Übach-Palenberg: Endgültig: Übacher Platanen werden gefällt

Übach-Palenberg : Endgültig: Übacher Platanen werden gefällt

Eine kleine Gnadenfrist gibt es noch, denn die Sägen werden nun erst am Freitag angeworfen und nicht schon früher. Am Schicksal der 57 Platanen auf der Roermonder Straße in Boscheln ändert das jedoch nichts, ihre Tage werden spätestens am Samstag, wenn die Fällarbeiten abgeschlossen sind, gezählt sein.

Der kleine Aufschub resultiert aus der Sondersitzung des Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung am Montagabend. Dieser war auf Antrag der Grünen einberufen worden, nachdem die anstehenden Fällungen vor knapp zwei Wochen bekannt gemacht worden waren. Ursache für den massiven Eingriff sind Gasleitungen, die durch das Wurzelwerk gefährdet werden. Am Ende der rund anderthalbstündigen Sitzung waren sämtliche Fraktionen einverstanden, dass die rund 40 Jahre alten Platanen gefällt werden.

Die Ausführungen zweier Fachleute aus Reihen der Regionetz GmbH, Karl-Josef Graab und Heiner Deussen, hatten zuvor wenig Zweifel gelassen, dass daran kein Weg vorbei führt. Sie machten deutlich, was für archaische Kräfte unterhalb des Asphalts oft wirken und illustrierten dies mit durchaus eindrucksvollen Fotos von hoffnungslos mit Leitungen verwachsenen Wurzeln und aus den Fluchten gedrückten Stahlrohren. Wenn darin Gas befördert wird, ist das natürlich gefährlich, so die Botschaft.

So sei es denn auch auf Störfälle und Explosionen zurückzuführen, dass das Phänomen mit dem wunderschönen Namen Baumwurzel-Gasrohrleitungs-Interaktion seit 2016 verschärfte Beurteilungskriterien gelten, wurde weiter ausgeführt. Als Folge habe man zuletzt von einem Sachverständigenbüro entsprechende Kataster erstellen lassen. In Übach-Palenberg wurden 1103 Bäume aufgenommen, die sich in der Nähe von Gasleitungen befinden. 113 von ihnen wurden mit A2 eingestuft, was bedeutet, dass „zeitnah“ gehandelt werden muss. Bei fast allen, nämlich 110, handelt es sich um Platanen, zudem gefährden eine Linde, ein Ahorn und eine Zeder die Leitungen, letztere ist bereits weg.

Überflüssige Abstimmung

Handlungsbedarf bedeutet nun allerdings nicht zwingend, dass die Bäume verschwinden müssen. Man kann grundsätzlich natürlich auch die Gasleitungen verlegen. Das kam in der Roermonder Straße allerdings nicht infrage. „Nur durch eine so radikale Maßnahme lässt sich das Problem regeln, glauben Sie es mir, mein Daumen ist noch so grün“, sagte Karl-Josef Graab zu den Ratsleuten. Das war dann auch der Fall, wie die abschließende Abstimmung zeigte. Dass diese eigentlich überflüssig war, lag auf der Hand, schließlich hatte die Stadtverwaltung ja längst auf eigene Faust vollendete Tatsachen geschaffen.

So stand denn auch die Informationspolitik des Rathauses auf einem ganz anderen Blatt. In der Sitzung wurde das eingeräumt, was unsere Zeitung vorvergangene Woche schon berichtet hatte, nämlich dass die Verwaltung allerspätestens im Februar in der Lage gewesen wäre, Stadtrat und Öffentlichkeit über die Fällungen zu informieren. Das geschah jedoch erst auf den letzten Drücker.

Herbert Fibus (SPD) wunderte sich darüber nun umso mehr vor dem Hintergrund der drohenden Gefahr, die man ihm gerade erst erläutert hatte: „Wenn Gefahr droht, dann hätten Sie doch erst recht früh informieren müssen, und nicht sagen: Wir lassen es jetzt erstmal ein bisschen plätschern“, ärgerte er sich.

„Ein bisschen hopplahopp“

Der Erste Beigeordnete Helmut Mainz räumte ein, dass man die Neuigkeiten „vielleicht zu spät mitgeteilt“ habe, es sei wohl „ein bisschen hopplahopp gegangen“. Eine nachvollziehbare Begründung oder gar Entschuldigung gab es nicht, doch immerhin wurde versprochen, die Neubepflanzung der Roermonder Straße gemeinsam mit der Politik zu besprechen und zu beschließen.