Geilenkirchen: Die Kultur in Zeiten klammer Kassen

Geilenkirchen: Die Kultur in Zeiten klammer Kassen

Das Kulturamt der Stadt Geilenkirchen geht neue Wege. Denn in Zeiten knapper Kassen befinden sich Amtsleiter Gort Houben und seine Mitarbeiter auf einer Gratwanderung: Einerseits wurde der 270.000 Euro umfassende Etat um 50.000 Euro gekürzt, andererseits soll den Bürgern ein ansprechendes Kulturprogramm auf gleich hohem Niveau geboten werden.

Von diesen 270.000 Euro wurden bisher lediglich 30 000 Euro für das Programm, also für Verträge mit den Künstlern, ausgegeben, der Rest waren unter anderem Personalkosten, Kosten für den Bauhof und für die Druckerei. „In diesen Zeiten wird an freiwilligen Leistungen gespart. Und so wurde in unserem Amt eine Stelle gestrichen”, erklärt Gort Houben.

Aber auch die Anzahl der Kulturveranstaltungen wurde von 65 auf 45 reduziert. „Leider Gottes”, wie Roswitha Reinartz aus dem Kulturamt kommentiert.

Dennoch schauen die beiden mit einer großen Portion Optimismus in die Zukunft. „Wir haben die Hoffnung, dass wir durch die knappen Mittel in Geilenkirchen enger zusammenrücken und unter dem Strich etwas Positives, ein Mehr an Kultur, erreichen. Wenn uns das gelingt, haben wir etwas für die Zukunft erreicht. Die Zeit ist reif”, sagt Houben.

Vorbei sind die Zeiten, in denen den Bürgern lediglich ein vom Kulturarbeitskreis und Kulturamt vorbereitetes Programm serviert wird, das alleine aus dem Stadtsäckel finanziert wird. „Wir sind ständig auf der Jagd nach Leuten, die unseren Weg mit uns gehen”, sagt Houben und verweist dabei auf die gute Zusammenarbeit mit dem Aktionskreis, mit Vereinen, mit der Volkshochschule, dem Stadtjugendring und der Europa-Union.

„Ohne Partner könnten wir ein solches Programm nicht aufrecht erhalten”, weiß er. Jetzt will der Kulturamtsleiter die Vereine verstärkt ins Boot holen: Seit nunmehr zwei Jahren bietet die Stadt in den Sommerferien „Park open” an, eine kostenlose Konzertreihe im Wurmauenpark für Daheimgebliebene.

„Damit wollen wir den breiten Geschmack treffen. Die Leute sollen Spaß haben, Musik hören, essen und trinken. Ab dem nächsten Jahr sollen sich die Vereine im Wurmauenpark präsentieren.”, so Houben.

„Und durch den Verkauf von Kaffee und Kuchen Geld für die Vereinskasse verdienen”, sagt Roswitha Reinartz, die jetzt schon unter Tel. 629414 gerne Anmeldungen für die nächsten Sommerferien entgegennimmt.

Angesprochen sind nicht nur die musizierenden Vereine: „Zwischen den Musikstücken könnten sich doch auch Tanzgruppen und Sportvereine präsentieren”, hofft Houben auf großen Zuspruch. Gleichzeitig versichert er: „Wir besorgen die ganze Logistik und helfen den Vereinen bei der Planung.” Zunächst sollen die „Park open” nur in den Sommerferien stattfinden. Ist der Zuspruch aber so groß, ist eine Ausdehnung der Veranstaltungsreihe nicht ausgeschlossen.

Die Mitarbeiter des Geilenkirchener Kulturamtes wollen vermehrt die Vereine unterstützen. So denkt Houben derzeit auch über die Bereitstellung eines „Kulturmobils” mit Beschallung, Beleuchtung, Tischen und Bänken an Bord nach. „Damit könnten sich die Vereine auch außerhalb der gewohnten Räumlichkeiten präsentieren”, blickt Houben in die Zukunft.

