Übach-Palenberg: Die „TeilBAR“ bietet unbürokratische Hilfe vor Ort

Übach-Palenberg : Die „TeilBAR“ bietet unbürokratische Hilfe vor Ort

Das rote Flatterband am Parkplatz vor dem Familienzentrum „Meragel“ an der Theodor-Seipp-Straße in Frelenberg weht in der doch steifen Brise vor sich hin. Das Band ist nicht da, um den Eingang zu versperren, sondern um die noch junge Rasenfläche vor dem Betreten zu schützen.

Um die Menschen davor zu bewahren, aus Geldnot nichts im Küchenschrank zu haben, gibt es direkt neben der mit dem frech flatternden Band abgesperrten Fläche noch ein nahezu unscheinbares Häuschen. „TeilBAR“ steht dran, drin ist ein Angebot der Hilfe zur Selbsthilfe, das vom rührigen Team des Familienzentrums vor mehr als einem Jahr eingerichtet wurde.

Die „TeilBAR“ ist ein Projekt von Einrichtungsleiterin Andrea Schmitz-Pauli (r.) und Monika Echsler. Hier können Spenden abgegeben werden für diejenigen, die nichts im Küchenschrank haben. Foto: Markus Bienwald

Drinnen in der liebevoll gebauten und eingerichteten Hütte gibt es während ihrer Öffnungszeiten haltbare Lebensmittel für Jedermann. Aber es gibt auch die Chance für jeden, der mag, etwas hineinzutun in diesen Schrank, damit Menschen, die in Not sind, sich dort mit den nötigsten Lebensmitteln versorgen können.

„Wir wollen damit dem Gedanken, Nahrungsmittel zu teilen, in unserem Sozialraum ein neues Gesicht geben“, sagte Einrichtungsleiterin Andrea Schmitz-Pauli vor Jahresfrist über die Idee. Es sollten sich diejenigen dort bedienen dürfen, denen Dinge zum täglichen Leben fehlen, aus welchem Grund auch immer.

Die Bilanz gut ein Jahr nach der Eröffnung ist prima. „Die Teilbar wird sehr gut angenommen und ist stark frequentiert“, freut sich Schmitz-Pauli. So hat sich die Teilbar in kurzer Zeit als ein wertvolles Instrument erwiesen, Menschen zu versorgen, ohne damit andere Hilfsangebote ausstechen zu wollen. Vielmehr geht es darum, auch in den Dialog zu kommen.

„Wir versuchen das immer wieder“, bekräftigt die Leiterin. Sie hat wie auch ihre Mitarbeiterin Monika Echsler nicht nur seit dem Start der „Teilbar“ ein feines Gespür dafür bekommen, wer etwas braucht.

„Besonders in den Tagen vor dem Letzten im Monat erhöht sich die Zahl derer, die Lebensmittel benötigen“, berichtet Andrea Schmitz-Pauli. Umso mehr freut es sie, dass es zwar Spender gibt, die regelmäßig dazu beitragen, dass die Regale nachgefüllt werden können. Aber natürlich ist es auch so, dass mehr Spender das Projekt noch besser unterstützen würden.

„Es gibt einige Spender, die wirklich regelmäßig Lebensmittel oder Hygieneartikel bringen“, schließt Andrea Schmitz-Pauli, „aber dem stehen mindestens 20 bis 30 Familien gegenüber, die täglich ihr Glück versuchen, leider aber oft mit leeren Händen wieder gehen müssen“. Dabei ist Spenden hier besonders einfach: Während der Öffnungszeiten kann nicht nur jeder, der etwas braucht, etwas entnehmen. Auch jeder, der etwas spendet, kann hineingehen, und sein Werk verrichten.

Anmelden muss sich niemand, das Prinzip lautet Selbstverwaltung mit Unterstützung durch Spender, Listen werden ebenso wenig geführt wie es eine Aufsicht braucht. Und vielleicht ist es gerade diese Hilfe, die ohne Bürokratie auskommt, die in Frelenberg ankommt.

Zahlen auf den Tisch legen will hier niemand, aber dennoch wollen alle Beteiligten darauf aufmerksam machen, dass es im Sozialraum Menschen gibt, die von Armut betroffen sind. So kennen die Mitarbeiterinnen vom Familienzentrum die unverschuldete Not, in die arme Familien oder auch alleinstehende Rentner schnell rutschen können. „Es gibt beispielsweise ein paar Rentner, die haben einfach nichts“, so Schmitz-Pauli.

Ausgenutzt wird das Angebot trotzdem nicht: „Da macht sich keiner die Taschen voll, unserer Erfahrung nach nehmen sich die Menschen das, was sie am Tag brauchen, heraus“, weiß Schmitz-Pauli. Die Menschen sind zurückhaltend, scheu, wollen nicht, dass jemand ihre Not sieht, oder umgekehrt auch sehen kann, dass etwas gespendet wird, das wissen die Damen von „Meragel“.

Nicht nur jeder, der haltbare Lebensmittel, Obst, Gemüse, Konserven, Trockenvorräte oder auch Getränke teilen will, darf seine Spende in die Teilbar geben. Eine zweite Möglichkeit gibt es auch: die Geldspende.

Ohne Spenden wäre das Ganze übrigens nicht möglich gewesen: So war die Aktion „Menschen helfen Menschen“ unserer Zeitung maßgeblich beteiligt, um den Bau zu ermöglichen. Gebaut haben die ansehnliche „Teilbar“ übrigens der Hausmeister und sein Schwager.

Und dass der Bau auch nach einem Jahr makellos dasteht, ist natürlich nicht dem Flatterband zu verdanken. Vielmehr, das weiß auch Andrea Schmitz-Pauli, wissen die Menschen hier das Familienzentrum und seine Angebote zu schätzen. „Da kommt nix weg, die passen auf die Sachen auf“, weiß sie. Und sie freut sich, dass es auch ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger gehen kann, Hilfe vor Ort dauerhaft zu installieren.

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