In Gangelt werden viele Hochzeiten am Schnapszahl-Datum gefeiert

Hochzeitstrend : Viele trauen sich am Schnapszahl-Datum

„Schatz wann war nochmal unser Hochzeitstag?“ – Es ist das Klischee schlechthin: Vor allem Männer haben Probleme, sich den Hochzeitstag gut zu merken. Eine kleine Gedächtnisstütze bietet ein Datum mit Schnapszahlen. Im kommenden Jahr fallen der 4.4., 6.6., 8.8., 10.10. und 12.12.2020 jeweils auf einen Samstag. Sind die Standesbeamten in der Region an den Schnapszahldaten im Sondereinsatz? Unsere Zeitung hat einmal nachgefragt.

„In Übach-Palenberg werden diese besonderen Daten in der Regel gut angenommen“, erzählt Pressesprecher Thomas de Jong. „Dieses Jahr stehen bei uns der 9.9.19 sowie der 19.9.19 außer der Reihe zur Verfügung.“ Da es sich hierbei allerdings um Termine unter der Woche handelt, sei die Nachfrage bisher noch nicht sehr groß: „Lediglich zwei Paare haben sich für ihre Eheschließung an einem der Daten entschieden.“

Für die prägnanten Daten für 2020 liegen in Übach-Palenberg bisher keine Planungen vor, dies werde meist erst im Herbst des Vorjahres entschieden. „Sofern solche Daten auf einen Samstag fallen, ist mit einer erhöhten Nachfrage zu rechnen“, betont de Jong und rät: „Heiratswillige sollten frühzeitig mit dem Standesamt Kontakt aufnehmen, um sich ihr Wunschdatum reservieren zu lassen.“ Die meisten Ja-Worte geben sich die Paare in Übach-Palenberg von Mai bis September.

Alle Eheschließungen finden im Schloss Zweibrüggen statt, die Lokation erfreut sich auch bei vielen auswärtigen Brautpaaren großer Beliebtheit. „So haben hier in 2018 insgesamt 198 Paare den Bund fürs Leben geschlossen“, weiß der Pressesprecher. Beim Hochzeitsdatum seien der Jahrestage oder Geburtstage der Paare ebenfalls hoch im Trend.

Im Gangelter Standesamt lässt sich kein ständiger Trend zum Schnapszahlen-Datum erkennen. „Steht das Datum aber im Bezug zur Jahreszahl, wie zuletzt der 18.8.2018 oder demnächst der 19.9.2019, finden durchschnittlich bis zu zehn Prozent der jährlichen Trauungen statt“, weiß der Standesbeamte Martin Otto mit einem Blick in die Statistik. Für das kommende Jahr nimmt er Terminwünsche ab der zweiten Jahreshälfte entgegen.

Früher haben die drei Standesbeamten in Geilenkirchen Nadja Phillippen, René Langa und Sabine Weber die Eheschließungen noch händisch in ein Buch eingetragen, heute läuft alles elektronisch.´. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Zumindest laut australischen Forschern sind Hochzeiten an einem Datum mit Schnapszahl allerdings eine Schnapsidee. Die Forscher fanden heraus, dass Paare, die sich an Daten mit speziellen Zahlenkombinationen die lebenslange Liebe geschwört haben, häufiger scheiden als andere Ehepaare. Dieser Beobachtung kann das Gangelter Standesamt allerdings nicht bestätigen: „Bei der Registrierung von Ehescheidungen heben sich Ehen, die an einem Schnapszahlen-Datum geschlossen wurden, nicht spürbar von den anderen ab.“

In Gangelt fanden in den vergangenen Jahren rund 50 Eheschließungen jährlich statt. Beliebt seien Termine ab dem Frühling und in den Sommermonaten. „Die Paare wählen das Datum gerne nach dem Datum des Kennenlernens, dem Jahrestag, der Jahreszeit oder, wenn es schnell gehen soll, auch einfach nach dem Terminkalender des Standesbeamten“, berichtet  Martin Otto aus seinem Erfahrungsschatz.

Neben dem modernisierten Trauzimmer des Rathauses in Gangelt sind der Hochtzeitswaggon der Selfkantbahn in Schierwaldenrath, die Museumswindmühle Breberen sowie das Trauzimmer des Café „Altes Rathaus“ beliebte Orte in der Gemeinde für die Eheschließung.

Das Standesamt in Geilenkirchen hat bisher noch keine Reservierungen von den Samstagen mit prägnanten Zahlenkombinationen in 2020. In der Vergangenheit hat es aber schon regelrechte Trau-Marathons an Schnapszahldaten gegeben. „Am Samstag den  7.7.2017 hatten wir zwölft Eheschließungen“, erinnert sich René Langa. Er ist seit zwölf Jahren als Standesbeamter in Geilenkirchen tätig. Der 8.818 und auch der 9.9.19 würden auch vermehrt nachgefragt, allerdings nicht in diesem Ausmaß. „Generell ist bei uns an den Samstagen ein Standesbeamter im Einsatz“, erklärt Langa. „Mehr als vier Trauungen sind dann nicht drin, danach lässt die Konzentration nach.“

Bekommt das Standesamt allerdings für einen Samstag vermehrt Anfragen, probiere das Team, den Wünschen nachzukommen und mehrere Standesbeamte einzusetzen. „Bis April ist das Jahr eher ruhig“, weiß René Langa. Ab Mai ginge es los, und gerade die Sommermonate seien sehr gefragt. „Der stärkste Monat ist allerdings der Dezember“, so der Standesbeamte. Dort würden im Schnitt 15 bis 20 Eheschließungen stattfinden, in den Sommermonaten seien es zehn bis zwölf. „Das ist nicht nur in Geilenkirchen ein Trend“, weiß Langa. Den Grund sieht er in steuerlichen Vorteilen: „Auch die weihnachtliche Stimmung spielt da sicher mit rein.“

Eine Mindest-Wartezeit zwischen Anmeldung und Trauung gibt es nicht mehr. „Direkt nach der Anmeldung können sich die Paare das Ja-Wort geben und in Einzelfällen ist das auch gewünscht“, verrät der 40-Jährige. Im Schnitt lassen sich in Geilenkirchen jährlich 120 Ehepaare im Haus Basten trauen. „Da Dreiviertel der Paare noch Feiern wollen, bietet sich für viele der Freitag oder Samstag an“, so Langa. „Ein Datum mitten in der Woche wird meist nur gewählt, wenn es das Kennenlern-Datum sein soll.“ Der Freitag sei erfahrungsgemäß bei jungen Paaren besonders beliebt: „Einen Tag später steht dann meist die kirchliche Trauung an.“

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