Geilenkirchen: Ein Klaviersommer, der nachklingen wird

Geilenkirchen : Ein Klaviersommer, der nachklingen wird

Acht Tage lang konnte man in der Kreissparkasse oder in der Aula der Realschule „Klassik total“ erleben — bei Lunchkonzerten, Wettbewerben und prachtvollen Klavierabenden mit international bekannten Starpianisten. Nun ist auch der Klaviersommer 2018 Vergangenheit, aber erneut hat er bei hunderten von Besuchern unvergessliche Eindrücke hinterlassen.

Wie immer bildete das abschließende Galakonzert der Preisträger den Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltung. Die Schalterhalle der Kreissparkasse war einmal mehr nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt. In einer kurzen Ansprache bedankte sich Filialleiter Michael Kempken bei den Organisatoren Florian Koltun und Xin Wang, die den Klaviersommer durch ihre weitreichenden Beziehungen und ihren Einsatz ermöglicht hatten. Florian Koltun hob die finanzielle Unterstützung seitens der Kreissparkasse hervor und dankte den Klavierfirmen Rumler und Diehl für die Bereitstellung der hervorragenden Flügel und deren regelmäßige Nachstimmung.

Die Zweitplatzierte des Euregio Piano Awards heißt Marija Iudenko und spielte die „Nussknacker-Suite“. Foto: Dettmar Fischer

Mitreißende Wiedergabe

Zum Abschlus des 6. Euregio Piano Awards kamen noch einmal Preisträger, Veranstalter und Mitglieder der Jury auf der Bühne zusammen. Foto: Dettmar Fischer

Dann aber wurde es Zeit für die Verleihung der Preise. In der Kategorie A (bis 13 Jahre) erwies sich das künstlerische Niveau als so hoch, dass allen Teilnehmern Preise zugesprochen wurden: Dritte Preise gingen an Qian Yi Li (China), Vidrih Kaufman, Anna Ulmschneider (beide Deutschland) und Eva Barkova (Russland). Der zweite Preis wurde an Tran Minh Chau (Vietnam), Cui Yi Xin und Zhang Jun Yu (beide China) vergeben. Den ersten Preis teilten sich Vitus Polley (Deutschland) und Soley Blümel (Österreich).

Diese beiden durften auch den musikalischen Reigen am Abschlusstag eröffnen: Vitus Polley gelang eine mitreißende Wiedergabe der „Tarantella aus Venezia e Napoli“ von Franz Liszt, deren Beginn kurioserweise Assoziationen zum Rock’n’Roll weckt und erst allmählich zum Rhythmus des bekannten Volkstanzes fand. Mit wunderbar perlenden Klängen begeisterte Soley Blümel mit dem Improptu op. Nr. 3 von Hugo Reinhold.

In der Kategorie B (14 bis 17 Jahre) gab es ein Diplom für Hulusi Ege Koyutürk (Türkei). Martin Sun (Deutschland) und Han Xi Yin (China) erhielten dritte Preise, über zweite Preise durften sich Phan Thien Bach An (Vietnam) und Sun Yi (China) freuen. Die höchste Auszeichnung ging an Lius Paul Dönneweg (Deutschland), der sich mit dem bezaubernd schönen vierten Stück aus den „Miroirs“ von Maurice Ravel präsentierte.

Strenger war die Auslese schon in der Kategorie C (ab 18 Jahre). Hier gingen Diplome an Jin Yi Guo, Nan Shen, Ye Tao, Yue Wang, Yin Xuan Zhao, Yue Yuan Pang (alle China), Masumi Hakamata (Japan), Sezen Karakas (Türkei) und Yana Nikolajenko (Ukraine). Den dritten Preis erhielt Ladislav Palkovic (Slowakei), den zweiten Preis teilten sich Stefano Zeitler (Italien) und Aryaman Natt (Großbritannien). Unumstrittener Sieger wurde aber Georg Rasumovskij (Deutschland), der schon an der Kölner Musikhochschule studiert. Er trug zunächst eine fein differenzierte Sonate in d-moll aus der Feder des Barockmeisters Domenico Scarlatti vor und gestaltete danach souverän die noch spätromantisch gefärbte, aber technisch hochgradig anspruchsvolle Sonate Nr. 1 von Sergej Prokofiew.

Nach der Pause waren die Preisträger des 6. Euregio Piano Award an der Reihe. Zunächst bedankte sich Florian Koltun bei den Mitgliedern der Jury. Mario Coppola, Gianluca Luisi (beide aus Italien), Dorian Leljak (Serbien) und Eric Schoones (Niederlande) hätten zusammen mit ihm und seiner Frau Xin Wang einen wahren Musik-Marathon absolviert, um die 67 Teilnehmer zu hören und zu bewerten.

Umfangreiche Preisverleihung

Auch hier fiel die Preisverleihung umfangreich aus: Ehrendiplome gingen an Shen Wang, Sijin Linag (beide China), Evgenij Savelev, Nail Mavliudov (beide Russland), Szymon Orlinski, Jakub Marianczyk (beide Polen) Ye Jin Kwon, Eun-Ji Kim, Jeongro Park (alle Südkorea), Okhi Tomoka, Motohiro Sato, Anna Ojiro (alle Japan), Andrew Yang, Frane Rusinovic, Colton Pertier (alle USA), Josephine Schmirl, Ken Marius Mordau (beide Deutschland), Ka Jeng Wong (Hongkong), Florent Ling (Frankreich), Apor Szüts (Ungarn), Oleksij Kanke (Ukraine), John Mc Namara (Irland), Gregor Desman (Slowenien) und Gabriele Taranto (Italien). Einen Sonderpreis gab es für Jan Vojtek (Tschechien). Den dritten Preis teilten sich Luke Jones (Großbritannien), Aleksandra Mazurkevic (Estland) und Mikolaj Sikala (Polen). Eindeutig war die Wahl bei den höchsten Preisen: Platz zwei ging an Marija Iudenko (Ukraine) und Platz eins an Yaroslav Bykh (ebenfalls aus der Ukraine).

Alle fünf Preisträger bestritten sodann den zweiten Teil des Konzertes. Luke Jones hatte sich die ersten vier Etüden aus op. 10 von Chopin ausgesucht. Prachtvoll und festlich erklang die erste, die zweite huschte rasch und geheimnisvoll vorüber. Die überschwänglich-lyrische Nr. 3 ist wohl die populärste (man kennt sie auch als Gesangsstück), während in der vierten das slawische Temperament des Komponisten zur Geltung kommt. Mikolaj Sikala kam dann zunächst mit der knapp gehaltenen, aber harmonisch höchst komplizierten Etüde op. 65 Nr.3 von Skrjabin zu Wort und fesselte anschließend die Zuhörer mit den von Jazz-Elementen durchsetzten Variationen op. 41 von Nikolai Kapustin. Mit der Sonate in G-Dur von Joseph Haydn war auch ein Vertreter der Wiener Klassik im Programm vertreten. Auf fulminante Weise interpretierte Aleksandra Mazurkevic dieses Stück, wobei sie mit viel Spielwitz dem Humor des Komponisten absolut gerecht wurde.

Großartig war auch der Auftritt von Marija Iudenko mit der Klavierfassung der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowski. Einen letzten Glanzpunkt setzte dann Yaroslav Bykh mit den Nummern 2 und 3 aus den „Miroirs“ von Maurice Ravel — keine brausende Virtuosenmusik, sondern ein stiller, mystisch entrückter Ausklang des Abends. Am Ende gab es lautstarken und hochverdienten Beifall für alle Interpreten — der nächste Klaviersommer kommt bestimmt!

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