Geilenkirchen: Engagement für barrierefreie Verhältnisse an den nahen Bahnhöfen

Geilenkirchen: Engagement für barrierefreie Verhältnisse an den nahen Bahnhöfen

Inklusion spielt in den zurückliegenden Jahren zunehmend eine große Rolle. Die gleichberechtigte Teilhabe von nicht behinderten und behinderten Menschen an allen Facetten des gesellschaftlichen Lebens ist in einer UN-Konvention festgeschrieben und gilt auch in Deutschland ohne Einschränkung.

Doch für den Behindertenbeauftragten der Stadt Geilenkirchen, Heinz Pütz, ist deutlich, dass hier noch einiges im Argen liegt. Noch erstaunlicher für ihn ist die Tatsache, dass es einem Unternehmen wie der Deutschen Bahn nicht gelingt, den dringend erforderlichen Ausbau der Barrierefreiheit an den Bahnhöfen Geilenkirchen und Lindern auch nur annähernd umzusetzen. Mit Blick auf die zum Fahrplanwechsel im Dezember in Betrieb gehende Bahnstrecke zwischen Heinsberg und Geilenkirchen-Lindern sei nun vordringlich in Lindern Eile geboten, sagen Heinz Pütz, Bürgermeister Thomas Fiedler und der Ortsvorsteher von Würm, Leonhard Kuhn, der für den Bahnhof Lindern Priorität beantragt hat.

„Wir haben die Barrierefreiheit immer wieder angemahnt, aber wie es aussieht bleibt sie für den Bahnhof Lindern auf der Strecke“, blickt Heinz Pütz auf die bisherige „Hinhaltetaktik der Bahn“. In die neue Linie nach Heinsberg würden 20 Millionen investiert, aber für einen behindertengerechten Ausbau des Linderner Bahnhofes bliebe wohl nichts übrig, wird beklagt. Bezüglich der Barrierefreiheit seien in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit Bahn und Behörden geführt worden, bisher ohne Ergebnis. Wegen der Streckenöffnung in die Kreisstadt müsse der Bahnhof Lindern nun vorrangig behandelt werden. Selbst der Fahrgastverband „Pro Bahn“ habe die Missstände an den Bahnhöfen Geilenkirchen und Lindern erkannt. Die beiden Geilenkirchener Bahnhöfe sowie Baal seien die einzigen Stationen auf der bedeutenden Strecke Aachen-Mönchengladbach, die nicht behindertengerecht ausgebaut wurden. „Wegen der Inbetriebnahme der neuen Bahnstrecke werden wir bald längere Schließzeiten der Schranken am Bahnübergang Lindern haben“, weiß Bürgermeister Thomas Fiedler.

Aber nicht nur aus diesem Grund sei eine bessere Erreichbarkeit des in der Mitte liegenden Bahnsteigs erforderlich. Menschen mit Rollstuhl hätten keine Chance die von Gleis 2 und ab Dezember auch von Gleis 3 fahrenden Personenzüge zu erreichen, denn nur Gleis 1 sei barrierefrei anzugehen. „Die bauliche Situation in Lindern ist schon für Menschen ohne Behinderung ein Erschwernis“, wirft Leonhard Kuhn ein. Das sieht der Bürgermeister genauso, der auf ein Problem für Mutter mit Kind im Kinderwagen oder Personen mit viel Gepäck hinweist. „Wenn die sich über die vorhandenen Treppen hinaufhangeln, ist das schon fast eine zirzensische Leistung“, so Fiedler. Rollstuhlfahrer seien chancenlos.

Eine neue Situation ergebe sich nach Inbetriebnahme der neuen Strecke. Wenn Rollstuhlfahrer beispielsweise demnächst von Heinsberg kommend nach Mönchengladbach müssten und an Gleis 2 ankämen, bliebe ihnen nichts anderes übrig als zunächst von hieraus nach Herzogenrath zu fahren. Dort gelte es umzusteigen und in die entgegengesetzte Richtung wieder über Lindern nach Mönchengladbach zu fahren. Die von der Deutschen Bahn selbst erlassenen Kriterien für einen behindertengerechten Ausbau (mindestens 1000 Fahrgäste pro Tag) seien für die Bahnhöfe Geilenkirchen und Lindern mehr als gegeben.

Heinz Pütz erinnert an die von der DB ausgerufene Modernisierungsoffensive für Bahnstationen, die sich in jeglicher Hinsicht eine Verbesserung der Situation auf die Fahne geschrieben habe. Allerdings habe sich in Geilenkirchen und Lindern mit Blick auf die verpflichtend einzuhaltende UN-Konvention nichts getan. „Mainz ist ein Drama“, sagt Thomas Fiedler mit aktuellem Bezug, „aber das Drama spielt sich in kleinerem Rahmen täglich für die Menschen mit Behinderung ab.“

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