Übach-Palenberg: Erster Eurolog im Schloss Zweibrüggen: Keine Loblieder für die EU

Übach-Palenberg: Erster Eurolog im Schloss Zweibrüggen: Keine Loblieder für die EU

Keinesfalls unwohl fühlte sich Dr. Jürgen Linden, Aachens Ex-Oberbürgermeister und Sprecher des Karlspreisdirektoriums als einziger „Roter“ zwischen drei „Schwarzen“. Ganz im Gegenteil, als Moderator des ersten Eurologs im Schloss Zweibrüggen am Mittwochabend überzeugte er auf ganzer Linie.

Dazu hatte die Stadt Übach-Palenberg mit dem Initiator Hartmut Urban eine hochkarätige Teilnehmerschaft eingeladen: die Europaabgeordneten Sabine Verheyen, Dr. Andrey Kovatchev und Herbert Reul. Letzterer ist — wie auch Sabine Verheyen — Vertreter der CDU auf europäischer Ebene und Dr. Kovatchev steht als Mitglied der Europäischen Volkspartei ebenfalls für konservative Werte.

Beim ersten Eurolog im Schloss Zweibrüggen gab es viel Diskussionsbedarf. Foto: Markus Bienwald

Krisenzustand

Beim ersten Eurolog im Schloss Zweibrüggen gab es viel Diskussionsbedarf. Foto: Markus Bienwald

Dr. Linden griff in seiner Anmoderation den Krisenzustand auf, in dem sich die Europäische Union befindet. Das fluchende Sparen in Zypern, „Italien hat ein Kommissariat an Regenten“, ein großes Staatsdefizit in Frankreich, eine drohende Immobilienkrise in den Niederlanden, „wie soll ich in dieser Situation Optimismus vertreten?“, fragte Linden.

„Wir haben eine Krise in den Staaten, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben“, unterstrich Herbert Reul gleich zu Beginn. Er sprach sich klar dafür aus, die Probleme wie in Deutschland anzupacken. Die Menschen müssten begreifen, dass es nicht so weitergehe, so Reul weiter, „aber umsonst ist das nicht zu haben“.

Wer zu viel Geld ausgegeben habe, müsse sparen, Strukturen ändern und Ideen haben, wie wirtschaftliche Lösungen umgesetzt werden, schloss er. Dazu forderte Reul mehr Realismus und Ehrlichkeit, die Zeit, Loblieder auf die EU zu singen, sei vorbei. „Wir müssen Beweisstücke dafür bringen, dass Europa funktioniert“, meinte er abschließend.

Am aktuellen Beispiel Zypern zeigte Dr. Linden auf, wie ein strukturelles Problem zu einer existenzbedrohenden Situation werden kann. „Wenn der Finanzsektor kaputt ist, wovon leben die dann?“, fragte der Ex-OB in die Runde. Sabine Verheyen stellte dazu fest, dass von europäischer Seite zwar die Kriterien vorgegeben würden, aber die Investitionen in den einzelnen Ländern in der Eigenverantwortung der Staaten gelegen hätten.

„Es wurde oft diskutiert, wo haben wir die Akzente, wo können wir beeinflussen?“, beschrieb Verheyen den europäischen Prozess. Sie sprach sich beispielsweise für mehr Bildungsförderung aus, „wir müssen die Möglichkeit schaffen, Strukturen aufzubauen, die größere Nachhaltigkeit ermöglichen“, so Verheyen. Dabei gebe es aber das Problem, dass Gelder aus zur Verfügung stehenden Fördertöpfen nicht abgegriffen werden könnten, weil die jeweilige Eigenfinanzierung des Landes nicht auf die Beine gestellt werden könnte.

Antideutsche Stimmung

Solidarität, Zweiseitigkeit und Wertegemeinschaft seien Themen, die gemeinsam angegangen werden müssten, schloss Verheyen. Die spürbare antideutsche Stimmung in Europa brachte Dr. Jürgen Linden schließlich gegenüber dem bulgarischen Vertreter Dr. Kovatchev aufs Tapet. „Ich verstehe die europäische Integration nicht als Einbahnstraße“, machte Kovatchev klar.

Er verstehe die Unterstützungen als Hilfe zur Selbsthilfe, die Solidarität gehe Hand in Hand mit Verantwortung, „man muss nicht immer alles schlechtmachen“, betonte er.

Und in Sachen europäischer Identitätsfindung unterstrich er, dass den starken einzelnen nationalen Identitäten nur eine rudimentäre europäische Identität gegenüberstehe.

„Europa ist ein Prozess, und der hat eine Entwicklung“, fand Dr. Jürgen Linden abschließend. Vor diesem Hintergrund habe jeder Einzelne ein Stück Verantwortung gegenüber Europa, das es einzulösen gelte.

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