150 Jahre ViaNobis: „Wir lassen keinen allein sterben“

150 Jahre ViaNobis : „Wir lassen keinen allein sterben“

Die Menschen sind alt, haben einen hohen Pflegegrad und sind geistig behindert. Meist haben sie keine Angehörigen, die sich um sie kümmern. Fernsehen, lesen und andere Freizeitaktivitäten sind unmöglich. Haben sie Schmerzen, können sie ihr Leiden nicht kommunizieren. Auch diesen Menschen soll der Lebensabend so angenehm wie möglich gestaltet werden.

108 Mitarbeiter von der Aushilfe bis zum Einrichtungsleiter kümmern sich im „Katharina Kasper-Heim“ der ViaNobis GmbH Gangelt rund um die Uhr im Pflegedienst und sozialen Dienst um diese Frauen und Männer, bieten ihnen nicht nur eine ganzheitliche Betreuung und Heimat, sondern vermitteln ihnen ein Gefühl der Geborgenheit.

Das Katharina Kasper-Heim ist das „jüngste Kind“ von ViaNobis, deren Grundstein die Dernbacher Schwestern vor 150 Jahren legten. 1985 wurden in diesem Heim Ordensschwestern betreut, die pflegebedürftig und psychisch auffällig waren. Zehn Jahre später wurde die Einrichtung in ein Altenheim umgewandelt, das auch weltlichen Senioren offenstand. „Da wir keine Ordensschwestern mehr hatten, haben wir im Jahre 2000 mit der Sanierung des Altbaus begonnen und 33 gerontopsychiatrische Plätze eingerichtet. Hier sind überwiegend ältere Menschen mit Demenz oder Parkinson untergebracht“, erklärt Heimleiter Josef Aretz.

Helga Saß, Hiltrud Aretz, Irmgard Sentis und Josef  Aretz bilden das Führungsteam des Katharina Kasper-Heims in Gangelt. 93 Senioren sind hier untergebracht. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Seit 1984 ist der 59-Jährige bei ViaNobis beschäftigt und leitet seit 2005 die Seniorenhilfe-Einrichtungen in Gangelt und Mönchengladbach. Eine zweite Einrichtung mit 60 Plätzen für pflegebedürftige Menschen mit einer geistigen Behinderung wurde im Jahre 2012 eröffnet. „Wir sind Spezialisten für Menschen mit einer gerontopsychiatrischen oder geistigen Behinderung“, sagt Aretz, denn bei der täglichen Arbeit kann er nicht nur auf die Kompetenz seiner Mitarbeiter, sondern auch auf die der Eingliederungshilfe und des Fachkrankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik zurückgreifen. In den Kreisen Heinsberg, Aachen, Köln oder Düsseldorf gibt es keine Einrichtung für Senioren mit geistiger Behinderung. Die nächste ähnliche Unterkunft befindet sich in Dortmund. „Wir wollen aber auch den älteren Gangeltern im Herzen ihres Ortes ein Zuhause bieten“, fügt Helga Saß, seit 2007 im Haus beschäftigt und seit 2012 Pflegedienstleiterin, hinzu. Weil diese Senioren mehr Betreuung als üblich benötigen, haben der Landschaftsverband und die Pflegekassen zweieinhalb Stellen zusätzlich bewilligt.

Pflege ist weiblich

„Alter und Pflege sind weiblich“, erklärt Aretz und belegt dies mit einigen Zahlen: Von den 108 Mitarbeitern in seinem Haus sind 16 Männer, von 93 Bewohnern sind nur elf männlich. „Wir legen großen Wert darauf, dass auch Frauen bei uns den Aufstieg machen“, führt Aretz weiter aus und bricht bei der Gelegenheit eine Lanze für den Pflegeberuf: Er wendet sich gegen die weitverbreitete Meinung, der Pflegeberuf sei nicht attraktiv, und verweist auf lange Beschäftigungsverhältnisse: „70 Prozent unserer Mitarbeiter sind mehr als zehn oder gar 20 Jahre bei ViaNobis.“ Etwa 70 Prozent der derzeit 18 Auszubildenden würden übernommen. Auch von schlechter Bezahlung könne keinesfalls die Rede sein. „Dass Leute in der Altenpflege schlecht bezahlt werden, ist ein Ammenmärchen. Sie sind jedem handwerklichen Beruf voraus“, meint Aretz. Eine Pflegefachkraft erhalte mindestens 3780 Euro brutto plus Sonntagszuschläge. Dass man dann die Karriereleiter emporklettern könne, betont Wohnbereichsleiterin Irmgard Sentis, seit 2001 bei ViaNobis und seit 2012 in der Altenhilfe eingesetzt: Sie hat die Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert, wurde stellvertretende Gruppenleiterin, brachte erfolgreich eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleiterin hinter sich. Auch in dieser Position setzt sie auf Weiterbildung, unter anderem zur Palliativfachkraft, zur Wundexpertin oder als Ethikberaterin. Dass ständige Weiterbildung in dieser Einrichtung wichtig ist, erweißt sich dadurch, dass zwei Drittel der Senioren Pflegegrad fünf haben und sieben Menschen blind sind. „Auch die Sterbebegleitung ist in unserem Haus wichtig“, sagt Irmgard Sentis. „Was anderenorts die Familie leistet, leisten hier wir. Die Familien unserer Senioren gibt es meist nicht, und wir lassen keinen Menschen allein sterben“, sagt auch Aretz.

Großen Wert legen die Verantwortlichen des „Katharina Kasper-Heims“ auf Pflegeberatung. Um eine Schneise in den Dschungel der Bürokratie zu schlagen, bildet sich Hiltrud Aretz, gelernte Krankenschwester und seit 2005 in der Gangelter Einrichtung, derzeit als Pflegeberaterin weiter. „Wir können auf ein vielfältiges Angebot zurückgreifen. Geht es um Kurzzeit- oder Tagespflege, finden wir auch immer Hilfe bei unserem Pflegedienst oder bei der Eingliederungshilfe“, sagt sie.

Zwei Tagespflegehäuser und ein Altenpflegeheim mit 86 Plätzen unterhält ViaNobis in Mönchengladbach. Und im September werden in Wegberg zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften mit zehn und sechs Plätzen eröffnet. „Damit schaffen wir ein Angebot zwischen Wohnen zu Hause und stationärer Unterkunft“, sagt Josef Aretz. Gedacht ist diese Lebensform für Menschen, die zu Hause nicht mehr betreut werden können, bei denen eine stationäre Aufnahme aber noch nicht erforderlich ist. „Viele alte Menschen sind einsam und suchen deshalb diese Lebensform“, meint Hiltrud Aretz, übrigens mit ihrem Chef nicht verwandt oder verschwägert. In einem sind sich aber alle an der Altenhilfe Beteiligten einig: Der Bedarf an stationären Plätzen wird in den nächsten zehn Jahren steigen.

Mehr von Aachener Nachrichten