DRK und Stadt Geilenkirchen bieten Flüchtlingsberatung

Flüchtlingsberatung : Hunderte Probleme sind gelöst

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Geilenkirchen hat das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Heinsberg, in Geilenkirchen vor gut einem Jahr eine Regionale Flüchtlingsberatungsstelle eingerichtet. Einige Hundert Probleme konnten so gelöst werden.

Khalil-Ahmad Hussein kam 1984 als Flüchtling nach Deutschland. Der gebürtige Libanese war den Schrecken des Bürgerkrieges in seinem Heimatland entkommen. Als er im September 2015 in der Heinsberger Notunterkunft Lothar Terodde, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, kennenlernte, bot er seine Dienste an. Wenige Tage später war Khalil-Ahmad Hussein Mitarbeiter des DRK und in der Flüchtlingsunterkunft „ein Mann für alles“. „Er sorgte aber auch für Frieden vor Ort und war für 150 Menschen eine Art Sozialarbeiter“, blickt Ira Stormanns, Assistentin der DRK-Geschäftsführung, auf diese Zeit zurück.

Seit gut einem Jahr ist der gelernte Kaufmann für Flüchtlinge Ansprechpartner und Berater in fast allen Lebenslagen. Wenn es um soziale oder gesundheitliche Fragen geht, wenn es die Eingliederung von Flüchtlingskindern in unser Bildungssystem geht, wenn es um die Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz geht oder auch um das Ausfüllen von Anträgen oder Formularen, steht der Mann, der perfekt Deutsch, Englisch und Arabisch spricht, zur Verfügung. „Ich weiß, was die Leute denken, ich weiß was sie wollen. Ich habe alles selbst schon einmal erlebt“, sagt Hussein. Einmal in der Woche, freitags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr, hat er in der Flüchtlingsunterkunft An der Friedensburg im Auftrag des DRK Sprechstunde.

Auch an diesem Freitagmorgen wird er am frühen Morgen von vier Hilfesuchenden erwartet: Ein Antrag auf Arbeitslosengeld muss ausgefüllt werden, eine Mutter sucht Hilfe bei der Anmeldung ihres Kindes in der Schule, ein Flüchtling benötigt Hilfe bei der Bewerbung um einen Studienplatz für Architektur, und ein Facharzt muss an diesem Morgen ebenfalls gesucht werden. „Deutsche Anträge sind doch oft auch für deutsche Muttersprachler eine Herausforderung“, weiß Lothar Terodde.

Seit einem Jahr nun kooperieren das DRK und die Stadt Geilenkirchen. Zusammen haben sie An der Friedensburg eine Regionale Flüchtlingsberatungsstelle aufgebaut. Mit im Boot sitzen die Caritas und die Diakonie. 122 Flüchtlinge wurden in einem Jahr beraten. Und da jede Familie gleich mehrere Fragen hat, wurden in diesem Jahr einige Hundert Probleme gelöst. Diese Probleme werden in eine Datenbank gespeist und von NRW IT anonymisiert ausgewertet ans Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf weitergeleitet, das das Projekt in Geilenkirchen mit 16.000 Euro im Jahr fördert.

Ungefähr den gleichen Betrag lässt das DRK in die Regionale Flüchtlingsberatung fließen. „Nachdem Ende 2016 die Erstaufnahmeeinrichtung in Niederheid geschlossen wurde, mussten wir alle alleine im Jahr 2017 145 Asylbewerber in Geilenkirchen aufnehmen. Da konnten wir uns gerade einmal um Unterkünfte und die Grundversorgung kümmern. Erst seit die Zahlen rückläufig sind, können wir Einzelberatung vornehmen“, erklärt Yvonne Wolf, Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt Geilenkirchen. Sie freut sich ebenso wie Erster Beigeordneter Herbert Brunen über die Unterstützung des DRK. Denn: „So viel Einzelberatung können wir als Stadt gar nicht leisten“, sagt Yvonne Wolf.

220 Asylbewerber und 80 anerkannte Flüchtlinge leben derzeit in Geilenkirchen, der Beratungsbedarf ist immer noch groß. „Manche Flüchtlinge kommen aus bildungsfernen Schichten, haben in ihrer Heimat keine Ausbildung absolviert und brauchen eine Dauerberatung“, weiß die Flüchtlingsbeauftragte. „Und auch diesen Menschen müssen wir Teilhabe ermöglichen. Wir bereiten sie auch auf Bewerbungsgespräche vor und begleiten sie zu diesen Terminen. 2015 mussten wir mit Essen, Bett und Zahnbürste helfen, heute geht es um ganz komplexe Hilfestellungen“, sagt Terodde.

Das sieht auch seine Assistentin so: „Neue Aufgaben kommen hinzu. Da reicht bürgerliches Engagement nicht mehr aus. Mit Khalil-Ahmad Hussein haben wir den richtigen Mann: Sprache und eigene Erfahrung verbindet. Und auch das Vertrauen ist wichtig.“ Dass das Vertrauen da ist, zeigen Hunderte Probleme, die im vergangenen Jahr gelöst wurden.

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