Geilenkirchen: Bahnhof voll von giftigem Stechapfel

Halluzinogen und tödlich : Am Geilenkirchener Bahnhof gedeiht der Stechapfel

Seit einiger Zeit wird der Geilenkirchener Bahnhof umgebaut. Er soll behindertengerecht sein und fit für den neuen RRX. Der hochgiftige und potenziell tödliche Stechapfel fühlt sich jetzt schon wohl.

Besonders freundlich sieht er nicht aus, der Stechapfel, und das ist wohl auch ganz gut so. Eigentlich ähnelt er mit seinem stacheligen Äußeren eher einer Kastanienfrucht als einem Apfel. Komm mir bloß nicht zu nahe, scheint er mitteilen zu wollen. Und das Gewächs sieht nicht nur bedrohlich aus, sondern ist auch hochgiftig, potenziell tödlich - und wächst am Geilenkirchener Bahnhof zurzeit in rauen Mengen.

Wie es dort hingekommen ist, wird sich nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren lassen. Naheliegend ist jedoch, dass ein Zusammenhang mit den aktuell dort stattfindenden Bauarbeiten besteht. Darauf deutet ein Sandhaufen in einem abgesperrten Baustellenbereich hin, der besonders dicht mit Stechapfel bewachsen ist. Allerdings war er durch die Absperrung natürlich nicht zu beeindrucken. Und so ist am Gleis 1 mittlerweile auf einer Strecke von rund 180 Schritten Stechapfel zu finden.Rund ein Dutzend Arten sind weltweit bekannt, alle gelten als hochgiftig und können einen Menschen töten, insbesondere Kinder.

Drogenaffinen Menschen ist die Pflanze jedoch ebenfalls bekannt. Sie zählt zu den Nachtschattengewächsen und enthält unter anderem das Halluzinogen Scopolamin. Allerdings sollten Bahnreisende von der möglichen Idee, sich die Wartezeit auf den nächsten Zug mithilfe des Stechapfels zu verkürzen, dringend Abstand nehmen, denn verschiedene einschlägige Internetseiten lassen nicht darauf schließen, dass der Rausch besonders angenehm ist - ganz im Gegenteil.

„Der Wirkstoff Scopolamin ist hochgradig halluzinogen. Es bewirkt eine Auflösung des Zeitempfindens, die sich bis in psychoseähnliche Zustände steigern können. Angstzustände und Unruhe können hinzukommen. Der Konsument bleibt in einer Art halbwachem Zustand mit real wirkenden Halluzinationen, ist aber noch in der Lage zu sprechen und zu denken“, klärt die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen auf. „Wir raten dringenst von einer Berauschung mit Stechapfel ab, da die Konzentration der Wirkstoffe von Pflanze zu Pflanze und von Pflanzenteil zu Pflanzenteil sehr stark schwankt. Ein einmal schwach wirkendes Blütenteil oder Samenkorn kann beim nächsten Mal ein Vielfaches des Wirkstoffes enthalten und dann mitunter lebensgefährliche Folgen haben.“

Auch die Deutsche Bahn ist schon auf den Stechapfel aufmerksam geworden, wie eine Nachfrage unserer Redaktion ergibt. Eine Sprecherin teilt mit, dass noch für diese Woche ein Landschaftsgärtner bestellt sei, der der Bahn beratend zur Seite stehen soll. Dass der Stechapfel entfernt wird, steht dabei außer Frage. Man wolle jedoch natürlich auch verhindern, dass er nachwächst. Möglich sei, dass das gesamte Erdreich entlang des Bahnsteigs ausgehoben werden muss.