Geilenkirchen: Ernstes mit viel Komik gemischt

Geilenkirchen: Ernstes mit viel Komik gemischt

Auch wenn Hamlet ihm diese Aufgabe noch kurz vor seinem Ende auftrug, so musste Horatio in der vergangenen Woche doch nicht die Rolle des Erzählers übernehmen.

Denn die 18 Schauspieler des Literaturkurses Theater des St.-Ursula-Gymnasiums brachten ihr „Hamlet reloaded” selbst auf die Bühne.

Die Handlung des Stückes ist wohl jedem bereits bekannt: Hamlet (Sophie Krause), Prinz von Dänemark, wird vom Geist seines verstorbenen Vaters (Simon Brausten) heimgesucht, der ihm erklärt, dass er ermordet wurde und gerächt werden solle. So findet der Prinz dann heraus, dass der nunige König und sein Stiefvater (Christina Walter) eben dieser Mörder war, um auf den Thron und an die Seite von Hamlets Mutter (Lea Königs) zu gelangen. Um diesen Skandal aufzudecken, heuert Hamlet eine Gruppe Schauspieler an, die eben diese arglistige Geschichte nachstellen sollen, um die verräterische Reaktion des Königs zu provozieren. Spätestens seit eben dieser Reaktion war der König sichtlich schuldig und verhielt sich entsprechend, um jegliche Aufdeckung des Verbrechens zu vermeiden. Der König schickt seinen Neffen Hamlet sogar nach England, um ihn dort hinrichten zu lassen. Dem entgeht der Kluge jedoch und kehrt zurück, wobei er vom Tod seiner Geliebten Ophelia (Lisa-Marie Jansen) erfährt.

Im Finale des Stücks will dann Laertes (Dennis Schmitz), der Bruder Ophelias, ihren sowie den Tod seines Vater rächen und kämpft dabei gegen den in seinen Augen schuldigen Hamlet. Am vergifteten Degen verwunden sich dann beide, Hamlet und Laertes. Im Sterben begriffen sagt Letzterer Hamlet noch, dass der König der Schuldige sei, so dass Hamlet ihn mit letzten Kräften noch erstechen kann. In den letzten Atemzügen trägt Prinz Hamlet dann seinem treuen Freund Horatio (Erick Laser) auf, diese Geschichte von Hinterlist und Verrat in der Erinnerung aller zu erhalten.

Unter der Leitung von Claudia Villis erarbeitete der Kurs in diesem Jahr gemeinsam den Shakespeare-Klassiker von 1603 und transferierten ihn in ihr Verständnis. Mit der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck als Grundlage wurde so jede Szene besprochen und in neue Worte gekleidet - ohne der Handlung dabei untreu zu werden. „In diesem Übersetzen, dem Finden der eigenen Sprache, hat auch schon eine Interpretation des Stückes und eine Gewichtung der eigenen Schwerpunkte stattgefunden”, erläutert Kursleiterin Claudia Villis die Arbeit der Schüler im vergangenen Schuljahr.

Dabei entstanden dann auch komisch anmutende Situationen, die die Ernsthaftigkeit des Stückes auflockerten: Als Polonius (Daniel Valentin), der Vater Ophelias, irrtümlich von Hamlet erstochen wurde und die Leiche irgendwie von der Bühne geschafft werden musste, zog man ihn bäuchlings an den Füßen hinter die Kulissen. Dies entlockte nicht nur wenigen Zuschauern ein Lachen. Ähnlich locker verhielten sich dann auch die zwei Totengräber, die in äußerst umgangssprachlicher Wortwahl über Tod, Selbstmörder und ihren Beruf redeten.

Auf der Bühne selbst standen die jungen Schauspieler seit etwas mehr als zwei Monaten. Und trotz dieser verhältnismäßig kurzen Zeit für die meist noch kaum erfahrenen Akteure merkte man ihnen weder Aufregung noch Unsicherheit an. Und auch wenn die Aula nicht bis auf den letzten Platz gefüllt war, so war das am Applaus zum Ende des Stückes hin nicht zu merken: Überwältigend lang war der Beifall zur Würdigung der schauspielerischen Leistung. Und diese war den Applaus wert.

Mehr von Aachener Nachrichten