Viele Schüler sollen nun zu Fuß gehen: Eltern kämpfen um Busticket zur Schule

Viele Schüler sollen nun zu Fuß gehen : Eltern kämpfen um Busticket zur Schule

In der Vergangenheit ist es in Übach-Palenberg wohl zu einer ungerechtfertigten Ausgabe von Schülertickets gekommen. Daher hatte die Verwaltung allen Schülern die Übernahme der Fahrkosten versagt, deren Schulweg nicht die Anforderungen erfüllt. Ein Schock für viele Eltern.

Die Überraschung war groß, als Michael Karls in den Sommerferien einen Brief von der Stadtverwaltung Übach-Palenberg in seinem Briefkasten fand. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass die Fahrtkosten für seine siebenjährige Tochter vom Elternhaus in Marienberg zur Grundschule Scherpenseel nicht mehr übernommen werden und sie kein Ticket für den Bus bekommt.

„Mein Sohn war vor zehn Jahren ebenfalls in der Grundschule in Scherpenseel und hatte immer eine Fahrkarte. Meine Tochter ist jetzt in der zweiten Klasse, und auch sie hat im ersten Schuljahr ein Ticket für den Schulweg bekommen“, berichtet der Vater.

Weg entlang von Feldern unsiche

In der Vergangenheit ist es wohl zu einer ungerechtfertigten Ausgabe von Schülertickets und Übernahme der Fahrkosten gekommen. Daher hatte die Verwaltung nach Überprüfung zum aktuellen Schuljahr allen Schülern die Übernahme der Schülerfahrkosten versagt, deren Schulweg nicht die Anforderungen erfüllt. Schülern der Primarstufe steht demnach kein Ticket zu, wenn der Schulweg unter zwei Kilometer lang ist, in der Sekundarstufe I sind 3,5 Kilometer zumutbar.

Michael Karls hat auf Facebook auf das Problem mit dem Busfahrtickets hingewiesen und spricht damit vielen Eltern in Übach-Palenberg aus der Seele. Er will seine Tochter nicht in der dunklen Jahreszeit alleine die 1,8 Kilometer bis zur Grundschule laufen lassen, der Weg sei viel zu gefährlich. Foto: ZVA/Michéle-Cathrin Zeidler

„Von hier sind es 1,8 Kilometer bis zur Schule“, führt Michael Karls aus. Er sei den Weg mit seiner Tochter auch bereits zu Fuß gegangen. „Die Strecke zu laufen, ist nicht das Problem“, erklärt der Vater. „Allerdings kommt jetzt die dunkle Jahreszeit, und der Weg ist nicht sicher.“ So führe der Weg überwiegend entlang von Feldern, es gebe keine Beleuchtung, und an einer Stelle müsse seine kleine Tochter schließlich eine Straße überqueren. „Das ist eine stark befahrene 70-er-Straße. Es gibt lediglich einen Zebrastreifen ohne Licht, keine Ampel und auch keinen Schülerlotsen. Das ist viel zu gefährlich.“ An anderer Stelle in Übach-Palenberg werde vor Querunghilfen für Erwachsene extra die Geschwindigkeit auf 50 km/h gedrosselt und eine Beleuchtung installiert, damit sie entspannt einkaufen gehen können. „Aber Kinder sollen bei Dunkelheit über eine 70-er Straße gehen“, sagt Michael Karls. Das sei ihm unverständlich.

Hinzu komme noch die aktuelle Situation mit dem auffällig gewordenen Asylbewerber und dem Sicherheitsdienst vor den Schulen. „Wer garantiert mir denn, das der meiner Tochter nicht auf dem Schulweg entgegenkommt?“, so eine Sorge des Vaters. Die Fahrt mit dem Bus sei daher aus vielen Gründen einfach viel sicherer.

