Gangelt/Übach-Palenberg: Eine Appartementanlage für Menschen mit Behinderung

Gangelt/Übach-Palenberg : Eine Appartementanlage für Menschen mit Behinderung

Endlich eine eigene Wohnung. Wer kennt nicht die damit verbundenen Gefühle? Vorfreude, Stolz, aber auch Ängste und Unsicherheit sind damit verbunden. Wie aber fühlt man sich, wenn man erst im Alter von 50 Jahren und darüber hinaus die erste eigene Wohnung bezieht?

Diese Erfahrungen machen in diesem Jahr 23 Menschen mit einer geistigen und körperlichen Behinderung, die derzeit in Wohngruppen der Via Nobis GmbH in Gangelt leben. „Der Landschaftsverband hat uns beauftragt, mehr Menschen mit Behinderung im Sozialraum zu integrieren. So steht es auch im Bundesteilhabegesetz. Sie sollen selbstbestimmt am Leben teilhaben unter dem Motto ‚So viel Hilfe wie nötig, so viel Selbstständigkeit wie möglich‘“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Sabine Schäfer, Fachbereichsleiterin in der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung.

Fachbereichsleiterin Sabine Schäfer: „Viele unserer Bewohner sind im betreuten Wohnen aufgeblüht.“.

Derzeit leben die 23 Betroffenen noch in Wohngruppen in Gangelt, sind dort in Einzel- oder Doppelzimmern untergebracht und nehmen an der Gemeinschaftsverpflegung teil. Zum 1. Oktober sollen sie in den Übach-Palenberger Stadtteil Boscheln ziehen, wo ein Investor die ehemalige Hauptschule gekauft hat und derzeit so umbaut, dass 23 barrierefreie Appartements entstehen.

Jedes Appartement besteht aus Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad. Zusätzlich entstehen zwei Gruppenräume, zwei Pflegebäder für Menschen mit einem höheren pflegerischen Bedarf und ein Saal, in dem eine Tagesstruktur geboten wird. Hier treffen sich dann die Bewohner, die nicht in der Werkstatt der Lebenshilfe in Oberbruch arbeiten, zu kreativen Bastelarbeiten oder anderen sinnvollen Beschäftigungen.

Gute Erfahrungen

Mit Wohnstätten hat die Via Nobis in den vergangenen Jahren bereits gute Erfahrungen sammeln können. 64 Frauen und Männer mit einer geistigen und körperlichen Behinderung sind in den Wohnstätten Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven-Kleingladbach untergebracht. In Hückelhoven entsteht eine vierte Wohnstätte. Derweil leben noch rund 250 Menschen mit Behinderung in Gangelt selbst. „Viele unserer Bewohner sind im betreuten Wohnen förmlich aufgeblüht und haben sich persönlich weiterentwickelt. Manche gehen heute sogar alleine einkaufen“, erklärt Sabine Schäfer.

Der Landschaftsverband, so die Fachbereichsleiterin, fordere den weiteren Abbau von stationären Plätzen, eine Ballung an einem Ort sei nicht mehr gewünscht. „Jetzt wollen wir in Boscheln Menschen mit einem höheren Hilfebedarf in die Verselbstständigung bringen. Sie sollen sich durch ein selbstständigeres Leben weiterentwickeln“, sagt Schäfer. In der Appartementanlage in Boscheln könnten die Bewohner zielgerichteter gefördert und individueller unterstützt werden als in der Wohngemeinschaft in Gangelt. Es handelt sich dabei um Menschen, deren aktives Sprachvermögen und die Verkehrstüchtigkeit deutlich eingeschränkt sind.

Einen Gruppenzwang gibt es hier nicht, das Frühstück kann je nach Wunsch alleine im Appartement oder im Gruppenraum eingenommen werden, bevor es in die Werkstatt der Lebenshilfe oder in die Tagesstruktur geht. Die überwiegend pädagogischen Mitarbeiter sollen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleisten und am Abend und an den Wochenenden Freizeitangebote machen.

Auch hofft Schäfer auf gute Nachbarschaft: Auf jeden Fall soll es in der Appartementanlage eine Begegnungsstätte geben, und zur Einweihung wird natürlich auch die Nachbarschaft eingeladen. Derweil steht für Sabine Schäfer fest: „Es wird weiter dezentralisiert. Intensiv ambulantes Gruppenwohnen ist auch in Wegberg in der Planung.“

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