50 Jahre Gemeinde Gangelt: Die Einheit in der Vielfalt gefunden

50 Jahre Gemeinde Gangelt : Die Einheit in der Vielfalt gefunden

Vor 50 Jahren verschmolzen die damals selbstständigen Gemeinden Gangelt, Birgden, Breberen-Schümm und Schierwaldenrath zur Gemeinde Gangelt. Seit der kommunalen Neugliederung ist die Bevölkerung stark zusammengewachsen – und trotzdem zeichnen sich die Orte durch ihre Individualität aus.

Der Ort Gangelt wurde schon 828 n. Chr. das erste Mal urkundlich erwähnt. In der heutigen Form besteht die Gemeinde aber erst seit dem 1. Juli 1969. Freiwillig schlossen sich die Gemeinden Gangelt, Breberen-Schümm, Schierwaldenrath und Birgden auf Grundlage des Gesetzes zur Neugliederung von Gemeinden des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg damals zusammen. Während Gangelt, Schierwaldenrath und Breberen-Schümm bisher vom Amt Gangelt verwaltet worden waren, schied die Gemeinde Birgden aus dem Amtsverband Waldenrath aus.

Auch Diskussionen

„Aber so ein Zusammenschluss von vier Gemeinden ist nicht immer mit Sonnenschein verbunden“, sagt Bernhard Tholen, Bürgermeister der Gemeinde Gangelt. Hinter den Kulissen habe es schon etwa zwei Jahre lang Gespräche, aber auch Diskussionen gegeben.

„Das bedeutet für alle Beteiligten ja auch einen neuen Rat, einen neuen Bürgermeister, neue Satzungen.“ Die Gemeinden hätten nicht mehr die alleinige Entscheidungskraft für sich selbst. „Man muss einfach Kompromisse eingehen“, sagt Tholen.

Am 9. November 1969 wurde der erste Gemeinderat gewählt. Erster ehrenamtlicher Bürgermeister wurde Heinrich Aretz. Zu dieser Zeit war Tholen gerade mal elf Jahre alt. „Da kamen die ersten Farbfernseher in die Haushalte“, erinnert er sich. „Das war für uns Kinder was ganz Neues.“ Er wuchs zu dieser Zeit in Norddeutschland – auch an der niederländischen Grenze – auf, und seine Heimat war genauso wie Gangelt sehr ländlich geprägt.

Ein bisschen Rivalität

Natürlich habe zwischen den einzelnen Dörfern eine gewisse Rivalität geherrscht, aber mittlerweile seien die Altgemeinden und vor allem die Menschen, die hier leben, zusammengewachsen, erzählt der jetzige Bürgermeister.

Im Jahr 1997 wurde Tholen damals als erster hauptamtlicher Bürgermeister in sein Amt eingeführt. Noch im gleichen Jahr ernannte der Gemeinderat Heinrich Aretz zum Ehrenbürgermeister. Am 15. Dezember 2009 wurde Aretz Ehrenbürger der Gemeinde Gangelt.

„Trotz der Kompromisse hat kein Ort seine Identität verloren“, sagt Tholen. „Im Gegenteil, die Gemeinde hat eine positive und dynamische Entwicklung gemacht.“ Während sie kurz nach der Neugliederung noch etwa 9000 Einwohner zählte, leben hier mittlerweile um die 13.000 Menschen.

Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen freut sich auf den Festakt am 1. Juli. Foto: Anke Capellmann

Auch die Kindergartenplätze sind von damals etwa 100 auf heute fast 500 gestiegen. „Nicht zuletzt sei auch das Angebot an Arbeitsplätzen heute deutlich größer als damals. Gangelt hat eine gut ausgebaute Infrastruktur und seit der Fertigstellung der neuen B56 eine sehr gute Verkehrsanbindung“, sagt Tholen. Erlebte die Gemeinde im Jahr 1989 mit über sechs Millionen Euro Schulden ihren finanziellen Tiefpunkt, ist sie seit 2013 komplett schuldenfrei. „Wir blicken also alle sorgenfrei in die Zukunft.“

„Die Einwohner fühlen sich hier auf dem Land geborgen und sicher. Es ist schön und überschaubar“, beantwortet der Bürgermeister die Frage, warum Menschen nach Gangelt kommen und hier leben wollen. Nicht zuletzt habe die Gemeinde erschwingliche Baulandpreise. Das ziehe auch junge Familien an.

Tholen erzählt auch von den vielen Freizeitaktivitäten – etwa dem Freibad, dem Wildpark, Minigolf-Anlagen und tollen Radwegen, über die man auch schnell nach Belgien oder Holland kommt. „Es gibt viele Bürger, die sich engagieren und zahlreiche Vereine – da ist für jeden was dabei“, sagt er.

Nicht zuletzt werde diese Vielfalt auch von den Partnerschaften mit anderen Gemeinden geprägt. Seit 1975 ist Gangelt mit der niederländischen Gemeinde Schinveld bzw. der heutigen Gemeinde Beekdaelen (ehemals Onderbanken) verschwistert. Seit 1991 gliedert sich das sächsische Sohland an der Spree in die Partnergemeinden ein. Mit der belgischen Gemeinde Kruibeke pflegt man seit 1998 die Freundschaft.

Kleines Fest feiern

Weil Gangelt eine sehr bodenständige Gemeinde ist, wie Tholen es formuliert, findet am Montag, 1. Juli, auch nur ein kleiner Festakt für etwa 120 geladene Gäste statt, um die kommunale Neugliederung, die vor 50 Jahren stattfand, zu feiern. Es wird eine gesellige Veranstaltung, bei der Gespräche mit Zeitzeugen und Bürgerinnen und Bürgern im Vordergrund stehen.

Zum kleinen Kreis der Gäste gehören unter anderem die Bürgermeister der Nachbar- und Partnergemeinden, Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Schule sowie aktive und ausgeschiedene Ratsmitglieder. „Menschen, die ‚50 Jahre Gangelt‘ eben geprägt haben“, sagt Tholen.

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