SPD-Kommunualpolitiker zur Stichwahl: „Ein bisschen revolutionär und zukunftsweisend“

SPD-Kommunualpolitiker zur Stichwahl : „Ein bisschen revolutionär und zukunftsweisend“

Im Rennen um den SPD-Parteivorsitz haben sich zwei Duos hervorgetan, die im Dezember in einer Stichwahl antreten. SPD-Kommunalpolitiker aus Geilenkirchen äußern sich zu dieser Wahl.

Das Rennen um den SPD-Parteivorsitz ist noch nicht zu Ende, allerdings haben sich die Parteimitglieder für zwei Duos entschieden, die im Dezember in einer Stichwahl gegeneinander antreten: Die Kandidatenpaare Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sowie Olaf Scholz und Klara Geywitz gratulierten am Wochenende einander zum Einzug in die Stichwahl. Die Wahl ist durch den Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles im Juni erforderlich. Wie haben lokale SPD-Politiker abgestimmt? Unsere Redakteure Udo Stüßer und Michèle-Cathrin Zeidler haben einige Genossen gefragt:

Marko Banzet, Vorsitzender der Geilenkirchener SPD, erklärt, dass auch im Ortsverband Geilenkirchen die Verfahrensweise und die Kandidaten diskutiert worden seien. Der Kreisverband habe einen Bus angeboten, der zur Regionalkonferenz nach Troisdorf gefahren sei. Von diesem Angebot hätten viele OV- Mitglieder Gebrauch gemacht. Die Verfahrensweise sei im Allgemeinen sehr gut angenommen worden, lobt Banzet. Kritik habe es höchstens an der Dauer der Abstimmung bis Ende Dezember gegeben.

Natürlich hat auch Banzet gewählt: „Viele Kandidatenpaare haben die Kompetenz, die SPD gut zu führen. Aber meine Favoriten sind Kampmann/Roth“, erklärt er. Die Gründe seien sehr vielfältig: „Sie haben früh ihre Ideen vorgestellt, wie sie die SPD neu aufstellen und wieder zu einer linken progressiven Volkspartei machen möchten. Frau Kampmann hat als Ministerin in NRW gute Arbeit geleistet und ist mir auch persönlich bekannt. Herr Roth ist als Staatsminister für Europa und MdB in der Partei sehr gut vernetzt. Auch ihr Alter und dass sie innerhalb der Partei nicht schon zum Establishment gehören, sind für mich wichtige Gründe.“

Christoph Grundmann, Fraktionschef der Geilenkirchener SPD, findet, dass es einige gut geeignete Kandidaten-Teams gegeben hat. Wichtig für ihn sei aber eine qualitative Verjüngung an der Spitze der SPD. Zudem komme hinzu, dass er Christina Kampmann persönlich kenne und sehr viel von ihr halte. „Als ehemalige Familienministerin von NRW verfügt sie auch über das „Know how“ zu führen. Die gesamte SPD kann von ihr nur profitieren. Das Team mit Michael Roth zusammen halte ich für genial, da sich beide perfekt ergänzen. Aus meiner Sicht ist das der richtige Weg.“ Die SPD müsse jünger werden und dürfe dabei vor allem nicht an Qualität verlieren.

„Es ist meines Erachtens eine gute Sache, die Mitglieder bei der Entscheidung mitzunehmen und zu beteiligen“, erklärt Andrea Reh, stellvertretende Vorsitzende der Gangelter SPD. Dass sich so viele engagierte Menschen für den Parteivorsitz beworben hätten, sei ein gutes Zeichen. „Viele gute Ideen in den vergangenen Jahren gingen von der SPD aus. Leider haben andere Parteien die Erfolge für sich verbucht“, erklärt sie. Sie selbst habe sich für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans entschieden. „Es hat mich überzeugt, dass sie sich für mehr Gerechtigkeit und Zusammenhalt in der Gesellschaft einsetzen. Sie sind pragmatische und glaubwürdige Politiker, die die Sorgen und Nöte der Menschen im Alltag kennen und für Solidarität einstehen.“

Die beiden hätten die drängenden Themen der nächsten Jahre wie „Klimakrise“ und „Digitalisierung“ auf dem Schirm und würden vernünftige, überlegte und sachlich fundierte Antworten geben.

Ganz aktuell würden sie sich von dem unbedachten Schnellschuss von AKK in der Frage der Einrichtung einer international kontrollierten Sicherheitszone im syrischen Grenzgebiet distanzieren. Ein solches militärisches Abenteuer komme für beide nicht in Frage. Gut, dass die beiden den Mut haben, sich den Eitelkeiten von AKK in den Weg zu stellen“, meint die Gangelterin.

Alf-Ingo Pickartz, Übach-Palenberger SPD-Parteichef, will nicht preisgeben, wem er seine Stimme gegeben hat, und beruft sich darauf, dass es sich um eine geheime Wahl handelt. Allerdings erklärt er: „Die SPD wählt ihre neuen Vorsitzenden. Es ist gut, dass sie ihre Mitglieder darüber abstimmen lässt. Ich bin davon überzeugt, dass im persönlichen Votum der weit über 400.000 SPD-Mitglieder in Deutschland die Chance liegt, auf lange Dauer eine Parteispitze zu etablieren.“ Neu sei die Idee der Doppelspitze aber sicher nicht, ein bisschen revolutionär und zukunftsweisend sei es aber schon, dass sich die Pärchen gemeinsam für die Führung der Partei bewerben. Dies lasse auf eine gute Zusammenarbeit schließen und eröffne beiden Vorsitzenden die Chance, auf Augenhöhe ihre Ideen einzubringen. „Es sei unbestritten, dass die großen Koalitionen der vergangenen Wahlperioden der SPD sehr geschadet haben.“ Dies sei nicht der alleinige Punkt der momentanen Schwäche. Deshalb werde ein Verlassen dieser Koalition auch nicht die Lösung der Probleme sein. Vielmehr brauche es Mut und Zuversicht des neuen Vorsitzenden-Duos, auf alle gesellschaftlichen Fragen eine Antwort zu finden und einen Lösungsvorschlag anzubieten.

„Ich habe für keines der beiden Pärchen gestimmt und befinde mich in guter Gesellschaft mit unseren Mitgliedern, schließlich liegen die Wettbewerber allesamt nicht so weit auseinander“, meint Pickartz. Bei der Stichwahl werde er die Kandidaten wählen, die die Arbeit in der Groko ernsthaft weiterführen und dennoch eine klare Zukunftsausrichtung für die Zeit danach hätten.

Mehr von Aachener Nachrichten