„Du wirst sterben“: Prozess wegen versuchten Totschlags an Rosenmontag gestartet

„Du wirst sterben“ : Prozess wegen versuchten Totschlags an Rosenmontag gestartet

Vor Angst zitternd und mit einem Zeugenbeistand versehen saß das mutmaßliche Opfer Nadine T. (26) am Mittwochmittag vor der Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts.

Der Vorsitzende Richter Roland Klösgen versuchte mit viel Geduld, die aufgeregte Zeugin zu befragen, erst nach einer halben Stunde und nach einer Zusatzpause gelang es ihm, Nadine T. zu einer zusammenhängenden Schilderung der Geschehnisse am Abend des diesjährigen Rosenmontags, am 4. März, zwischen 18.30 und 20 Uhr zu bewegen.

Denn noch immer prägt die Zeugin nackte Angst vor dem Angeklagten Ingo S. (22), der sich dort vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags an seiner ehemaligen Freundin und ihrem neuen Freund verantworten muss. Ingo S. hatte die Zurückweisung anscheinend nicht ertragen können und seit Monaten die Ex-Freundin mit fiesen und bedrohlichen Chats gestalkt.

Er hatte ihr außerdem immer wieder aufgelauert und sie massiv beleidigt, war unbefugt in ihr Haus eingedrungen, wie es in der Anklageschrift hieß.

Zwei Tage vor Rosenmontag, am Karnevalssamstag, wurden die Drohungen so massiv und hinterhältig, dass die 26-jährige Mutter eines fünfjährigen Sohnes in dieser Nacht sogar mit ihrem Bruder zur Polizeistation in Geilenkirchen fuhr und Anzeige gegen Ingo S. erstattete, er hatte gedroht, sie „zu töten und auszuweiden“, er werde in Ruhe „ihr Blut von der Messerklinge abwischen“, er endete mit der Drohung „du hast dich mit dem Teufel angelegt“.

Und der Teufel in Gestalt von Ingo S. kam in der Tat in der Karnevalsnacht, klingelte Sturm an der Haustüre seiner Ex, wie Nadine T. dem Gericht schilderte. Sie habe mit ihrem Freund oben im ersten Stock im Wohnzimmer gesessen, das Kind habe geschlafen, der Hund lag friedlich in der Ecke. Dann ging der Teufelstanz los. Sie habe gesehen, wie Ingo S. unter Ausstoßen wüster Drohungen wie „ich kriege dich, du Schlampe“ mit einem langen Messer systematisch begann, das längliche Seitenfenster der Haustüre zu zerstören, Scherben klirrten auf den Boden, sie rief die Polizei.

Danach habe er versucht, mit einem Griff durch das kaputte Fenster von innen die Haustüre zu öffnen. Das verhinderte der Freund, der dem Wütenden gegen die Hand trat. Das brachte den Angreifer dermaßen in Rage, dass er sich einen schweren Holzklotz aus dem Garten schnappte, es war ein hölzernes Zierstück in Form eines Osterhasen, und damit die Haustüre einrammte.

Mit dem Messer hatte Ingo M. bereits den Freund an der Hand verletzt, trotzdem stemmten sich die beiden von Innen noch gegen die Türe, konnten die Lage aber nicht halten und liefen ins Innere des Hauses. Der Angreifer habe ihnen einen Blumenkübel hinterhergeschmissen, vorher habe bereits das Messer mit einer etwa 17 Zentimeter langen Klinge nach ihnen geworfen. Dann kam irgendwann die Polizei und beendete den Teufelstanz.

Der 22-Jährige hatte in einer Erklärung über seinen Verteidiger vor Gericht den groben Ablauf der Geschehnisse gestanden. Er sei völlig betrunken gewesen, bei ihm wurde eine Blutalkoholkonzentration von 1,2 Promille festgestellt.

Er habe nur sein Geld holen wollen, was ihm Nadine T. geschuldet habe, sagte er, es sei eben ein „On/Off-Beziehung“ gewesen. Von voran gegangenem monatelangem Stalking wollte der brav und gesittet auf der Anklagebank sitzende Ingo S. nichts wissen. Der Prozess wird am 2. Juli in Raum A.1009 des Aachener Landgerichts fortgesetzt.

Mehr von Aachener Nachrichten