Ehepaar Heinen kündigt Mitgliedschaft: Freie Wähler löschen eigene Fraktion aus

Ehepaar Heinen kündigt Mitgliedschaft : Freie Wähler löschen eigene Fraktion aus

Mit einem nahezu selbstmörderischen Streich haben die Freien Wähler Gangelt im Jahr vor der Kommunalwahl die eigene Fraktion im Gemeinderat Gangelt ausgelöscht.

Das Gesicht der bislang erfolgreich agierenden  Fraktion Freie Wähler Gangelt war das Ehepaar Helga und Hans-Günter Heinen gewesen. Die erfolgreiche, politische Arbeit war auch vom Vorsitzenden des Kreisverbands Freie Wähler, Walter Leo Schreinemacher, anerkannt worden.

Schreinemacher hatte dem Ehepaar Heinen sogar die Ehrenmitgliedschaft bei den Freien Wählern angeboten - allerdings sollte diese nur verliehen werden, wenn sich Hans-Günter Heinen von der politischen Bühne zurückzieht. Ein Ansinnen, dass Hans-Günter Heinen weit von sich wies und das letzte Woche mit zum Austritt des Ehepaars aus der Wählergemeinschaft  Freie Wähler führte.

Heute grasen vor der Gangelter Stadtmauer der Hahn und seine Hennen. Die dort geplante Seniorenwohnanlage war eines der Paradethemen der Freien Wähler gewesen. Foto: Dettmar Fischer

Kurz zuvor in der Ratssitzung am Dienstag vergangener Woche hatte Ludwig Dohmen, seit September 2017 neben der Fraktionsvorsitzenden Helga Heinen eines der beiden Ratsmitglieder der Freien Wähler, seinen Austritt aus der Fraktion erklärt. Dohmen bleibt bei den Freien Wählern und behält sein Ratsmandat. Der Fraktionsstatus der Freien Wähler ist aber erloschen. Das Ehepaar Heinen möchte parteilos seine Mandate behalten. Helga Heinen wird Ratsmitglied bleiben. Hans-Günter Heinen wird unter Umständen weiterhin als sachkundiger Bürger im Bauausschuss wirken. Wie mit den sachkundigen Bürgern der Freien Wähler verfahren wird, obliegt aber noch einer Entscheidung des Rates.

Da die Freien Wähler in den Kommunen direkt dem Kreisverband (ohne Orts- oder Stadtverbandsgruppierung) angeschlossen sind, hatte dessen Vorsitzender Walter Leo Schreinemacher die undankbare Aufgabe, den Knatsch bei den Gangelter Freien Wählern zu managen. Wie Schreinemacher auf Nachfrage erklärte, hätte sich unter den Mitgliedern der Gangelter Freien Wähler Unmut über das „impulsive“ Auftreten von Hans-Günter Heinen breit gemacht.  

Zunächst hatten wohl unterschiedliche Auffassungen, wie man das Thema Amsel Schule politisch zu behandeln habe, die Situation sich zuspitzen lassen. Ludwig Dohmen erklärt, dass es später vor dem Hintergrund konträrer Auffassungen zum Thema Amsel Schule zu Äußerungen Hans-Günter Heinens gegenüber Mitgliedern gekommen sei, die einer Entschuldigung bedurft hätten. Diese sei aber nie erfolgt. Hans-Günter Heinen zur „ausstehenden“ Entschuldigung: „Für Lautstärke entschuldige ich mich nicht. Ich habe niemanden persönlich angegriffen.“

Walter Leo Schreinemacher hatte noch versucht, den Bruch bei den Gangelter Freien Wählern zu kitten. Er war aber mit dem Vorschlag „Ehrenmitgliedschaft gegen Mandatsverzicht“  gescheitert. Helga Heinen habe sich dann auf die Seite ihres Mannes geschlagen, so Schreinemacher. Beide hätten ihm ihren Austritt bei den Freien Wählern  zum 31. März mitgeteilt. Die Kündigung der Mitgliedschaft ist wie folgt begründet, Helga Heinen schreibt: „Unser Austritt erfolgt, weil wir nicht bereit sind, einen neuen von Heinsberg offensichtlich unterstützten `Schmusekurs´ einzuschlagen. Wir möchten wie bisher unabhängig sein und unseren Einsatz transparent und bürgernah zeigen.“

„Schmusekurs“ zielte wohl unter anderem auch darauf ab, dass Ludwig Dohmen in der letzten Ratssitzung, nachdem er seinen Fraktionsaustritt erklärt hatte, mit der Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder für das Festhalten an einer umstrittenen Vereinbarung zur Abwasserreinigung der Gemeinden Gangelt und Selfkant stimmte, während Helga Heinen dagegen votierte. In der Vergangenheit hatten die Freien Wähler Gangelt besonders bei zwei Themen Flagge gezeigt.

Jahre zurück liegt der Einsatz für die Beibehaltung der Straßenbeleuchtung in den Abendstunden, die schon Ludwig Dohmen unterstützt hatte. Noch ganz frisch in Erinnerung ist der Streit um eine geplante Seniorenwohnanlage auf dem Grundstück vor der Gangelter Stadtmauer.

Hans-Günter Heinen hatte die Auseinandersetzung um die Stadtmauer angefeuert, indem er in einer Ausschusssitzung im Stile längst vergangener Bundestagsdebatten kräftig ausgeteilt hatte. Hätte es diesen sicherlich etwas rüden Auftritt damals nicht gegeben, wären dann vielleicht schon längst die Bagger vor der Stadtmauer aufgefahren – wer weiß?

Walter Leo Schreinemacher erkennt den politischen Erfolg des Ehepaars Heinen durchaus an: „Die haben in Gangelt eine tolle Arbeit gemacht.“ Die Gangelter CDU, die die Mehrheitsfraktion im Gangelter Rat stellt, kann nun die Kommunalwahl 2020 etwas entspannter angehen. Ihr wurde ein Dorn aus dem Fleisch gezogen, der doch hin und wieder unangenehm pikste. Nicht ohne Grund war das Thema Stadtmauer rechtzeitig vor dem Kommunalwahlkampf von der Tagesordnung verschwunden. Dass aber der politische Gegner den Dornenzieher spielt, kommt nicht alle Tage vor.

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