Geilenkirchen: Die Künstlerin Renate Schell ist in Malerei und Objektkunst zu Hause

Geilenkirchen : Die Künstlerin Renate Schell ist in Malerei und Objektkunst zu Hause

Die Künstlerin Renate Schell hat große Arbeiten und kleine Arbeiten geschaffen. Von beiden sind derzeit Beispiele im Haus Basten in Geilenkirchen zu sehen. „Einblicke“ heißt die Ausstellung der Übach-Palenberger Künstlerin, die in der Malerei wie in der Objektkunst zu Hause ist. Vielleicht sollte man, wenn man die Ausstellung besucht, mit den kleinen Werken beginnen.

Gleich oben neben der Treppe hängen Schaukästen an einer Stele aufgereiht. Die Holzkisten mit Glasschiebedach enthalten filigrane Papierarbeiten. Renate Schell hat diese kleine Reihe möglicherweise absichtlich, vielleicht auch nur zufällig an den Eingang ihrer Präsentation gestellt. Diese Arbeiten laden dazu ein, einen Gang runter zu schalten. Einmal genauer hinzuschauen. Denn, außer ein wenig Papier und ein paar Zweiglein enthalten diese Schaukästen nichts.

Renate Schell zeigt derzeit unter dem Titel „Einblicke“ Kunstwerke im Haus Basten.

Doch schon der erste Eindruck lässt vermuten, dass da mehr drin steckt in diesen Holzkisten. Es ist die Art und Weise, wie Renate Schell mit dem Material Papier umgeht, die aufmerksam macht. Frucht und Häutung seien Themen, sagt die Künstlerin, die sie derzeit besonders interessierten.

Das Hervortreten, Sichtbarwerden, Sichbewegen und eben das Weiterentwickeln würden ihr als Gedankengrundlage dienen. Wer nicht denken mag, ist bei Renate Schell aber auch richtig. Das mal leicht grünliche Papier, dann das naturfarbene Japanpapier und die feinfühlige Kombination mit Geäst verleihen diesen Arbeiten von Renate Schell etwas Schönes, das man vielleicht nicht enträtseln muss.

Wer also wenig denken mag beim Kunstgucken, wird vielleicht gleich gegenüber an der Wand seinen Blick inne halten lassen bei sehr schönen, kleinformatigen Drucken der Künstlerin. „Gedanken verloren“ heißt eine Serie. Da Renate Schell ihr Werk handschriftlich mit „gedanken verloren“ betitelt hat, lässt sich nicht ganz genau ausmachen, ob sie nun ihre Gedanken verloren und nicht wiedergefunden hat, oder ob sie einen gedankenverlorenen Zustand meint. Man sieht zwei Silhouetten, die eines Gesichtes im Vordergrund und die eines weiblichen Aktes im Hintergrund.

Renate Schell druckt mit Holz, Gummi und anderen Materialien auf das Papier. Sie bearbeitet den Druck noch mit weiteren Materialien, und bevor die Gedanken dann ganz abhanden kommen, ist das Bild fertig.

Etwas größer geht es weiter mit in Reihe gehängten Aktzeichnungen. Mit wenigen Strichen skizziert Renate Schell den weiblichen Körper und das reduzierte Interieur der dargestellten Szene. Man sieht eine auf einem Sofa Sitzende. Zwei Kringel deuten Teppiche an. Eine mondförmige Skulptur steht neben dem Sofa. Hinter der elegant, wohl wegen der Beinhaltung, wirkenden Dame hängt ein Bild an der Wand.

Der Kunsthistoriker Dr. Josef Gülpers hielt bei der Vernissage zur Ausstellung im Haus Basten, die der Verein GK Kulturgut veranstaltet, die Einführungsrede. Er bezeichnete Renate Schell als politische Künstlerin. Diese Erkenntnis muss er aus den großen Bildern gewonnen haben. Es handelt sich um Gemälde in Blautönen, die Renate Schell in Erinnerung an skandinavische Lichtstimmungen gerne verwendet. Sicherlich spielen im Denken der Künstlerin auch Gedanken an den Erhalt des Planeten eine Rolle. Frucht und Häutung lassen sich sicherlich in diese Gedankenketten einreihen. Aber greift die Künstlerin tatsächlich in einem ihrer großen Bilder, das menschliche Figuren zeigt, tatsächlich die Flüchtlingsthematik auf, wie der Redner kund tat?

Renate Schell hat in einer kleinen Arbeit von 2018, die wohl zur Ausstellung geschaffen wurde, den Begriff der Angleichung gewählt, um die Gedanken des Künstlers und die des Betrachters und die Distanz zwischen beiden zu beschreiben. Das Werk besteht aus ein paar aufgefundenen Blättern. Auf einem der Blätter steht ein handschriftlich niedergeschriebener Text. Darin heißt es: „Ab und an können Angleichungen sichtbar werden. Schön, wenn diese Kommunikation stattfindet.“ Die Ausstellung im Haus Basten ist bis zum 27. Mai donnerstags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

(defi)
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