Stadtpfarrkirche St. Marien: Erstklassige Bläser- und Orgelklänge von „Juliacum Brassers“

Stadtpfarrkirche St. Marien : Erstklassige Bläser- und Orgelklänge von „Juliacum Brassers“

„Ein zartes Pflänzchen aus dem musikalischen Jülich“ — so lautet die Bezeichnung der „Juliacum Brassers“ auf ihrer Internetseite. Dahinter verbergen sich vier studierte Musiker von Blasinstrumenten: Martin Schädlich, Klaus Luft, Andreas Trinkhaus und Johannes Meuers.

Die Bezeichnung mutet eher bescheiden an im Hinblick auf die eindrucksvollen Leistungen dieses Ensembles, wovon man sich kürzlich auch bei einem Konzert in der Stadtpfarrkirche St. Marien überzeugen konnte.

Das Programm des Abends umfasste nahezu alle Stilepochen von der Frührenaissance bis zur Modernen. Fast alle Stücke wurden von Johannes Meuers für verschiedene Bläserbesetzungen — hauptsächlich Trompeten, Horn und Posaune — bearbeitet. Auch Kantor Bernd Godemann war bei einigen Beiträgen mitbeteiligt. Beim einleitenden „La Réjoussance“ aus der Feuerwerksmusik von Händel spielte er den Orgel-Continuo. Dann erst begaben sich die vier Bläser nach unten und nahmen ihre Plätze im Altarraum ein.

Herbe Schönheit

Auch das zweite Stück stammte von Händel — freilich in einer modernen Jazz-Version. In einem Arrangement von Quincy Jones erklang das berühmte „Halleluja“ eigentümlich verfremdet, aber gleichwohl von prickelnder Wirkung. Eine ganz andere Welt eröffnete sich beim „Sanctus“ aus der „Missa Pange lingua“ von Josquin Desprez, die zu den reifsten Werken dieses alten Niederländers gehört. Wie der Titel schon andeutet, wird hier ein gregorianischer Choral verarbeitet, den man auch als Kirchenlied („Preise Zunge, das Geheimnis“) kennt.

Feierlich-erhaben entfaltete sich die herbe Schönheit dieser spätmittelalterlichen Musik, die übrigens auch von Martin Luther sehr geschätzt wurde. In die Zeit des Barocks führte dagegen der bekannte Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate Nr. 147. Für den einzigen Orgelvortrag des Abends hatte sich Godemann die G-Dur-Fantasie BWV 572 ausgesucht und bot eine klangvolle und stilgerechte Wiedergabe.

Danach folgte der Luther-Choral „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ in drei Versionen, womit zugleich an das zurückliegende Reformationsjubiläum 2017 erinnert wurde. Den Anfang machte ein Vorspiel von Magdalene Schauß-Flake. Daran schlossen sich eine neobarocke Bearbeitung von Hugo Distler und ein Choralsatz von Bach an.

Zu einem eindrucksvollen Höhepunkt geriet zweifellos das von Henri Mancini arrangierte Medley von „Jesus Christ Superstar“. Hier zogen die „Juliacum Brassers“ alle Register ihres Könnens und ließen zahlreiche bekannte Melodien aus dem berühmten Musical von Andrew Lloyd Webber vorüberziehen. Auch der Gospel „Just A Closer Walk With Thee“ verfehlte seine Wirkung nicht und die „Fanfare“ von Josquin Desprez ließ nochmals das späte Mittelalter aufleben.

Glänzend harmoniert

Dann wurde es romantisch: Festlich-bewegt und zugleich gefühlstief erklang der „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Und zuletzt fanden sich die vier Bläser mit Kantor Godemann wieder auf der Emopre zusammen. Kraftvoll und brillant wurde das „Poco adagio“ aus der dritten Sinfonie von Camille Saint-Saens musiziert und den Schlusspunkt setzte das Orgelkonzert in d-moll von Händel. Hierbei vertraten die Bläser das Streichorchester, während Godemann die Solopartien auf der Orgel übernahm und mit seinen Partnern glänzend harmonierte.

Am Ende gab es großen Applaus für alle Darbietungen und natürlich noch eine Zugabe. Das „zarte Pflänzchen“ wird mit Sicherheit auch in Zukunft noch manche schöne musikalische Blüten treiben.

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