Geilenkirchen: Eichendorff-Kolleg schließt, letzte Abiturienten gehen

Eichendorff-Kolleg : Freude über das Abitur, Trauer über das Ende der Einrichtung

Das Land NRW ist um eine besondere Einrichtung ärmer geworden. Mit dem Abschluss der letzten Abiturienten hat das Eichendorff Kolleg in Geilenkirchen seine Tore geschlossen.

Neun russischstämmige Abiturienten des Eichendorff-Kollegs haben nicht nur ihr Abschlusszeugnis überreicht bekommen, sondern ihnen wurde auch die Ehre zuteil, als letzter Jahrgang die langjährige, erfolgreiche Arbeit des ehemals autonomen Eichendorff-Kollegs mit ihrer Schulentlassung zu beenden. Seit 2010 war das Eichendorff Kolleg als Abteilung IV der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen geführt worden. Mit der Abiturfeier 2019 schloss es nun seine Tore.

Uwe Böken, Schulleiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und somit auch Leiter des Eichendorff Kollegs, begrüßte zur Abiturfeier nicht nur die Abiturienten, sondern auch Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz, das Lehrerkollegium mit Klassenlehrer Dr. Martin Kerkhoff, als Vertreter des Ministeriums für Schule und Bildung NRW den Leitenden Ministerialrat Joachim Schöpke sowie die Leitende Regierungsschuldirektorin Cornelia Ossendorf.

Die Abiturienten hatten am Eichendorff Kolleg den zweijährigen Sonderlehrgang zur Erlangung der bundesdeutschen allgemeinen Hochschulreife erlangt. Böken verwies darauf, dass die Zahl der Kollegiaten, die sich für diesen Sonderlehrgang in Geilenkirchen angemeldet hatten, bereits mehrere Jahre rückläufig gewesen war, bevor das Land vor über zehn Jahren die Entscheidung getroffen habe, den Sonderlehrgang als Abteilung IV der Gesamtschule weiter zu führen. Dieser Rückgang der reinen Zahlen habe sich auch seit 2009 weiter fortgesetzt. „Aus diesem Grund kann man verstehen“, so Böken, „dass das Land diese Einrichtung auf den Prüfstand gestellt hat."

Dennoch schmerze es sehr, wenn gerade in Zeiten, in denen landauf und landab von Migration und damit verbundener Integrationsnotwendigkeit insbesondere mit Blick auf den Erwerb von Sprachkompetenz und Bildungschancen gesprochen werde, eine Einrichtung geschlossen werde, die sich über eine lange Zeit um eine ganz spezielle Klientel von Migranten gekümmert habe, nämlich die deutschsprachigen Remigranten aus den Staaten der ehemaligen UDSSR.

In Hessen habe sich dieser sogenannte Sonderlehrgang schon vor Jahren auch für andere Migranten geöffnet. In Kooperation mehrerer Landesministerien werde dieser Lehrgang in Hanau seither mit stabilen Zahlen weiter betrieben. Uwe Böken: „Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Entscheidung gegen die Weiterführung getroffen, wir haben diese zu akzeptieren, auch wenn wir sie uns anders gewünscht hätten. Es war schon interessant, dass in den letzten Jahren der Name unserer Stadt immer gleichberechtigt mit Hamburg und Hanau genannt worden ist.“ Man werde, so Böken, wohl erst dann merken, was man gehabt hat, wenn es nicht mehr da ist. Uwe Böken: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unser Bundesland ab heute um eine wichtige Institution ärmer ist.“

Die Ergebnisse der Abiturprüfungen könnten sich sehen lassen, meinte Böken. Acht von neun Abiturzeugnissen wiesen eine 2 vor dem Komma aus. Als letzter offizieller Abteilungsleiter ließ Ulrich Peinkofer die 47-jährige Geschichte des ehemals autonomen Eichdorff-Kollegs im Rahmen der Abiturfeier noch einmal Revue passieren.

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