Wildpark Gangelt feiert seinen 50. Geburtstag

Europäische Wildtiere : Wildpark Gangelt feiert seinen 50. Geburtstag

Am 24. Mai vor 50 Jahren wurde in Gangelt der Wildpark eröffnet. Damals hieß er noch Hochwild-Freigehege – die Idee dahinter war damals wie heute die gleiche. Den Gästen europäische Wildtiere in möglichst natürlicher Umgebung zu präsentieren.

„Uns kommt es heute nicht mehr darauf an, neue Arten zu zeigen“, so Dr. Hermann von den Driesch jun., „wir wollen eine artgerechte Haltung und so den Besuchern ein positives Erlebnis bieten.“ Er verweist auf eine Studie, wonach es den Besuchern gut geht, wenn sie Tiere sehen, denen es ebenfalls gut geht.

Vor 50 Jahren war es Dr. Hermann von den Driesch sen., der, inspiriert von ähnlichen Parkgründungen in Deutschland, die Idee geboren und umgesetzt hat. Das Gelände wurde damals wie heute von der Gemeinde gepachtet und zusammen mit dem ersten Mitarbeiter Josef Tholen präsentierte „Manes“, wie der Landarzt im Volksmund hieß, rund 40 verschiedene Tierarten, etwa 500 Tiere an der Zahl.

Heute kann man beide Zahlen verdoppeln. Rund 100.000 Besucher finden jedes Jahr der Weg zum grenznahen Wildpark und können hier schöne Stunden zwischen Tieren und Natur verbringen. „Wir haben hier zwar keinen Berg und keine Burg“, weiß Dr. Hermann von den Driesch jun., kann aber auf das hügelige Gelände mit schönen Wegen und einem herrlichen Baumbestand verweisen.

Im Wildpark Gangelt lässt es sich gemütlich leben. Foto: Karl-Heinz Hamacer/Karl-Heinz Hamacher

Der Park in Gangelt beteiligt sich über den Deutschen Wildgehege-Verband umfangreich an Artenschutzprogrammen. In Gangelt geborene Nerze haben eine neue Heimat in Spanien gefunden, Uhus wurde ausgewildert und gerade hat man eine neue Gruppe Wisente zusammengestellt. Von hier aus sind schon Tiere nach Rumänien gegangen.

Eine der großen Attraktionen ist der Streichelzoo. Man glaubt gar nicht, wie lange sich Kinder mit den Ziegen, Schafen und Eseln beschäftigen können. Genau gegenüber findet man eine der Tierarten, die irgendwann hinzugekommen ist. Das Leben der Murmeltiere anzusehen, ist eine große Freude. In dem Gehege ist immer etwas los. Bei den Murmeltieren beginnt das, was in den letzten zehn Jahren Einzug gehalten hat. Die Zäune an einigen Gehegen sind niedrig, selbst Kinder erleben die Tiere ohne Maschendraht vor den Augen.

Dr. Hermann von den Driesch sen. (2.v.l.) präsentierte die erste Broschüre des Parks. Foto: Karl-Heinz Hamacher

„Nach wie vor steht natürlich die Sicherheit an erster Stelle“, betont von den Driesch. Bei den Pumas gibt es ebenso wie bei den Bären und beim Steinwild Aussichtsplattformen, die einen freien Blick ermöglichen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Gehege in diesen Bereichen entsprechend tiefer liegen. Genau das gleiche gilt für das Wolfgehege. Das Gebiet, von dem man aus zaunlos den Tieren zuschauen kann, befindet sich an einer Senke.

Rückblickend auf die 50 Jahre und die damalige Frage, ob sich so ein Park lohnt und vor allem rechnet, kann man bei Beidem nur den Daumen heben. Schaut man sich die Nummernschilder der Autos an, die auf dem weitläufigen Parkbereich stehen, staunt man, wo die Gäste herkommen. Weit über NRW hinaus, und auch die niederländischen und belgischen Gäste kommen nicht nur aus dem Grenzgebiet.

Dr. Hermann von den Driesch junior hat den Wildpark, den sein Vater vor 50 Jahren gründete, immer weiter entwickelt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Sieht man von den vielen Jungtieren der letzten Wochen ab, ist Schreiadler Cleo der neuste Bewohner in der Falknerei. Er wird derzeit noch von Falkner Erwin Janssen auf seine Teilnahme an den Flugvorführungen vorbereitet. Erwin Janssen hat zwar nicht direkt ein eigenes Gehege, gehört aber mit fast 40-jähriger Tätigkeit im Wildpark zum Inventar. Janssen ist auch der Mann, der bei den Freiflügen der Raubvögel nur darauf wartet, dass ein breites „Igitt!“ durch die Reihen geht, wenn er tote Küken füttert.

Dann muss der Vogel kurz auf seiner Hand bleiben und er erzählt den Kindern immer die Geschichte von der Verbindung der Greifvogelfutter-Küken und den halben Hähnchen, die sie verspeisen.

Welche Rolle der Mann, der meist in Tarnkleidung anzutreffen ist, im Wildpark Gangelt spielt, zeigt ein Satz vom Chef: „Wenn Erwin da ist, kann ich beruhigt wegfahren!“ Mit Florian Wilde gibt es einen Tierpfleger und Forstwirt im Park, zusätzlich ist Arno Schmitz einer der Festangestellten.

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