Einbrüche im Kreis Heinsberg: sechs mutmaßliche Täter vor Gericht

Kreis Heinsberg : Neun Einbrüche vor der Aufklärung

Die lange Zeit grassierende Einbruchskriminalität ist im Kreis Heinsberg zuletzt zurückgegangen. Fünf mutmaßliche Täter müssen sich ab Januar vor dem Landgericht Aachen verantworten, der Prozess gegen einen weiteren begann diese Woche vor dem Geilenkirchener Schöffengericht.

Nach Jahren der Negativschlagzeilen gab es vergangene Woche endlich einmal gute Neuigkeiten zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität in der Region: Die Fallzahlen sinken, die Aufklärungsquote steigt, und beides sogar recht deutlich (Ausgabe vom 4. Dezember).

Ihren Teil zur positiven Entwicklung hat die Polizei im Sommer mit der Festnahme von fünf Männern und einer Frau beigetragen, die mit derlei Delikten in Verbindung stehen sollen. Die Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich Anklage erhoben. Fünf der mutmaßlichen Täter müssen sich ab Januar vor dem Landgericht Aachen verantworten, ein weiterer seit dieser Woche vor dem Schöffengericht in Geilenkirchen.

Bei den Angeklagten handelt es sich um drei Deutsche, einen Libyer, einen Niederländer und einen Tunesier im Alter von 31 bis 40 Jahren. Ihnen werden Wohnungseinbruchdiebstahl, schwerer Bandendiebstahl und Diebstahl in besonders schwerem Fall zur Last gelegt. Die Ermittler gehen davon aus, den sechs Personen neun Vorfälle nachweisen zu können, die sich zwischen Ende März und Mitte Juni dieses Jahres in verschiedenen Kommunen des Kreises Heinsberg abgespielt haben. Im Einzelnen geht es um

▶ den Einbruch in eine Doppelhaushälfte in der Kreuzstraße in Gangelt am 31. März,

▶ den Einbruch in eine Erdgeschosswohnung am Ratheimer Markt in Hückelhoven-Ratheim am 9. April,

▶ den Einbruch in das Vereinsheim des Hundesportvereins Birgden in der Nacht auf den 9.Mai,

▶ den direkt anschließenden Aufbruch eines Containers auf dem Gelände des FC Eintracht Birgden,

▶ den Einbruch in den Kindergarten St. Johannes der Täufer in Hückelhoven-Ratheim zwischen dem 9. und dem 13. Mai,

▶ den versuchten Einbruch in ein Einfamilienhaus in der Straße Vennhof in Hückelhoven-Ratheim vom 21. Mai,

▶ den Einbruch in ein weiteres Einfamilienhaus in der Straße Im Rhin in Hückelhoven vom 31. Mai,

▶ den versuchten Einbruch bei einem Einzelhändler im Fachmarktzentrum in Selfkant-Tüddern in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni

▶ sowie um den vollendeten Einbruch bei demselben Einzelhändler in der Nacht darauf.

Bei dem Verfahren am Aachener Landgericht werden drei der Angeklagten als mutmaßliche Haupttäter geführt, während zwei weitere eher als Helfer in Erscheinung getreten sein sollen. So soll einer der Angeklagten im Tüdderner Fachmarktzentrum gearbeitet und entscheidend dazu beigetragen haben, dass der zweite Einbruchsversuch im Gegensatz zum ersten Erfolg hatte. Laut Anklageschrift soll er dafür gesorgt haben, dass eine Tür nicht ordentlich verriegelt wurde, und den Komplizen außerdem den Schlüssel für einen Tresor ausgehändigt haben, in dem sich 6000 Euro befanden, die dann auch zur Beute wurden. Eine weitere als Helferin geführte Angeklagte indes soll, offenbar recht ortskundig, den Haupttätern die Tipps für die Taten in Hückelhoven gegeben haben.

Wie die Ermittler der Gruppe auf die Schliche kamen, ist nicht bekannt. Die Heinsberger Polizei verwies unsere Zeitung diese Woche auf die Pressehoheit der Staatsanwaltschaft, von der jedoch keine nähere Auskunft zu bekommen war. Unklar blieb auch, wieso fünf der mutmaßlichen Täter am Landgericht angeklagt wurden und der sechste in einem eigenen Verfahren in Geilenkirchen.

Einreise nach Belgien

Wo Anklage erhoben wird, lässt  Rückschlüsse auf das Strafmaß zu, das der zuständige Staatsanwalt erwartet. Rechnet er mit einer Strafe von mehr als vier Jahren, muss er Anklage am Landgericht erheben. Geht der Staatsanwalt davon aus, dass die Strafe darunter liegen wird, erhebt er Anklage am zuständigen Amtsgericht. Darüber, wie hoch das Strafmaß tatsächlich ausfällt und ob es überhaupt zu einer Verurteilung kommt, sagt das natürlich noch nichts aus.

In Geilenkirchen fand am Montag eine erste Verhandlung statt. Bei dem hier Angeklagten handelt es sich um den 34 Jahre alten Ramadan H. Er ist in Libyen geboren, wuchs in Tunesien auf und wanderte vor rund zwei Jahren zunächst nach Belgien ein. Dort arbeitete er eigenen Angaben zufolge in einem Restaurant und in einer Shisha-Bar. Anfang dieses Jahres verlegte er seinen Lebensmittelpunkt in die Niederlande, wo er Asyl beantragte. Im Mai reiste H. gemeinsam mit einem Freund unerlaubt nach Deutschland ein, und zwar eigentlich um den Ramadan zu begehen. Einbrecher zu werden, habe er eigentlich nicht im Sinn gehabt, ließ er das Schöffengericht über eine Dolmetscherin wissen, die aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzte. Richterin Corinna Waßmuth sah sich in eine „arabische Märchenstunde“ versetzt, was wohl nicht dem entsprach, was sie sich von der Verhandlung versprochen hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft H. die Beteiligung an sieben der neun oben genannten Taten vor. Das Gericht war aufgrund der vorangegangenen Vernehmungen davon ausgegangen, dass H. sich geständig zeigen würde, und hatte in der Hoffnung auf eine reibungslose Verhandlung keine Zeugen geladen. Allerdings gab H. nur vier der Taten zu – und das, obwohl er auch die übrigen drei gegenüber der Polizei noch gestanden und den Ermittlern zudem aufschlussreiches Täterwissen präsentiert haben soll. Doch auch zu den vier Taten, bei denen er die Beteiligung einräumte, blieben seine Einlassungen widersprüchlich bis unglaubwürdig. „Das passt alles nicht zu dem, was die Ermittlungen erst in Gang gesetzt hat“, gab selbst H.s Rechtsanwalt zu. Erhellend war allenfalls, dass H. angab, zusammen mit seiner Gruppe „jeden Tag“ Kokain konsumiert zu haben, wonach die Delikte der sogenannten Beschaffungskriminalität zuzurechnen sein könnten.

Sichtlich entnervt brach Richterin Waßmuth die Verhandlung nach einer guten Stunde ab und vertagte sie auf Dienstag, 5. Februar. Dann geht noch einmal alles von vorne los, allerdings dürften Zeugen geladen werden, wahrscheinlich auch ein paar von H.s mutmaßlichen Komplizen. H. indes ist auch Zeuge am Landgericht, wo am Dienstag, 8. Januar, der erste von vier Verhandlungstagen ist.