Übach-Palenberg: Feuerwehrkräfte in Übach-Palenberg simulieren die Unfallrettung

Übach-Palenberg : Feuerwehrkräfte in Übach-Palenberg simulieren die Unfallrettung

Den kleinen roten Renault Clio hat es ganz schön erwischt: Nicht nur, dass der Grünspan knapp oberhalb des Stoßfängers auf einen wenig gepflegten Zustand hinweist. Auch das Renault-Zeichen ist aus dem Gesicht des Kleinwagens verschwunden. Dazu ist das Dach verbeult, und die Fahrerseite des einstigen Flitzers ist tief eingedrückt.

Es ist zwar eine Situation, wie sie Stadtbrandinspektor Stefan Peters und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr in Übach-Palenberg immer mal wieder antreffen könnten.

Bis das Dach entfernt ist, müssen die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge angewandt werden. Foto: Markus Bienwald

Auf der Straße, immer wieder auch nachts und mit echten Menschen, die vorher noch friedliche Insassen des Fahrzeugs waren, nun aber zu Unfallopfern geworden sind. Aber zum Glück ist die Situation dieses Pkw nur eine Simulation, eine sehr realistische Aufgabenstellung für die Kameraden der Löschgruppen Übach und Scherpenseel, die an den schrottreifen Fahrzeugen die richtige Unfallrettung trainieren können.

„Diese beiden Löschgruppen verfügen über die nötige Spezialausrüstung für technische Hilfe“, erklärt Fachmann Peters, während die Kameraden mit der Hydraulikzange am Fahrzeug arbeiten. Unter dem typischen Geräusch strömender, komprimierter Luft wird dabei die starke Schwester der früher üblichen Blechschere eingesetzt, um beispielsweise die Dachholme abzutrennen.

Im Auto sitzt übrigens kein Dummy, sondern ein Kamerad, der sich als „Unfallopfer“ zur Verfügung gestellt hat, und so die Lage mit einem im Fahrzeug eingeklemmten Insassen sehr realistisch nachstellt.

„Mehr nach links, und dann vorsichtig abheben“, mahnt Michael Montag, der gemeinsam mit Stefan Peters als Ausbilder vor Ort unterwegs ist. Die Kameraden machen ihre Sache gut, lassen sich aber gerne noch von der Erfahrung aus vielen echten Einsätzen anleiten, bis das Dach völlig abgetrennt ist, und der „Verunfallte“ besser erreichbar ist.

Planung und Manpower

„In solchen Trainings, die wir immer wieder als Fortbildung für unsere Kameraden anbieten, steckt viel Arbeit“, berichtet Stefan Peters. Damit meint er nicht nur die Bereitschaft der freiwilligen Wehrleute, einen mit Theorie gespickten Abend und einen mit Praxis prall gefüllten Samstag zu opfern.

Auch die Vorbereitung der Szenarien braucht Planung und Manpower: Da wurden eigens nicht nur schrottreife Fahrzeuge beschafft, sondern auch dank der freundlichen Unterstützung durch die Stadt Übach-Palenberg alle Möglichkeiten des Technischen Betriebes mit seinem Bauhof an der Daimlerstraße genutzt. So konnten die Fahrzeuge „bearbeitet“ werden, bis sich das gewünschte Szenario, beispielsweise ein Überschlag oder ein heftiger Heckaufprall, eingestellt hat.

„Für diesen Unfall haben wir uns eine neue Technik aus Skandinavien angeschaut, wo Kameraden eine neue Rettungsform mit Hilfe des vorhandenen Materials entwickelt haben“, weiß Peters. Während diese Kunst, zu improvisieren und aus den bestehenden Umständen etwas zu machen, typisch für Wehrleute ist, geht natürlich an ihnen der technische Fortschritt auch nicht vorbei.

Das reicht von den inzwischen im Automobilbau verwendeten hochfesten Stählen bis zu Anleitungen für den sachgerechten Umgang mit verunfallten Elektroautos oder gasbetriebenen Fahrzeugen. „Natürlich ist auch das neben Gerätekunde und Unfallverhütung ein wichtiger Bestandteil des Weiterbildungsangebotes“, berichtet Peters.

Und egal, ob nun der Prozess trainiert wird, wie man als Einsatzkraft vor Ort schnellstmöglich an den Rettungsleitfaden für den betreffenden E-Auto-Typ gelangt oder sich richtig bei der Personenrettung verhält, eins ist sicher. „Wir machen das für die Bürger“, so Stefan Peters.

Schließlich sind die Teilnehmer Andreas Bach, Holm Blotenberg, Thomas Damm, Pascal Delahaye, Christoph Flecken, Justin Funke, Dirk Hansen, Tobias Rausch, Gina Schmidt, Guido Schmidt und Friedel Wellens auch als Freiwillige immer im Dienst für den Nächsten da. „Und da vor Ort jede Sekunde zählt, ist es wichtig, die richtigen Handgriffe zur richtigen Zeit anwenden zu können“, sagt Stefan Peters.

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