Übach-Palenberg/Geilenkirchen: Die Narbe im Stadtbild von Übach-Palenberg schließt sich

Übach-Palenberg/Geilenkirchen : Die Narbe im Stadtbild von Übach-Palenberg schließt sich

Baulücken sind begehrt. Entdeckt die Verwaltung einer etwas größeren Stadt wie Aachen oder erst recht einer ziemlich großen Stadt wie Köln eine, dann werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie mit irgendwelchen Gebäuden zu füllen, und zwar lieber morgen als übermorgen. Sehr ähnlich ist das in Übach-Palenberg, das zwar eine eher nicht so große Stadt sein mag, allerdings trotzdem ein Platzproblem hat.

Das liegt am sehr knapp bemessenen Stadtgebiet auf der einen und der wachsenden Einwohnerzahl auf der anderen Seite. Noch akuter ist der Bedarf freilich geworden, seitdem im Mariental zahlreiche geschützte Arten gefunden worden sind und sich abzeichnet, dass das dort geplante Baugebiet gegenüber den Planungen deutlich zusammenschrumpfen wird.

Wie ist die Luft da unten? Dieser Arbeiter lässt beim Trassenrückbau für einen Augenblick die Aussicht auf sich wirken.

Maßnahmen im Malerviertel

Auch an der Ecke Talstraße/Nützeberg, wo zurzeit noch eine Brache klafft, entsteht ein Haus mit fünf Stockwerken.

Groß war also die Freude, als der RWE-Konzern vergangenes Jahr begann, die uralte Stromtrasse zurückzubauen, die von Herzogenrath nach Geilenkirchen und mitten durch Übach-Palenberg führte. Der Rückbau ist mittlerweile abgeschlossen, geblieben ist brach liegender Raum, der sich wie eine Narbe quer durchs Stadtgebiet zieht — voller kostbarer Baulücken.

Dass die Trasse irgendwann verschwinden würde, war in den Reihen der Stadtverwaltung seit Jahren bekannt. Dementsprechend viel Zeit hatte man, sich Gedanken darüber zu machen, was man im Anschluss mit dem entstehenden Platz anfangen will. Und präsentiert nun recht schnell erste Ergebnisse, über die kommende Woche (Mittwoch, 11. April, 17 Uhr) auch im Bauausschuss gesprochen werden wird. Die Verwaltung würde gern die folgenden Schritte unternehmen, die sich alle auf das Malerviertel beziehen.

Die kleine Grünfläche zwischen Jülicher Straße/Baesweilerweg und Paul-Klee-Straße/Rubensstraße soll zugebaut werden. Platz wäre laut Verwaltung für rund fünf Grundstücke. Die Paul-Klee-Straße, die in nördlicher Richtung zurzeit noch eine Sackgasse ist, soll bis auf den Baesweilerweg durchgestochen werden. Es wäre voraussichtlich lediglich das Rechtsabbiegen erlaubt, jedenfalls lautet so der Vorschlag der Verwaltung.

Ein Bauherr würde gerne eine Kaufoption für Grundstücksteile im Bereich Paul-Klee-Straße/Kokoschkastraße wahrnehmen und dort Wohnhäuser errichten. Die Verwaltung will ihm da nicht im Wege stehen und per politischem Beschluss entsprechende überbaubare Flächen ausweisen lassen.

Im Bereich Noldestraße und Menzelweg sieht die Verwaltung ebenfalls Möglichkeiten zur sogenannten Nachverdichtung. Durch die Teilung bestehender Grundstücke sollen Bauflächen für die Eigentümer geschaffen werden. Auch sollen einzelne Baufenster begradigt werden.

Das sind fürs Erste die Optionen in Sachen Wohnbebauung. Und auch für die Industriebetriebe nördlich des Malerviertels bieten sich ganz neue Möglichkeiten zur Expansion. Der Grund dafür ist, dass bislang Sicherheitsabstände zu den Leitungen eingehalten werden mussten, was sich nun natürlich erledigt hat.

Dass das Verschwinden der Stromtrasse in Übach-Palenberg recht breite Möglichkeiten eröffnet, hat historische Gründe. Die Trasse war 87 Jahre alt, sie entstand also noch zu Zeiten der Weimarer Republik. Damals existierte das heutige Übach-Palenberg in dieser Form noch nicht, die Trasse führte vor allen Dingen über plattes Land — ganz so, wie es ja bis zuletzt nördlich und südlich von Übach-Palenberg noch immer der Fall war. Als die einzelnen Dörfer und Dörfchen nach und nach zusammenwuchsen, mussten sie also Rücksicht auf die bereits vorhandene Trasse nehmen.

Nicht ganz so zentral liegen hingegen die Ortsteile, die die Trasse in Geilenkirchen durchschnitt. Sie drang im Bereich Loherhof ins besiedelte Gebiet ein, ließ Burg Trips rechts liegen, kreuzte Martin-Heyden-Straße und Berliner Ring, um dann im Wohngebiet Tripser Wäldchen am dortigen Umspannwerk zu enden. Dennoch beschäftigt man sich auch im dortigen Rathaus mit den sich eröffnenden Möglichkeiten. „Wir befinden uns in der internen Prüfung, Baugebiet für Baugebiet“, bestätigt der Technische Beigeordnete Markus Mönter.

Zu hohe Erwartungen allerdings bremst er sogleich aus. An vielen Orten könne der entstandene Platz nicht einfach überbaut werden, weil er nicht exklusiv für die Leitungen freigehalten wurde, sondern beispielsweise auch für Versickerungsanlagen oder Wege. Und wieder andere Bereiche seien bepflanzt und dann als ökologische Ausgleichsflächen angerechnet worden.

In Übach-Palenberg hat man unterdessen übrigens noch eine weitere Baulücke aufgetan, und zwar an der Ecke Talstraße/Am Nützeberg, also in Hörweite zur Friedrich-Ebert-Straße. Mit der RWE-Stromtrasse hat sie wohlgemerkt nichts zu tun, gefüllt werden soll sie dennoch: Mit einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus, das zwölf Wohnungen umfassen wird. Auch diese Planungen sollen kommende Woche im Bauausschuss vorgestellt werden.

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