Geilenkirchen: Bewährungsstrafe für Zierblumengärtner

Gerichtsverhandlung : Bewährungsstrafe für einen Zierblumengärtner

Schlägereien, Fahrerflucht, Drogenkonsum: Die Zeit von Oktober 2016 bis Mai 2017 ging wild zu beim Angeklagten K. aus Setterich. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Es hätte so ein netter Abend werden können. Mustafa K., gelernter Zierblumengärtner, und seine beiden Begleiter, vorbestrafte belgische Drogendealer, hatten sich mit Whisky und Koks in Stimmung gebracht und gingen in der Geilenkirchener Diskothek Musikpark feiern. Doch dort gerieten sie mit einer anderen Gruppe aneinander, es kam zu tumultartigen Szenen und einem größeren Polizeieinsatz. Der so vielversprechend begonnene Abend endete am Sonntagmorgen, 16. Oktober 2016, auf der Polizeiwache, die juristische Aufarbeitung der Ereignisse übernahm diese Woche das Geilenkirchener Schöffengericht.

Der Angeklagte Mustafa K. stammt aus Setterich, einem Ortsteil von Baesweiler. Schon als sehr junger Mann geriet er regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt und handelte sich zahlreiche Vorstrafen ein. Doch dann entspannte das Verhältnis zu den hiesigen Behörden sich. K. lebte lange Zeit mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind in Frankreich. Doch die Beziehung ging in die Brüche, und K., mittlerweile zum Mittdreißiger gereift, kehrte zurück in die alte Heimat und in ebensolche Verhaltensmuster. Er soff viel und nahm Drogen, sein Leben lief aus dem Ruder.

„Ich war nicht mehr ich, ich war außer Rand und Band“, erklärte er nun vor dem Schöffengericht, wo er sich für eine ganze Latte an Delikten wie Körperverletzung verantworten musste, die sich alle zwischen Oktober 2016 und Mai 2017 ereignet haben sollten. Es ging um Fahren ohne Fahrerlaubnis, Falsche Verdächtigung und Drogenbesitz. Weil die schwerwiegendsten angeklagten Taten sich jedoch nicht nachweisen ließen oder gar widerlegt wurden, kam K. noch einmal mit einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten davon, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Maßgeblich war dabei vor allen Dingen, dass man K. nicht nachweisen konnte, am 16. Oktober 2016 am Musikpark mit Drogen gehandelt zu haben.

Als die Polizei die Situation vor der Disko damals einigermaßen beruhigt hatte, wurden die Beamten durch einen Türsteher darauf hingewiesen, dass K. und seine Kompagnons zuvor von einer Schusswaffe gesprochen hatten, die sie angeblich im Auto auf dem Parkplatz gebunkert hätten. Die Polizei sah sich das Auto also näher an. Eine Waffe war zwar nicht darin, dafür aber K.s Herrenhandtasche mit Kokain und Cannabis in Form mundgerecht portionierter Konsumeinheiten von alles in allem mehr als 30 Gramm, dazu 580 Euro. Außerdem lagen vier Wegwerfhandys im Auto, drei noch originalverpackt. Es sah ganz so aus, als handele es sich bei dem Audi A2 um den Dienstwagen eines Drogendealers.

Besessen, aber nicht verkauft

K. konnte sich die Sache vor Gericht nur so erklären, dass einer seiner belgischen Begleiter ihm die Drogen untergeschoben habe. Richterin Corinna Waßmuth und die Schöffen glaubten ihm zwar kein Wort. Die Indizienlage gab allerdings nur eine Verurteilung wegen des Besitzes der Drogen her. Dass K. diese im oder am Musikpark verkauft hatte, betrachteten sie als nichts erwiesen.

