Gangelt: Betreiberwechsel am Wohnmobilstellplatz am Infocenter

Infocenter Gangelt : Gemeinde übernimmt den Betrieb zum 1. Juli – Camper sind skeptisch

Grundsätzlich negativ seien sie nicht eingestellt, sagen die Stammgäste des Wohnmobilsstellplatzes am Kahnweiher in Gangelt und meinen damit den Betreiberwechsel zum 1. Juli. Trotzdem kritisieren sie die Kommunikation – und die Erhöhung der Preise.

Zum Monatswechsel wechselt der Betreiber des Stellplatzes für Reisemobile am Infocenter Gangelt. Monique Roos und ihr Mann Silvester aus dem benachbarten Landgraaf gehörten bislang zu den Stammgästen, die regelmäßig in Gangelt waren. Auch Ulrich Baars aus Mönchengladbach steuerte mit seinem Wohnmobil immer wieder gerne den schön gelegenen Stellplatz zwischen Kahnweiher und Naturpark Rodebach an.

Nun sind Camper, da sie ihr Häuschen wie die Schnecke auf dem Buckel tragen und wie das Wort Wohnmobil schon andeutet, nicht an einen Platz gebunden. Gefällt es ihnen morgen nicht mehr dort, wo sie gerade sind, packen sie ihre Klappstühle ein und fahren weiter. Monique Roos unterstreicht, dass ihr der Kontakt mit der Crew von Prospex, die zum Ende des vergangenen Monats den Platz geräumt hat, immer sehr gut gefallen hat. Sie sagt auch im Namen der Familie Engels aus Solingen, die schon abgereist sind, den Prospex-Mitarbeitern ein herzliches Danke für die schönen Jahre. Man habe gelernt, so Monique Roos, mit den behinderten Mitarbeitern von Prospex ganz normal umzugehen. Das habe sie als sehr schön empfunden.

Man habe auch mal gemeinsam Ausflüge unternommen. Ihr Mann Silvester bedauert, dass es keine Fortsetzung dieser Kontakte geben wird. Hätte es nicht doch eine Möglichkeit gegeben, überlegt er, die behinderten Mitarbeiter von Prospex mit den Flüchtlingen, die jetzt an ihre Stellen treten sollen, zu einem Team zu kombinieren?

Auch Ulrich Baars hatte miterlebt, dass sich das Prospex-Team auf dem Platz sehr wohl fühlte. Er fragt sich: „Warum musste man das auseinanderreißen?“ Das Ehepaar Roos hatte schon den Übergang miterlebt, als 2011 die Gemeinde Gangelt der Prospex gGmbh, Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung, das Infocenter samt Stellplatz überlassen hatte. Am 1. Juli übernimmt, wie berichtet, nun wieder die Gemeinde Gangelt das Infocenter mit Stellplatz, Minigolf, Kahnfahren, Fahrradverleih und Café. Auf dem Platz sei viel darüber spekuliert worden, berichten die drei Camper, warum der Betreiberwechsel vollzogen wird. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen hatte auf die eingeschränkten Öffnungszeiten des Infocenters und des integrierten Cafés verwiesen, die er gerne in die Abendstunden hinein erweitert sehen würde.

Ulrich Baars steuert den Stellplatz am Infocenter seit zwei Jahren an. Er bleibt manchmal auf der Reise in den Süden eine Zeit lang in Gangelt und hat auch schon Weihnachten auf dem Platz gefeiert. Er weiß nicht genau, wie es auf dem Platz weiter geht und befürchtet, dass die finanzielle Seite seines Verweilens sich so verändern wird, dass er es sich zumindest zwei Mal überlegen wird, ob er nicht einen anderen Platz ansteuert. Die Tagespreise auf dem Wohnmobilstellplatz betragen derzeit ganzjährig 10 Euro und werden zukünftig gestaffelt: Nebensaison 10 Euro, Zwischensaison 15 Euro und Hauptsaison 20 Euro pro Tag. Während die Nutzung der übrigen Freizeitmöglichkeiten am Infocenter moderat angeglichen wurden, hat Baars nicht lange rechnen müssen, um herauszufinden, dass sich in der Hauptsaison die Stellplatzmiete verdoppelt. Er kenne nur einen Stellplatz, so Baars, der teurer sei als 20 Euro, der liege an der Messe in Düsseldorf. Ulrich Baars fährt auch gerne ins Saarland. Da habe man auch mal die Preise nach oben angepasst. „Da wollten die Leute nicht mehr, weil es ihnen zu teuer war. Da muss man heute nicht mehr reservieren.“

Das Internet macht es den Campern leicht. Alleine 2444 Reisemobilstellplätze weist eine Internetseite deutschlandweit mit Preisen aus: Heinsberg Lago Laprello 10 Euro, Waldfeucht-Brüggelchen 5 Euro, Jülich Brückenkopfpark 9,50 Euro. Wassenberg verlangt eine Stellplatzgebühr von 5 Euro, gibt eine Freikarte für das Schwimmbad hinzu und bietet eine Wochenkarte für 20 Euro bei vollautomatischer Ver- und Entsorgung an. Der Stellplatz Marktleuthen, die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala der Nutzer dieser speziellen Internetseite, verlangt lediglich eine Spende nach eigenem Ermessen.

Die Camper dürfen sich also durchaus umworben fühlen. Das Ehepaar Roos und auch Ulrich Baars wollen auf jeden Fall wieder nach Gangelt kommen, um zu schauen, wie es weiter geht auf dem Stellplatz am Infocenter. „Wir haben nicht die Vorstellung, dass alles schlechter werden muss, aber man müsste das anders kommunizieren", findet Monique Roos.

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