Übach-Palenberg: Doch Unfallrente für Ex-Kumpel

Übach-Palenberg : Doch Unfallrente für Ex-Kumpel

Anni Senz, Vorsitzende des Ortsverbandes Übach-Palenberg des Silikosebundes, ist erleichtert.

„Es ist Bewegung in die Sache gekommen.” Auch Günter Wintz, Vorsitzender des Seniorenvereins St. Barbara Palenberg, begrüßt „die Abschaffung dieser nie verstandenen Regelung”. Denn hier wurde „mit zweierlei Maß gemessen”.

Die Bundesregierung streicht die umstrittene Stichtagsregelung bei der Anerkennung der Bergmanns-Bronchitis (Staublunge) als Berufskrankheit Nr. 4111. Die Bergbau-Berufsgenossenschaft „rührt sich”, so Senz.

Mitglieder, die auf Carolus-Magnus, Übach, Palenberg, auf Sophia-Jacoba, Hückelhoven, oder auf einer anderen Zeche im Aachener Steinkohlenrevier gearbeitet haben, hätten erste positive Bescheide erhalten, dass sie eine Unfallrente bekommen. Gezahlt werde sogar vier Jahre rückwirkend, berichtet Senz.

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) begrüßt es, dass Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) „seinen Widerstand aufgegeben hat”. Jetzt könnten die erkrankten Bergleute oder deren Hinterbliebene die entsprechenden Sozialleistungen (Rente der Berufsgenossenschaft und volle Zahlung von Heilmitteln) erhalten. Laut Berufskrankheitenverordnung wurde bisher bei Bergleuten nur dann eine chronisch obstruktive Bronchitis als Berufskrankheit anerkannt, wenn diese nach dem 1. Januar 1993 diagnostiziert worden war.

Kumpel, deren Erkrankung vor dem 31. Dezember 1992 festgestellt worden war, hatten keinen Leistungsanspruch.

Erst 1997 war die Staublunge als Berufskrankheit vom Gesetzgeber anerkannt worden. Allerdings wurde damals aus Kostengründen eine Stichtagsregelung eingeführt, obwohl nur Bergleute daran erkranken konnten, die in früheren Zeiten unter Tage gearbeitet hatten, weil damals. als in den Flözen noch mit Presslufthämmern gearbeitet wurde, die Staubdosis noch extrem hoch war.

So sind tausende Kumpel ohne besondere Behandlung und ohne Rentenzuschläge längst verstorben, und auch ihre Witwen gingen leer aus. Derzeit wird bundesweit noch mit etwa 800 Leistungsfällen gerechnet, der finanzielle Aufwand wird auf 30 Millionen Euro geschätzt.

Mehr von Aachener Nachrichten