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Gangelt: Ortskern bekommt nach über 40 Jahren wieder eine Tankstelle

Nach über 40 Jahren : Gangelts Ortskern bekommt wieder eine Tankstelle

Der Gangelter Ortskern bekommt nach mehr als 40 Jahren wieder eine Tankstelle. Um 2003 war das schon einmal angekündigt. Klappt es diesmal wirklich?

Der Zentralort der Gemeinde Gangelt bekommt wieder eine eigene große Tankstelle. Es ist weit mehr als 40 Jahre her, dass man auf dem Hof des KFZ-Unternehmers Krükel tanken konnte.

Das war aber auch die Zeit mit der größten Tankstellendichte in Deutschland. Immer mehr Menschen realisierten sich den Traum vom eigenen Auto. Exakt 46.684 Tankstellen, so weist es das statistische Bundesamt aus, standen im Land zur Verfügung. Innerhalb von zehn Jahren reduzierte sich die Zahl auf 29.631 und 30 Jahre später umfasste das Netz nur mehr rund 15.000 Tankstellen. Heute stehen den Autofahrern 14.562 Tankstellen zur Verfügung. Der Trend geht weiter kontinuierlich nach unten.

Was man beim Bau einer Tankstelle für gesetzliche Erfordernisse zu erfüllen hat, davon kann Rene Stegmann ein Lied singen. Dabei fragt sich der Laie beziehungsweise der preisbewusste Autofahrer natürlich, ob es kein Risiko ist, heute eine weitere Marken-Tankstelle zu eröffnen. „Ich habe ein Wertschöpfungsgutachten in Auftrag gegeben und dessen Lektüre hat mich positiv gestimmt“, sieht der KfZ-Sachverständige Stegemann frohen Mutes dem Baubeginn entgegen. Der soll noch in diesem Jahr sein.

Das war vor 15 Jahren schon einmal angekündigt gewesen. Am 1. September 2003 hatte Rene Stegemann den Bürgermeister, die Kommunalpolitik, die Presse und den größten Bauunternehmer in der Gemeinde zum ersten Spatenstich eingeladen. Private, planungsrechtliche und strategische Gründe hatten den Startschuss folgenlos verhallen lassen. Dafür soll das Projekt jetzt durchstarten, und wer Rene Stegemann kennt, weiß, dass er immer auf der Suche nach neuen Innovationen ist.

Dass es eine Automatentankstelle ohne Personal wird, ist in unseren Breitengraden etwas Seltenes. Das sieht allerdings bei einem Blick über die nahe Grenze schon anders aus. Es wird einen Waschpark geben, wo der Kunde selbst Hand beziehungsweise den Schwamm an sein Auto anlegt.

Die Waschstraße wird ein Pilotprojekt mit der FH-Aachen. Umwelt- und Energieschonen stehen hier oben auf der Agenda. „Weniger Chemie, weniger Wasser und ein hohe Reinigungskraft, das haben wir uns auf die Fahne geschrieben“, blickt Rene Stegemann besonders neugierig auf dieses Vorhaben. Vervollständigt wird der Bereich mit einem 240 Quadratmeter großen Gebäude mit Bistro und anderen gewerblichen Nutzungen.

Dass es eine Marken-Tankstelle wird, steht fest – nur noch nicht welche. Zwei Interessenten gibt es wohl. „Aber es ist noch nicht entschieden.“ Entschieden ist, dass die von Stegemann kundenfreundlich geplante Ein- und Ausfahrt nicht über die Martin-May-Straße (Verbindung Richtung Mindergangelt) erfolgen wird – zumindest vorläufig. Jetzt muss man vom Kreisverkehr abbiegen Richtung Bauhof, wo es nur eine gemeinsame Zu- und Rückfahrt auf die Straße gibt.

Solche Dinge sind es, die dazu geführt haben, dass der Baubeginn immer wieder verschoben werden musste. Der Schriftverkehr füllt mittlerweile fünf große Ordner. „Dabei haben die Gemeinde und der Kreis mich immer gut unterstützt“, so Stegemann. „Aber darüber hinaus wurde es oft schwierig und kompliziert!“

Auch die geplante Schnell-Ladestation für E-Autos bereitet Kopfzerbrechen. „Die EU kümmert sich um den Krümmungsgrad von Bananen, schafft es aber nicht, die zehn verschiedenen Stecker für das Laden der Autos in Europa zu vereinheitlichen!“ So wird also der Zirkus, der gerade auf dem Gelände an der B56 steht, wie all die anderen Zirkusse, die vor ihm dagewesen sind, zum letzten Mal an dieser Stelle gastiert haben.