde der erwähnten Baumteile vollständig ab, und das kann er am besten, wenn sie auf dem Wasser schwimmen.

Der Biber hat seine Daseinsberechtigung wie jedes andere Lebewesen. Wir sind uns sicher darin einig, dass dies nicht bedeuten kann, dass er sich an jedem beliebigen Ort breitmachen sollte. Es gibt Gebiete, da hat der Biber eine wichtige Aufgabe. Der Biber ist in großen waldreichen Gebieten, ein Nahrungsbeschaffer für andere Arten. Er fällt Bäume zu seinem eigenen Vorteil. Gleichzeitig verschafft er in harten, schneereichen Wintern, zum Beispiel in Nordamerika, anderen Tieren wie zum Beispiel Elchen, Hirschen oder Rehen die Möglichkeit, sich von der Rinde der gefällten Bäume und deren Zweigen zu ernähren. Damit hat er in diesen Gegenden eine echte Aufgabe.

Die Aufnahme mit den beiden Elchen und der Biberburg ist im kanadischen Riding-Mountain-Nationalpark entstanden. Dieser Park hat eine Ausdehnung von 2969 Quadratkilometer. Hier gehört der Biber hin, und hier kann er sich ungestört entfalten. Zum Vergleich: der Kreis Heinsberg hat eine Ausdehnung von nur 627,7 Quadratkilometern. Damit soll nicht gesagt sein, dass es nicht auch in Deutschland den einen oder anderen Platz für den Biber gibt.

Starke Lobby

Der Biber hat in NRW eine starke Lobby, deshalb ist auch keine Statistik über Biberschäden in NRW bekannt. Für Bayern gibt es diese, und ihr zufolge beträgt die Summe der gemeldeten Schäden für das letzte Jahr 610.128 Euro, bei steigender Tendenz gegenüber den Vorjahren.

Damit kommen wir zur Frage: Braucht das Wurmtal den Biber? Diese Frage läßt sich leicht beantworten. In dieser Kulturlandschaft, nützt er höchstens sich selber, aber für die Umwelt sind die Bäume, ist jeder Baum wichtig. Es geht natürlich nicht nur um Biber oder Bäume, es geht auch um die Menschen. Die  Entstehung beziehungsweise der Fortbestand eines Sumpfgebietes in der Nähe der Seniorenwohnananlage Burg Trips birgt die Gefahr einer Mückenplage und erscheint nicht wünschenswert. Auch bei den vielen Besuchern des Naherholungsgebietes um Burg Trips könnte das Ärger verursachen. In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass es im letzten Sommer bereits eine Warnung vor Kriebelmücken im Wurmtal gab.

Eine Maßnahme, deren Auswirkung auf den erwähnten Bereich noch nicht abzuschätzen ist, stellt der Bau der Verbindungsstraße Geilenkirchen-Süggerath dar. Für das Jahr 2020 ist der Bau dieser Straße, westlich der Eisenbahnlinie Geilenkirchen-Lindern, eingeplant.

Es wäre schön, wenn die verantwortlichen Personen unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben und der örtlichen Gegebenheiten eine Lösung finden könnten, die den Belangen der Biber und der Umwelt gerecht wird. Die bisher getroffenen Maßnahmen haben keine nachhaltige Wirkung gezeigt. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Baumbestand zu retten, der nächste Sturm kommt ganz bestimmt bald.

Mehr von Aachener Nachrichten