„Ich habe mich, wie viele anderen Eltern auch, dann direkt mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt“, berichtet Karls. Dort habe man ihm mitgeteilt, dass diese Reglung lediglich nicht greift, wenn der Schulweg durch objektive Gegebenheiten besonders gefährlich oder für Schüler ungeeignet ist. „Es sollte eine Gefahrenanalyse durch die Polizei gemacht werden“, so Karls weiter. Doch in dieser werde lediglich nachgeschaut, ob es in der Vergangenheit auf dem Schulweg zu Unfällen von Schülern gekommen sei. „Und das kann ja gar nicht der Fall sein, wo doch die Schüler in den vergangenen Jahren immer mit dem Bus gefahren sind“, zeigt der Vater einen Widerspruch auf. Auf Facebook machte er seinem Ärger Luft. Viele Eltern standen dabei hinter ihm.

Es gibt aber auch Kritiker die betonen, dass es doch Kindergeld gebe und von diesem einfach die Summe gezahlt werden solle. „Eine Monatskarte für Schüler kostet 45 Euro, außerdem zahlen wir jeden Monat rund 100 Euro für die OGS mit Essen“, rechnet Karls vor. Er kenne Familien, die teilweise zwei oder drei Kinder im Grundschulalter haben: „Da kommen ganz schöne Summen zusammen. Da soll sich der Staat nicht wundern, warum es nur noch so wenig Kinder in Deutschland gibt – das kann sich bald keiner mehr leisten.“

Doch die Eltern in Übach-Palenberg haben Verbündete gefunden. Die SPD ist auf das Problem aufmerksam geworden und hat einen Antrag zur Übernahme der Schülerfahrkosten für Schüler an den Rat gestellt. Dieser wird in der Sitzung am Mittwoch behandelt. „Hiermit wollen wir noch im aktuellen Schuljahr für Klarheit bei den Eltern und großmögliche Sicherheit bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern sorgen“, erklärt Alf-Ingo Pickartz auf Nachfrage. Es stehe außer Zweifel, dass die Schule sicher auf beleuchteten Wegen erreicht werden müsse. Aus Sicht der SPD-Fraktion seien Fußwege, die entlang von unbeleuchteten Straßen durch Felder und Wäldern führen, für Schüler im Alter bis 14 Jahre nicht zumutbar. Insbesondere im Herbst und Winter sei es nicht zu verantworten, dass Kinder diese Wege im

Dunkeln zu Fuß zurücklegen. Nach weiteren OVG-Beschlüssen seien sechs bis 14 Jahre alte Schüler dem gesteigerten Risiko von kriminellen Übergriffen ausgesetzt.

Daher schlagen die Sozialdemokraten vor, dass Schulwege, „wenn sie unbeleuchtet entlang von Feldern und/oder Wäldern führen und/oder keine Querungshilfen in Form von Ampeln vorhanden sind, als ungeeignet, bzw. gefährlich eingestuft werden“. Die Verwaltung solle daher für alle Schüler bis zum 14. Lebensjahr, auf die diese Anspruchsvoraussetzung zutrifft, die Kosten übernehmen.

Ticket als Beitrag für die Umwelt

„Dass durch diese Regelung der ÖPNV gestärkt und der Individualverkehr besorgter Eltern zu den Schulen sinnvoll reduziert werden kann, ist im Zeichen des Klimawandels eine Notwendigkeit“, findet der SPD-Chef. Das Verkehrschaos vor Beginn des Unterrichts sei bekannt und trage nicht zur Verkehrssicherheit bei: „Die sinnvolle Förderung zur Selbstständigkeit der Schulkinder ist wichtig, ein sicherer Schulweg muss aber gewährleistet sein.“

„Ich bin zuversichtlich, dass die Stadt die Kosten nun doch übernehmen wird“, sagt Michael Karls. Entsprechende Hinweise habe er auch aus Kreisen des Elternbeirats bekommen. „Macht ja auch Sinn, es wäre viel teurer, wenn jetzt überall neue Lampen aufgestellt werden müssten, um mehr Sicherheit zu gewährleisten.“

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