Auch ansonsten soll das Geilenkirchener Kulturprogramm auf eine breitere Basis gestellt werden. War es bislang der Kulturarbeitskreis, ein aus kulturell interessierten und versierten Bürgern bestehende Gruppe, der dem Kulturamt Vorschläge für das Programm erarbeitete, so soll diese Arbeitsgemeinschaft jetzt zu einem Verein ausgeweitet werden. „Jeder kann hier eintreten”, erläutert Houben.

Er hat die Erfahrung gemacht, dass besonders junge Menschen nicht nur eine Auswahl treffen wollen, sondern eigene Veranstaltungen, ob Konzerte, Ausstellungen oder Lesungen, von der Planung bis zur Ausführung begleiten wollen.

Bei der ersten Mitgliederversammlung wurde die Geilenkirchener Künstlerin Henriette Echghi Ghamsari zur ersten Vorsitzenden gewählt, die Eintragung als Verein steht kurz bevor. 25 Mitglieder hat der neue Verein jetzt schon, etwa 25 weitere kulturell interessierte Menschen haben ihre Beitrittsabsicht bekundet. „Wir haben fast alle Geilenkirchener Künstler hier unter einem Hut”, freut sich Roswitha Reinartz.

In den drei Arbeitsgruppen Musik, Bildende Kunst und Literatur werden sie das nächste Kulturprogramm erarbeiten. Die Prioritätenliste wird dann dem Kulturamt eingereicht, die Mitarbeiter vergleichen die Vorschläge, Termine und Finanzierung, bringen es in eine Möglichkeitsform und stellen es dem Kulturausschuss und dem Stadtrat zur Abstimmung vor.

Das aktuelle Kulturprogramm wird in wenigen Tagen erscheinen.

Auch bei der Auswahl befindet man sich auf einer Gratwanderung. „Das Leben ist ernst genug, die Leute wollen Spaß haben”, weiß Houben. Und er versichert auch: „Das Anspruchsvolle darf nicht zu kurz kommen, auch wenn es nicht der Geschmack der breiten Masse ist.” Auf der Suche nach Stücken mit hohem Anspruch, die aber weite Gesellschaftskreise anziehen, ist er beim Grenzlandtheater Aachen genau richtig.

Sicherlich: Die Kosten liegen je nach Stück zwischen 2500 und 3500 Euro, dafür ist die Realschul-Aula mit 350 Plätzen aber meist ausverkauft. Diejenigen, die Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind” gesehen haben, dürfen sich jetzt schon auf die Fortsetzung „Alle sieben Wellen” am Donnerstag, 15. Dezember, 20 Uhr in der Realschule freuen.

Am 2. Februar 2012, 20 Uhr, kommt das Grenzlandtheater mit „Der Mann aus La Mancha”, ein Musical von Dale Wasserman. Derweil weisen Gort Houben und Roswitha Reinartz auch auf die Erfolge der Kinder- und Jugendtheaterreihe „Theater Starter” hin, die von unserer Zeitung unterstützt wird. Mehr als 10.000 Besucher in der vergangenen Jahr zeigen, dass die kulturellen Angebote in der Stadt angenommen werden.

Im Rahmen der Kabarettreihe kommt am Mittwoch, 21. September, 20 Uhr, Wilfried Schmickler, seit Jahren Gast von Jürgen Becker in den WDR-Mitternachtsspitzen in die Realschule. Mit brillanten Spitzen tritt er der Verblödung entgegen.

Hastenraths Will gastiert mit seinem ersten Soloprogramm am Mittwoch, 14. Dezember, 20 Uhr, in der Stadtbücherei Geilenkirchen. „Das Buffet ist eröffnet” ist die Comedy mit Christian Macharski überschrieben. Er erklärt den Besuchern die Weltreligionen und Erotik im Alter.

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