Geilenkirchen: Einmalig im Bistum: Die Sozialkomponente im Franziskusheim

Geilenkirchen : Einmalig im Bistum: Die Sozialkomponente im Franziskusheim

Eine im ganzen Bistum Aachen einmalige Dienstvereinbarung ist am Donnerstag im Franziskusheim von der Geschäftsführung und der Mitarbeitervertretung unterschrieben worden: Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Einführung einer Kinder-, Familien- und Sozialkomponente geeinigt.

„Damit sind wir ein Leuchtturmunternehmen in der kirchlichen Landschaft”, frohlockte Alfons Nickels, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH. Und Andreas Seidler, Leiter der Finanzbuchhaltung, versicherte: „Bei uns wird kein sozial schwaches Kind durchs Netz fallen. Außerdem sorgt Mitarbeitermotivation für eine große Identifikation mit dem Betrieb.”

Die Sozialkomponente erläuterte Alfons Nickels: Mitarbeiter erhalten aus dieser Sozialkomponente für das jeweils jüngste Kind bis zur Einschulung, nach Familieneinkommen gestaffelt, bis zu 400 Euro monatlich zum Gehalt. „Entscheidend für die Höhe unserer Zahlung ist der zu zahlende Kindergartenbeitrag”, erklärt Nickels.

Den Start ins Schulleben unterstützt die Franziskusheim gGmbH von nun an mit einem einmaligen Einschulungsgeld von 300 Euro. Auszubildende mit Kindern erhalten eine monatliche Pauschale von 150 Euro pro Monat. Und Klassenfahrten werden mit bis zu 500 Euro pro Kind und Jahr finanziert. „Es gibt immer mehr Kinder, die an Klassenfahrten nicht teilnehmen können, weil die Eltern sich das nicht leisten können”, hat Nickels festgestellt. Auch die schulische, kulturelle und sportliche Entwicklung der Mitarbeiterkinder wird von der Einrichtung von nun an gefördert. Bis zu 100 Euro im Monat gibt es für jedes Kind für Nachhilfeunterricht, Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen oder Musikschule. Dies gilt bis zum 13. Schuljahr.

Erarbeitet haben diese Sozialkomponente Alfons Nickels, Andreas Seidler, Anke Jansen von der Mitarbeitervertretung und Joachim Bock, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, und gilt für alle rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Franziskusheim gGmbH, also für die Angestellten im Franziskusheim, in Burg Trips, im Tagespflegehaus in Bauchem und des Fahrbaren Mittagstisches. „Fünf Monate haben wir gestritten, gemeinsam gekämpft und viel erreicht”, blickte Nickels zurück. Schließlich stehen für diese Dienstvereinbarung 1,75 Prozent der Arbeitgeber-Lohnkosten zur Verfügung.

1,75 Prozent, so haben die Tarifparteien vereinbart, sollen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern in diesem Jahr zusätzlich auszahlen. „Das kann über das Gießkannenprinzip geschehen, das kann aber auch eine Leistungskomponente sein. Aber wie will man im Pflegebereich wirklich Leistung messen? Ist der Pfleger gut, der einen Bewohner am schnellsten gewaschen hat? Sicherlich nicht!”, sagte Nickels. Und: „Mit der Entscheidung für eine Sozialkomponente zeigen wir, dass wir uns der Verantwortung gegenüber unseren jungen Mitarbeitern bewusst sind und neue Wege gehen.” Gleichzeitig präsentiere man sich, so der Geschäftsführer, als Solidargemeinschaft. „Ältere Arbeitnehmer, die nie in den Nutzen kommen, unterstützen damit die jüngeren Kollegen.”

Die Arbeitnehmervertretung betonte bei dieser Gelegenheit, dass aus Reihen der Mitarbeiter keinerlei Widerstände kamen. „Auch das Unternehmen profitiert von dieser Regelung, wenn die jungen Eltern wieder früh ins Berufsleben einsteigen”, sagte Anke Jansen. „Für viele Frauen ist es ein Rückschritt, wenn sie drei Jahre lang zu Hause bleiben. In drei Jahren hat sich viel in der Pflege und in der Pflegedokumentation geändert. Und wir müssen drei Jahre lang mit Aushilfen jonglieren”, erläuterte Nickels die Win-Win-Situation. Gleichzeitig erklärte er: „Wir sind wild darauf, unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter zurückzubekommen. Und durch die Sozialkomponente werden wir noch stärker zum Magnetunternehmen.” Auch die hier lebenden Senioren würden davon profitieren: „Wir setzen auf eine Kontinuität in der Begleitung, wir haben eine Bezugspflege.”

Andreas Seidler hat schon nachgerecht, wie hoch die Kosten in diesem Jahr sind: Diese belaufen sich auf 70.000 bis 75.000 Euro, im nächsten Jahr auf 85.000 bis 90.000 Euro. „Und trotzdem konnten wir unsere Pflegesätze zum 1. Juli um 2,16 Euro pro Tag und Bewohner senken, weil wir ein großer Ausbildungsbetrieb sind”, freute sich Nickels.

Die Unterschriften waren am Donnerstag noch nicht unter die entsprechende Vereinbarung gesetzt, da waren schon die ersten Anträge in der Buchhaltung eingegangen. „Etwa 50 Mitarbeiter profitieren von der Regelung, dass bis zur Einschulung bis zu 400 Euro zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden”, lautete die erste Hochrechnung von Nickels.

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