Auch als es um zwei angeklagte Fälle von Körperverletzung ging, verlief die Verhandlung aus Sicht des Angeklagten günstig. Ausgerechnet die Aussagen zweier einstiger Kontrahenten, mit denen K. sich unabhängig voneinander in Setterich geprügelt hatte, wendeten das Blatt. Denn beide gaben zu, als erste zugeschlagen zu haben. „In der Kneipe, da kam der vom Klo, da habe ich den direkt weggeknockt“, berichtete ein als Zeuge geladener Maurer vom 1. April 2017. Dass K. sich unter Zuhilfenahme eines Teleskopschlagstocks gewehrt hatte, betrachteten Staatsanwaltschaft und Schöffengericht vor dem Hintergrund dieser überraschenden Einlassung als soweit angemessen. Dass der Maurer der Polizei ursprünglich eine ganz andere Version des Vorfalls vorgetragen haben muss, wurde nicht weiter erörtert.

Jedenfalls warf die Verhandlung kein besonders gutes Licht auf das Settericher Milieu. K. warf dem Maurer vor, ihn schon „vier, fünf Tage vorher aufgemischt“ zu haben, zusammen „mit zehn anderen Türken oder so“. Diese Anekdote war jedoch nicht Gegenstand des Verfahrens und wurde lediglich zur Kenntnis genommen. Ohnehin drohte die rund fünfstündige Verhandlung zeitweise ins Chaotische abzurutschen.

Weniger glücklich verlief sie aus Sicht von K. hinsichtlich eines Unfalls mit Fahrerflucht, den dieser gebaut hatte, gleich nachdem er am 1. April 2017 den Teleskopschlagstock weggesteckt und Hals über Kopf aus der Kneipe geflüchtet war. Auf der Emil-Mayrisch-Straße fuhr er einem anderen Verkehrsteilnehmer eine lange Schramme ins Auto. Und auch für veruntreuende Unterschlagung wurde K. verurteilt. Im Mai 2017 hatte er gemeinsam mit einem Bekannten einen Mercedes CLK in Hamm abgeholt, der später nach Frankreich gebracht werden sollte. Doch K. setzte sich mit dem Auto ab, um eine Geburtstagsfeier in Luxemburg zu besuchen. Tage später wurde der Mercedes, mittlerweile als gestohlen gemeldet, von der niederländischen Polizei bei Roermond gefunden. „Total im Arsch“  sei der Motor gewesen, ärgerte der als Zeuge geladene Bekannte sich, das Auto sei verschrottet worden, er selbst auf den Kosten sitzen geblieben.

Ebenfalls nicht von seiner nobelsten Seite hatte K. sich gezeigt, als er im Mai 2017 am Kirchberg in Übach-Palenberg zugedröhnt in eine Polizeikontrolle geriet. K. war mit dem Auto seines Bruders unterwegs, wie üblich ohne gültige
Fahrerlaubnis, und gab sich nun als sein eigener Bruder aus, was diesem ein Ermittlungsverfahren einbrockte. Es war der einzige Punkt in der Verhandlung am Schöffengericht, zu der K. sich nicht wortreich und ausschweifend einließ. Er räumte den Vorwurf der falschen Verdächtigung ein und blickte betreten auf seine Hände.

Dreifacher Papa

Mittlerweile hat Zierblumengärtner K. sich offenbar wieder besser im Griff. Er lebt bei seiner Lebensgefährtin in Übach-Palenberg, mit der er schon als junger Mann ein Kind gezeugt hat, bevor er nach Frankreich auswanderte. Es ist heute im Teenageralter und hat ausgerechnet in jenem Frühjahr, als K. noch „außer Rand und Band“ war, ein kleines Geschwisterchen bekommen. Seit dieser Zeit sind keine Anzeigen mehr gegen K. angefallen, den Drogen hat er abgeschworen, sagt der nunmehr dreifache Papa. Will er seine Gefängnisstrafe nicht doch noch antreten, muss er dem Amtsgericht in unregelmäßigen Abständen Drogentests vorlegen.

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