Hilfsprojekt: Gangelter Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge sucht Mitstreiter und Räder

Hilfsprojekt : Gangelter Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge sucht Mitstreiter und Räder

Es fehlt Rainer Mansel in seiner Gangelter Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge an Kinder- und vor allem Jugendfahrrädern. Händeringend sucht er auch nach Mitstreitern, die den Fortbestand dieser tollen Einrichtung sichern und dem Gründer dieses Hilfsprojektes auch mal ermöglichen, ohne Sorgen in den Urlaub zu fahren.

Mit dem Schulprojekt „Fahrradwerkstatt“ an der Mercatorschule in Gangelt nahm diese Geschichte ihren Anfang.

Ab dem Schuljahr 2014/2015 gab es zwei Schulstunden rund ums Fahrrad. Dabei wurden die schuleigenen Fahrräder, die für die Vorbereitung und Abnahme der Fahrradprüfung gebraucht wurden, „auf Vordermann“ gebracht.

Im Winter 2014 kam vom damaligen Asylkreis Selfkant die Anfrage, ob in der Werkstatt auch Fahrräder für Asylbewerber repariert werden könnten. Mit Zustimmung der Schulleitung wurde diese Idee dahingehend ausgeweitet, dass auch immer ein oder zwei Asylbewerber aus den Unterkünften in Stahe oder Hohenbusch abgeholt wurden, die dann in der Schulwerkstatt mitarbeiteten.

Nach einem Bericht in unserer Zeitung über dieses Integrationsprojekt bekam Rainer Mansel für seine ehrenamtliche Arbeit viele Fahrräder gespendet, „von uralt bis fast neu“, wie er sich erinnert. „Die Spendenzusagen kamen aus dem gesamten Kreisgebiet, wo ich die Räder dann abholte.“ Gekrönt wurde das Engagement für dieses Projekt 2015 mit dem Integrationspreis der Kreissparkasse Heinsberg.

„Schnell war klar, dass die beiden Wochenstunden in der Schulwerkstatt nicht ausreichten“, erinnert sich Rainer Mansel an die Hochzeit des Fahrradbedarfs. Eine zusätzliche Werkstatt wurde zunächst auf dem Vorplatz der Flüchtlingsunterkunft in Stahe, dann in einem Schuppen der Unterkunft in Langbroich angeboten. Seit zwei Jahren gilt die ehemalige Radiowerkstatt Nordhausen in Gangelt als Herberge.

Um wenigstens etwas Hilfe bei der Aufbereitung und den Reparaturen rund ums Fahrrad zu haben, wurde versucht, dass immer mindestens ein Asylbewerber in der Werkstatt mitarbeitet. „Das hat anfangs gut geklappt. Allerdings bekamen die Jungs, die gerne in der Werkstatt mitmachten, auch schnell Arbeitsstellen, bis hin zu einer inzwischen mit Erfolg abgeschlossenen Ausbildung als Zweiradmechaniker. Andere können tagsüber nicht mitmachen, weil sie an Sprach- oder Integrationskursen teilnehmen“, fasst Rainer Mansel zusammen, dass er meistens auf sich alleine gestellt ist.

Deshalb werden dringend weitere Mitstreiter gebraucht, um die Öffnungszeit der Werkstatt einmal pro Woche sicherzustellen und die vielen reparaturbedürftigen Räder auf Vordermann zu bringen. Der oder die Neuen müssen keine Fahrradmechaniker sein. „Wer einen Reifen flicken, die Lichtanlage überprüfen und mal eine Kette nachspannen kann, hat schon reichlich Qualifikation!“

307 Fahrräder gespendet

Bisher wurden 307 Fahrräder gespendet, davon 21 an die Fahrradwerkstatt im Selfkant weitergegeben, weil dort das Spendenaufkommen nicht so groß ist. Von den 286 Fahrrädern (ohne Kinderfahrräder) wurden inzwischen 233 an Asylbewerber ausgegeben. 14 wurden gestohlen und fünf bei Unfällen zerstört. Die übrigen Räder stehen noch im Depot und warten auf Reparatur und ihre Ausgabe.

Bevor die Fahrräder ausgegeben werden, werden sie verkehrstüchtig hergerichtet und mit einem guten Seilschloss versehen.

Während in den Anfangsjahren nahezu ausschließlich junge Männer nach Gangelt kamen, sind jetzt im Rahmen der Familienzusammenführung auch viele Frauen, Kinder und Jugendliche dabei. Deshalb werden in der Werkstatt gerade diese Fahrräder benötigt. Fahrräder für Erwachsene werden natürlich auch noch angenommen, vor allem, wenn sie noch gut erhalten sind.