Einbrüche im Kreis Heinsberg: Polizei landete Zufallstreffer

Mutmaßliche Serien-Einbrecher : Heinsberger Polizei landete Zufallstreffer

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat neue Einzelheiten zu den Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Serieneinbrecher bekannt gegeben, die in mehreren Kommunen des Kreises Heinsberg aktiv gewesen sind. Dass die Ermittlungen ins Rollen kamen, hing offenbar mit einem Zufallstreffer zusammen – und einem Streit um die Beute.

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen gegen sechs mutmaßliche Einbrecher mitgeteilt, die im Kreis Heinsberg aktiv gewesen sind und über die unsere Zeitung erstmals am Dienstag berichtet hat. Demnach war es offenbar dem Zufall sowie einem Streit innerhalb der Gruppe zu verdanken, dass diese aufflog.

Bei der Gruppe handelt es sich um drei Deutsche, einen Libyer, einen Niederländer und einen Tunesier, denen die Ermittler insgesamt neun Einbruch- und Diebstahldelikte zurechnen, die sich zwischen März  und Juni dieses Jahres in Gangelt, Hückelhoven und Selfkant abgespielt haben. Fünf von ihnen müssen sich ab Januar vor dem Aachener Landgericht verantworten, der sechste hat bereits am Montag erstmals am Geilenkirchener Schöffengericht auf der Anklagebank Platz genommen. Es handelt sich dabei um den Libyer.

Laut Staatsanwaltschaft kamen die Ermittlungen ins Rollen, nachdem der Libyer am 14. Juni dieses Jahres auf der Bahnhofstraße in Gangelt Polizeibeamten regelrecht in die Arme gelaufen war. Unweit des Rewe-Markts lief er relativ orientierungslos herum und redete unverständliches Zeug. Die Beamten schöpften Verdacht, dass der Mann illegal eingereist sein könnte, und nahmen ihn mit auf die Wache, um seine Personalien zu überprüfen.

Spontane Lebensbeichte

Der Verdacht der illegalen Einreise bestätigte sich, wurde jedoch schnell zur Nebensache. Denn der Libyer hatte sich offenbar mit seinen Komplizen um einen angemessenen Anteil an der Beute aus den vorangegangenen Einbrüchen gestritten – und berichtete davon nun den Beamten in allen Einzelheiten. So kamen sie den fünf anderen mutmaßlichen Tätern auf die Spur, die nach und nach festgenommen wurden.

Dieser Ablauf ist auch der Grund dafür, dass bei der Staatsanwaltschaft im Anschluss zwei separate Verfahren (und nicht nur eines gegen die gesamte Gruppe) eröffnet wurden. Auch durfte sich der Libyer aufgrund seines Geständnisses und seiner freundlichen Aufklärungshilfe wohl Hoffnungen machen, im Falle einer Verurteilung mit einer milderen Strafe davonzukommen. Darauf deutet schon hin, dass seine Anklage in Geilenkirchen und nicht in Aachen erhoben wurde.

Ob dieser Bonus allerdings noch gilt, bleibt abzuwarten. Die Verhandlung am Montag war abgebrochen worden, weil die Einlassungen des Angeklagten sich deutlich von dem unterschieden, was er noch im Sommer der Polizei berichtet haben soll, von einem vollumfänglichen Geständnis konnte keine Rede mehr sein. Richterin und Staatsanwältin zeigten sich zornig, auch der Rechtsbeistand wirkte überrascht von der Entwicklung. Nun ist denkbar, dass der Libyer doch noch gemeinsam mit dem Rest der Gruppe am Landgericht angeklagt wird.