Gangelt: Gemeinde feiert 50. Geburtstag mit einem kleinen Fest

50 Jahre Gangelt : Zum Geburtstag gibt’s Würstchen vom Grill

Die Gemeinde Gangelt feiert bodenständig. Statt langatmiger Reden gibt es unterhaltsame Gesprächsrunden, und statt Austern und Kaviar gibt es Würstchen vom Grill. Trotzdem ist die Feier mit 100 Gästen ein gelunges Goldjubiläum.

Im Rahmen einer kurzweiligen Veranstaltung blickte Bürgermeister Bernhard Tholen im Forum des Gangelter Rathauses mit rund 100 geladenen Gästen auf die 50 Jahre zurück, die die Gemeinde Gangelt in der heutigen Form besteht. Dabei sind nicht nur die gemäßigten Temperaturen an diesem lauen Sommerabend zu loben, sondern auch die Form der Festrunde, organisiert vom Beigeordneten Gerd Dahlmanns.

Keine endlosen Reden, bei denen spätestens der dritte Redner die Argumente des ersten wiederholt, keine langatmigen Ehrungen und keine Diaschau mit verwaschenen Bildern. Musik kam von der Jugendmusikschule aus Heinsberg, die beiden Sängerinnen Emily Ugiagbe und Eileen Sugge kamen aus der Gemeinde Gangelt.

„Er ist der Beste, den ich kostenlos kriegen konnte“, begrüßte Bürgermeister Bernhard Tholen den Moderator des Abends, Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Bei der illusteren Gästeschar gab es einige Begegnungen zwischen Leuten, die sich scheinbar lange nicht gesehen hatten. „Na Hans – da sind wir zwei wieder!“ – so begrüßte Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz (87) seinen langjährigen Mitstreiter Hans Beckers (91), ehemaliger Gemeindedirektor.

In der Bürgerrunde begeisterte Paula Willems nicht nur Moderator Ulrich Schirowski. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Heinrich Aretz und Hans Beckers bildeten dann auch die erste Gesprächsrunde zusammen mit Bernhard Tholen und Peter Brüser, der ein vierjähriges Gastspiel (1988 bis 92) als Verwaltungschef gegeben hatte und dann in seine Heimatgemeinde Wenden zurückkehrte. Alle vier haben in der Gemeindegeschichte ihre Spuren hinterlassen, Hans Beckers als der Mann, der zusammen mit Aretz (vier Jahre Bürgermeister im Amt Waldenrath, dann von 1969 bis 1997 in Gangelt) die am Reißbrett entworfene Neu-Gemeinde mit Leben gefüllt hat. Das Duo Beckers/Aretz wusste „haarige“ und amüsante Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen. Peter Brüser („Wir haben uns in Gangelt sehr wohl gefühlt!“) folgte ihm nach und legte in den vier Jahren den Grundstein für die Neuausrichtung der Gemeinde.

Seit 22 Jahren ist Bernhard Tholen nun Bürgermeister und kann auf eine ausführliche Erfolgsgeschichte verweisen. Neben einer grundlegenden Verbesserung der Infrastruktur – die Gangelter müssen sich heute nicht mehr ins Auto setzen, um einzukaufen – dem Glasfaseranschluss, der Vereinsförderung, der Zahl der Kindergartenplätze, die Möglichkeiten der Beschulung, Verkehrslenkungsmaßnahmen und der Schuldenfreiheit, sind es die Arbeitsplätze (1500 vor 30 Jahren, 3800 heute), die als Indikator für eine hervorragende Arbeit dienen.

Und was sagen die rund 13.000 Bürger (es waren 1969 gut 8000) der Gemeinde im Westen? In der zweite Gesprächsrunde trafen sich Paula Willems (8), die die Vereine (rund 90 in der Gemeinde) und das Freizeitangebot lobte und ihre Liebe zum Minigolf offenbarte, Daniel Strohwasser (18), Azubi bei Elektro Tholen, der einer der Arbeitsplatz-Profiteure war, und Maike Frantzen, die mit ihrer Familie in Gangelt zugezogen ist. Sie freute sich als Fotografin über die tolle Verkehrsanbindung und den Glasfaseranschluss.

Guido Küppers pendelt täglich aus Wassenberg und ist einer der Geschäftsführer von Stahlbau Trepels. Er lobte den Standortvorteil und vor allem die Verwurzelung des Unternehmens in der Region. Durch ständiges Ausbilden neuer Leute (aktuell 26 Azubis) versuche man dem Fachkräftemangel vorzubeugen und freue sich, dass teils drei Generationen in dem Gangelter Unternehmen arbeiten. Er sprach von „italienischen Verhältnissen“, wenn Meisterstellen in der Firma an Söhne vererbt werden.

Thomas Hoff ist einer der „Bijetrochde“, also ein Hinzugezogener. Als Diakon und Ordensvertreter der Via Nobis lobte er die Verbindlichkeit der Leute in diesem Landstrich und das Miteinander. „Hier gilt noch das gesprochene Wort!“

Und dann gab es doch einen Festredner: „Hastenraths Will“, selbsternannter „scharismatischer Ortsvorsteher“ aus Saeffelen, warf mit der von ihm bekannten Art – hart aber herzlich – einen Blick in das Bürgermeister-Büro und auf den 50-jährigen Gemeindeverbund. Weiter oben ist es schon erwähnt: die Gemeinde ist schuldenfrei. Damit das so bleibt, gab es bei der anschließenden Feier nur Würstchen vom Grill – nix Extravagantes.

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