Zeitunsbotin Rita Pütz geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

30 Jahre Zeitungsbotin : Morgens um halb vier beginnt die tägliche Reise

Menschen wie du und ich: Rita Pütz ist seit 30 Jahren Zeitungsbotin aus Leidenschaft. In all der Zeit hat sie viel erlebt, und an das meiste erinnert sie sich gerne zurück. Am Dienstag geht sie in den Ruhestand. Grund genug, sie den Lesern, zu denen sie jeden Morgen an die Haustüre kommt, einmal vorzustellen.

Viele Gangelter und Birgdener, die eine Tageszeitung aus unserem Verlag beziehen, haben mir ihr zu tun; kaum jemand kennt sie. Nun, nach gut 30 Jahren als Zustellerin des Aachener Zeitungsverlages, geht Rita Pütz in den wohlverdienten Ruhestand. Viel erlebt hat sie in diesen drei Dekaden: Wetterkapriolen, nackte Männer, Zecher auf dem Weg nach Hause, Streitereien, Einbrüche und absolute Dunkelheit. Einer der Höhepunkte war aber ein (Fast-)Heiratsantrag vor wenigen Wochen.

Rita Pütz ist eine ruhige und bescheidene Frau, die scheinbar Geheimnisse und Anekdoten auch mal für sich behalten kann. Hier muss sie aber schmunzeln, wenn sie davon erzählt, das „ein wohl bekannter Birgdener“, (es ist nicht Heinrich Aretz gemeint) sie ansprach und in den sehr frühen Morgenstunden fragte, ob sie denn verheiratet sei. Ihr „Ja“ ließ seine Morgenträume platzen: „Dann hat es sich erledigt!“ Da lässt sich dann der Rest der Arbeit mit einem Lächeln auf den Lippen erledigen.

Wenig zu lachen hatte Rita Pütz in der Zeit um 2012, als in der Gemeinde Gangelt nachts wegen Sparmaßnahmen die Straßenlaternen nicht leuchteten. „Das war richtig unheimlich“, erinnert sie sich an die Zeit, als ohne eine helle Kopflampe die Zustellung unmöglich war. „Das war so unheimlich, dass ich mich mit dem Gedanken getragen habe, die Arbeit aufzugeben!“ Aber dann kommt ja auch in diesen 30 Jahren immer wieder der Frühling. „Das ist schön; dann macht die Arbeit besonders viel Spaß.“

Etwas, dass ihr sommers wie winters gefällt, ist die absolute Ruhe bei der Arbeit. Die wird auch schon mal gestört, wenn ihr Nachtschwärmer und Betrunkene über den Weg laufen; da weicht sie aber meist großzügig aus. So kann sie sich all die Jahre an keine negativen Zwischenfälle für sich erinnern.

Eingegriffen wird aber dann, wenn es nötig ist. Beispielsweise bei einem heftigen Streit zwischen einem jungen Pärchen. „Da hab´ ich mir das Mädchen ins Auto geladen und nach Hause gefahren.“

Um 3.30 Uhr klingelt bei Pütz der Wecker. Die Zeitungsbunde liegen dann schon seit rund drei Stunden in der Einfahrt. Dann heißt es einladen. Zuerst wird der Bezirk in Birgden gefahren – diese Zeitungen kommen nach vorne. Die Gangelter – diese Tour ist als Zweites dran – in den Kofferraum. Gut drei Stunden dauert die Zustellung insgesamt. Früher, das heißt, in ihren Anfangsjahren, musste Rita Pütz teilweise das Zeitungsgeld bar kassieren – mit deutlich mehr Zeitaufwand.

Die Kilometer, die sie an sechs Tagen in der Woche zurücklegt, hat sie nie ermittelt. Ihr Handy könnte das, „doch jetzt an meinen letzten Tagen mache ich das auch nicht mehr.“ Am kommenden Dienstag, 18. Juni, dreht sie ihre letzte Runde. Dann wird der Urlaub abgefeiert, und am 1. Juli ist Rita Pütz Rentnerin. Gleich an diesem Tag geht es an die Mosel, ein paar Tage abschalten. Die Enkel Annabelle (12) und Nathaniel (3) haben dann mehr von Oma und es wird sich ein Kreis schließen. „Ich schwimme gerne“, erzählt sie und hat oft die sogenannten Gangelter Frühschwimmer auf dem Weg ins Freibad ein bisschen beneidet. Nun dauert es nicht mehr lange und sie kann ihrem Nachfolger bei der Arbeit zusehen, wenn sie zum Schwimmen fährt.